Chronik | Wien
28.11.2018

Ein Platz zum Schlafen und ein warmes Essen

Seit 2005 spendet Raiffeisen in Kooperation mit dem KURIER an die Gruft

Wärme, etwas zu essen und Menschen, die zuhören und helfen. Für viele obdachlose Menschen ist die Gruft, die Obdachloseneinrichtung der Wiener Caritas in Wien-Mariahilf, die erste Anlaufstelle. Die Geschichte der Gruft begann mit einigen Schülerinnen und Schülern im Winter 1986/87. Gemeinsam mit dem Mariahilfer Pfarrer Peter Albert Gabriel schmierten die Schüler Schmalzbrote und schenkten Tee an Obdachlose aus. Nur für einige wenige war damals Platz in der Gruft unter der Barnabitenkirche.

Heute, 32 Jahre später, ist die Gruft die wohl bekannteste Notschlafstelle für Obdachlose in Wien. 22.400 Nächtigungen verzeichnete die Einrichtung vergangenen Winter – knapp tausend mehr als im Jahr 2016. Auch die Zahl der ausgegeben warmen Mahlzeiten im Tageszentrum der Gruft und der Zweiten Gruft (in Währing) ist vom Winter 2016/17 auf jenen im vergangenen Jahr gestiegen – und zwar von 181.400 auf 221.755. Wenden sich mehr Klienten an die Gruft, ist diese auf mehr Spenden angewiesen.

Patenschaft

Seit dem Jahr 2005 gibt es die Kardinal-König-Patenschaft zwischen Raiffeisen und dem KURIER. Jedes Jahr sammelt Raiffeisen Spenden für die Gruft, Mitarbeiter kochen für Obdachlose. Bis jetzt wurden so 450.000 Euro Spenden gesammelt. Davon werden laufende Kosten der Gruft gedeckt, etwa die Psychologin für die Klienten.

Spendenkonto: AT46 3200 0000 0811 9901

Plötzlich obdachlos: Werner S. erzählt in seinen Worten, was ihm die Gruft bedeutet

„42 Jahre habe ich auf der Sonnenseite des Lebens verbracht. Nicht im Traum hätte ich daran gedacht, jemals etwas mit Obdachlosigkeit zu tun zu haben. Während meiner Kindheit und Jugend hat es mir an absolut nichts gefehlt. Ich habe meine Schul- und Lehrzeit erfolgreich abgeschlossen. Danach habe ich in der Gastronomie meine berufliche Zukunft gesehen. Die Jahre in der Gastroszene waren sehr arbeitsintensiv, aber finanziell extrem erfolgreich.

 

Auch privat lief alles so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich bin viel gereist und habe sehr viel von der Welt gesehen. Zu dieser Zeit wusste ich  überhaupt nicht, dass es eine Einrichtung wie die Gruft gibt. Eine falsche Entscheidung im Leben und ein Schicksalsschlag zu Beginn des Jahres 2018 – und schon war auch ich in der Situation, obdachlos zu sein.
Von einem Tag auf den anderen hat sich mein Leben um 180 Grad gedreht und ich habe mit 70 anderen Menschen den Tag in der Gruft verbracht und abends im Notquartier geschlafen. Diese Umstellung war anfangs extrem gewöhnungsbedürftig .

Sechs Monate habe ich in der Gruft verbracht. Danach bin ich in eine betreute Wohneinrichtung der Stadt Wien gekommen, ab Jänner 2019 werde ich wieder in meine eigene Wohnung ziehen. Zusammen mit dem Team der Gruft  habe ich das geschafft. Ich habe dem Team der Gruft (den Verantwortlichen, den Sozialarbeitern, den Betreuern, den Psychologen und den Therapeuten) unglaublich viel zu verdanken. Was diese Mitarbeiter täglich leisten, kann man mit Worten nicht beschreiben. Ich werde den Rest meines Lebens  mit dieser Einrichtung verbunden bleiben und helfen, wo ich gebraucht werde. In der Gruft habe ich auch eine andere Einstellung zum Leben bekommen.
Früher habe auch ich ein Urteil über Obdachlose getroffen. Das werde ich definitiv nicht mehr tun, denn ich weiß, wie schnell es gehen kann, dass man selber obdachlos wird.“