Truckerhaus geht in 10. Saison: Kleine Bühne, großer Erfolg
Nach den Veranstaltungen kann man sich an der Bar oft auch mit den Künstlerinnen und Künstlern unterhalten.
Ende März trat die bekannte österreichische Musikformation „Yasmo & die Klangkantine“ in einem Zentrum abseits der üblichen auf, im Zentrum des tiefsten südlichen Waldviertels. Im „Truckerhaus“ in Gutenbrunn im Bezirk Zwettl bespielten sie die drei Mal vier Meter große Bühne und gingen mit dem etwa 60 Personen zählenden Publikum auf Tuchfühlung. „Das schätzen die Künstlerinnen und Künstler sehr. Bei Kabaretts, wenn Stühle aufgestellt sind, tendieren die Gäste dazu, die Füße auf der Bühne abzustellen“, schmunzelt Erwin van Dijk. Er ist Teil der Kulturinitiative Weinsbergerwald, die die Kleinkunstbühne „Truckerhaus“ betreibt.
Heuer ist die zehnte Saison im ehemaligen Haus der Familie Trucker. „Es gehört jetzt der Gemeinde. Im Ort war es immer das ,Truckerhaus’, dabei sind wir geblieben, als wir eingezogen sind“, sagt er. Im Verein sind acht Personen aktiv, gegründet wurde er bereits 1994.
Bis ins Jahr 2015 war der Verein im Bühnenwirtshaus Juster im Ort aktiv. Als der Betreiber entschied, die Bühne nicht mehr zu bespielen, wollte der Verein weiterhin Kultur ins rund 450-Einwohner-zählende Gutenbrunn bringen.
- Die Kulturinitiative Weinsbergerwald bespielt das Truckerhaus seit 2017. Es gibt 45 Sitzplätze oder maximal 65 Stehplätze.
- 19. April: Lesung von und mit Stefan Kutzenberger
- 9. Mai: Konzert Luciano Biondini und Klaus Falschlunger
- 18. September: Kabarett Mike Supancic
- 16. und 17. Oktober: Konzert Truckerhaus Band
- Tickets gibt es online unter www.truckerhaus.at
Die Gemeinde habe ihnen schließlich das „Truckerhaus“ angeboten, dem der Abriss drohte. Das ehemalige Gemischtwarengeschäft stand schon jahrelang leer und war schwer sanierungsbedürftig. „Im Zuge der Landesausstellung 2017 konnten wir die finanziellen Mittel mit Hilfe des Landes Niederösterreich für die Renovierung auftreiben“, erzählt der 54-jährige van Dijk.
Sehr gefragt bei Künstlern
Das „Truckerhaus“ war Teil der Landesausstellung. Der erste Künstler auf der neuen Bühne: Joesi Prokopetz. Viele Kabarettistinnen und Kabarettisten würden hier Vorpremieren feiern. „Oft stehen sie danach mit den Gästen an der Bar und fragen direkt nach Feedback“, sagt van Dijk. Rund 25 Veranstaltungen gibt es im Jahr. „Es kommt nur auf die Bühne, was uns selbst gefällt“, erklärt er. Es handle sich um ein Nischenprogramm, „wir können uns das leisten, weil wir so klein sind.“ Im Vorjahr lag die Auslastung bei über 90 Prozent.
Auf der Bühne stehen junge Künstlerinnen und Künstler, etwa Kabarettisten, es wird Jazz und alternative Musik gespielt. „Die Karten für Thomas Maurer zu verkaufen, fällt uns oft schwerer, weil politisches Kabarett hier nicht so gefragt ist“, erzählt er. Maurer gastierte schon mehrmals in Gutenbrunn.
Täglich erhält van Dijk Anfragen von Künstlerinnen und Künstlern, die im Truckerhaus auftreten wollen. „Wir könnten zweimal pro Woche etwas machen. Ich habe noch nie jemanden angefragt, alle kommen auf uns zu“, sagt der Programmverantwortliche. Während der Sommermonate gibt es keine Veranstaltungen, „da können wir nicht mit den Feuerwehrfesten mithalten“.
Juster hat Kultur aufs Land geholt
Die Kleinkunstbühne lebe vom Ehrenamt, von der Unterstützung der Gemeinde und des Landes Niederösterreich, betont van Dijk. Außerdem erzählt er, dass das Bühnenwirtshaus Juster, wo der Verein seine Anfänge hatte, die Initiative der Bühnenwirtshäuser NÖ gestartet hat. „Dieter Juster hat die Kultur aufs Land geholt.“
Das Truckerhaus dient als Kleinkunstbühne.
Geschichtsträchtig
Das 240 Jahre alte Truckerhaus öffnet nicht nur die Tür zur Kultur, auch zur Geschichte. Es hat einen zweiten Eingang – einen zu einem Museum, das ebenfalls von einem örtlichen Verein betrieben wird. Erwin van Dijk ist der Obmann. Im Museum geht es vor allem um die industrielle Geschichte der Region. Auch außerhalb der Räumlichkeiten kann man sie erleben, nämlich im Weinsbergerwald, wo 54 Fundorte markiert und beschrieben sind. Das Museum ist täglich von acht Uhr morgens bis sechs Uhr abends geöffnet und kann auf eigene Faust erkundet werden.
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