Chronik | Österreich
28.11.2018

Warum sich jetzt die Spendenboxen füllen

Rund 6000 Organisationen rittern um Gelder für den guten Zweck. Tiroler sind laut Statistik großzügiger als Wiener.

Für Hilfsorganisationen kommt jetzt die wichtigste Zeit im Jahr. Traditionell spielen sie rund um Weihnachten bis zu einem Drittel des jährlichen Spendenvolumens ein. Doch die Maschinerie kommt immer später ins Laufen, sagt Nora Deinhammer von SOS-Kinderdorf. Schlicht, weil das Wetter kaum jemanden an Weihnachten denken lässt – und keine rechte Spendierlaune aufkommt, sagt sie.

Dennoch steigt das Spendenaufkommen heuer laut Hochrechnungen landesweit auf den Rekordwert von 675 Millionen Euro. Das entspricht einem Plus von 15 Millionen oder zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Statistisch gesehen spendet der Österreicher damit 75 Euro im Jahr – und ist im internationalem Vergleich weit vom Spitzenfeld entfernt. Zum Vergleich: Die Schweizer lassen zweieinhalb mal so viel, die Briten dreieinhalb mal so viel springen. In Deutschland liegt der Durchschnittswert immerhin bei 90 Euro.

 

 

Österreich ist ein Land von Kleinspendern“, sagt Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verbandes. Er ruft dazu auf, lieber weniger oft, dafür dann höhere Beträge zu spenden – zu Weihnachten etwa 30 bis 50 Euro pro Organisation. „Entscheiden Sie sich für eine oder wenige Organisationen und bleiben Sie ihr treu, so wird der Verwaltungsaufwand möglichst gering gehalten“, rät der Experte. Deinhammer stimmt ihm zu: „Dauerhafte Patenschaften sind für unsere Planbarkeit wichtig, im Schnitt bleiben uns unsere Paten für sieben Jahre erhalten.“ Die meisten, die die Unterstützung doch einstellen, würden dafür Änderungen persönlicher Lebensumstände angeben. Manche möchten auch für andere Themen, etwa Umweltschutz, spenden.

Sympathiewert als Ass

Fragt man die Österreicher nach ihren Spendenmotiven, stehen die Sympathiewerte für die Organisation (57 Prozent) ganz oben. Fast gleich oft werden Einzelschicksale genannt, die den Befragten besonders am Herzen liegen, sowie die Sicherheit, dass die Spende auch tatsächlich bei den Bedürftigen ankommt – und nicht wirkungslos in der Verwaltung verpufft. Dagegen ist nur für jeden Dritten relevant, dass die eingesammelten Gelder im eigenen Land eingesetzt werden.

Über einen Mangel an Spendenmöglichkeiten kann sich der Österreicher jedenfalls nicht beschweren. „Rund 6000 Organisationen rittern um Spenden, von der freiwilligen Feuerwehr bis zum SOS Kinderdorf“, sagt Lutschinger. Deutlich positive Effekte hat die 2009 eingeführte Spenden-Absetzbarkeit gehabt. „Jeder dritte Spenden-Euro ist in der Steuererklärung angegeben“, sagt Lutschinger.

 

 

In der Rangliste der fünf größten Non-Profit-Organisationen steht übrigens die Caritas ganz oben (mit einem Spendenvolumen von 77 Millionen Euro), gefolgt vom Österreichischen Roten Kreuz (70 Mio. Euro). Mit Respektabstand folgen das SOS Kinderdorf und Ärzte ohne Grenzen (35 bzw. 23 Millionen Euro). In diesen Summen sind übrigens unter anderem auch Sachspenden enthalten. So sammeln Organisationen wie die Caritas unter anderem insgesamt rund 80.000 Tonnen Altkleider im Jahr ein, die unter anderem in der Gruft verteilt werden.

Im Rangfolge der großzügigsten Spender tut sich übrigens ein Ost-West-Gefälle auf. Die Tiroler, Vorarlberger und Salzburger machen demnach am meisten Mittel für den guten Zweck frei, am anderen Ende der Skala liegen die Wiener und Niederösterreicher.