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Chronik Österreich
04/26/2021

Vorarlbergs riskantes Corona-Comeback

Am Dienstag werden im Bregenzerwald und in Lustenau die Maßnahmen verschärft. Die Gasthäuser bleiben weiter offen.

von Christian Willim

Im Vorarlberger Landhaus laufen voraussichtlich bis in den Montagnachmittag hinein Besprechungen mit den Bürgermeistern der aktuellen Sorgenkind-Gemeinden im Bundesland. Dabei sollen weitere Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens und deren Umsetzung geklärt werden.

Vorarlberg ist mittlerweile zum österreichweiten Spitzenreiter der 7-Tages-Inzidenz mutiert. Als dort am 15.3. die Modellregion für Öffnungsschritte startete, war man am anderen Ende der Statistik. Um die Lage wieder in den Griff zu bekommen, wird am Dienstag die Ausreisetestpflicht für den Bregenzerwald verlängert.

Oberstufe zu, Wirtshäuser offen

In der Region sowie in der Marktgemeinde Lustenau - ebenfalls ein aktueller Hotspot - werden am Dienstag verschärfte Auflagen in Kraft treten. So wird es zu einer Test- und Maskenpflicht an bestimmten öffentlichen Orten kommen. In der Oberstufe wird der Unterricht auf Distance-Learning umgestellt.

Woran jedoch vorerst noch nicht gerüttelt werden dürfte, sind die Öffnungsschritte in den Bereichen Gastronomie, Jugendsport und Kulturveranstaltungen - auch nicht in den nun besonders stark betroffenen Regionen.

"Wir können nach wie vor keine Cluster auf Gastronomie oder Veranstaltungen zurückführen", erklärt Florian Themessl, Sprecher des Landes. Auf den Intensivstationen haben mit dem Ansteigen der Infektionen zwar auch die Belegungen stark zugenommen. Sie scheinen sich jedoch vorerst eingependelt zu haben.

Lage auf den Intensivstationen

"Wir haben in den vergangenen Tagen eine Seitwärtsbewegung", sagt Gerald Fleisch, Geschäftsführer der Vorarlberger Landeskrankenhäuser zur Lage auf den Intensivstationen. Mögliche Effekte des aktuellen Geschehens sehe man aber erst in eineinhalb Wochen. "Ob es enger wird, zeigen die kommenden Tage", sagt Fleisch.

Am Montag mussten in Vorarlbergs Spitälern 8 Covid-Patienten intensivmedizinisch behandelt werden. Kein Vergleich zur zweiten Welle, die das Bundesland an die Kapazitätsgrenzen geführt hatte: Da waren es am Höhepunkt 44 Menschen auf den Intensivstationen.

Was Fleisch im Vergleich zur zweiten Welle positiv auffällt: "Die Hospitalisierungsrate der Covid-Infizierten liegt im Vergleich zum Herbst, da waren es 8 Prozent, im Moment bei 5,5 Prozent."

Es werden also im Verhältnis weniger Menschen spitalspflichtig. Weiterhin landen aber 20 Prozent aller aufgenommenen Corona-Patienten auf der Intensivstation. In der Vorwoche waren es in Vorarlberg vorübergehend 30 Prozent, was für Nervosität gesorgt hat.

Großer Anteil an jungen Infizierten

Als ein Grund für die steile Infektionskurve der vergangenen Wochen in Vorarlberg wird das im Vergleich zum Rest von Österreich verspätete Durchgreifen der britischen Variante gesehen.

Was aktuell auffällt: Sowohl in Lustenau, als auch im Bregenzerwald ist der Anteil von Kindern und Jugendlichen unter den Infizierten sehr groß. Im Bregenzerwald waren bis Sonntagabend 316 Corona-Infektionen bekannt, 64 davon Minderjährige. Ähnliches galt für Lustenau, wo am Montag 145 Fälle verzeichnet waren und der Anteil der Minderjährigen mit 80 hoch war.

Beim Land geht man einerseits davon aus, dass die weit vorangeschrittene Durchimpfung der Älteren - teilweise sind aktuell bereits die Über-55-Jährigen an der Reihe - Wirkung zeigt und deshalb der Anteil der Jüngeren so hoch ist. Bleibt die Frage, wo sie sich infiziert haben? Im Bregenzerwald werden vor allem Familientreffen als Grund gesehen. In Lustenau spielt ein Cluster in einer Kinderbetreuungseinrichtung eine Rolle.

Streuung verhindern

Einmal mehr kommen Schüler zum Handkuss, um das Infektionsgeschehen einzudämmen. Im Bregenzerwald betrifft es die Oberstufen von zwei Schulen, die ins Homeschooling wechseln müssen. So soll vermieden werden, dass Jugendliche aus stark betroffenen Gemeinden das Virus an an Schüler aus anderen Orten weiterreichen können.

In Lustenau gehen Oberstufenschüler von HAK/HAS und Bundesrealgymnasium, die ebenfalls ein Einzugsgebiet über die Gemeindegrenzen hinaus haben, ins Distancelearning.

Die Modellregion Vorarlberg zeigt, dass Öffnungsschritte in der Pandemie mit einem stetigen Gegensteuern verbunden sind. Ob der Versuch, das auf lokale und regionale Maßnahmen zu beschränken, gelingt, könnte auch richtungsweisend für die ab 19. Mai von der Bundesregierung angekündigten Lockerungen werden.

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