Chronik | Österreich
15.04.2017

Vom Clubbing-DJ zum Priester: "Gott hat für jeden einen Weg"

Thomas Marosch tauschte Plattenteller gegen Soutane. Nun ist er Kaplan in Perchtoldsdorf.

Anfang der 2000er-Jahre kam kaum jemand an ihm vorbei: Mit drei Freunden beschallte Thomas Marosch alias DJ Tom nahezu jeden Schulball im südlichen Wiener Umland. Die Partys der "TOM Discomania" (nach Thomas, Oliver und Markus sowie Gunnar) waren legendär. Musik ist seine Leidenschaft geblieben. Doch heute steht Marosch hinter dem dem Altar statt dem DJ-Pult. 2015 wurde der 43-Jährige zum Priester geweiht. In Discos geht er trotzdem noch.

"Die Idee, Priester zu werden, hatte ich schon als Kind. Ich habe es damals aber noch nicht konkret gewusst. Im Laufe der Jahre ist der Ruf immer lauter geworden", erzählt Marosch. Er sitzt in der Küche der Pfarre Perchtoldsdorf, wo er als Kaplan tätig ist, und nippt an seinem Tee. Katze Paula streicht um seine Beine. Es ist neun Uhr, die Frühmesse hat er bereits gehalten. Anstrengend. Er sei kein Morgenmensch, erzählt der Kaplan lächelnd.

Aufgewachsen ist der 43-Jährige in Gumpoldskirchen, Bezirk Mödling. Seine Eltern waren nicht übermäßig religiös. Schon früh engagierte sich Marosch bei der Jungschar, wurde Ministrant, dann Pfarrgemeinderat. Einen Rosenkranz-Ring, den er mit 14 Jahren vom Pfarrer anlässlich seiner Ernennung zum Jungschar-Gruppenleiter erhielt, trägt er noch heute. Er steht dafür, dass er Zeit seines Lebens mit Gott verbunden ist.

"Die Disco ist aus der Pfarre heraus entstanden", erzählt der 43-Jährige. Marosch und seine Freunde wollten einfach Feiern veranstalten. Später kamen dann die Schulbälle und sogar zwei Rockfestivals in seinem Heimatort dazu. "Das war zehn Jahre lang ein großer Teil meines Lebens", sagt er heute. Und ist auch heute von Vorteil: "Ich kenne mich mit Veranstaltungen ein bisschen aus. Ich weiß, wie man ein Mikrophon ansteckt", scherzt der Priester.

Bevor Marosch ins Priesterseminar eintrat, studierte er Wirtschaft, arbeitete in Wien und war Gemeinderat in Gumpoldskirchen. 2007 stand sein Entschluss fest, Theologie zu studieren. "Gott hat für jeden einen Weg", sagt er. Seiner führte eben in die Kirche. Von seinen Freunden erhielt er viel Unterstützung. "Alle haben verstanden, dass mich das bewegt." Einige bitten ihn nun, sie zu trauen oder ihre Kinder zu taufen.

Hilfe am Feierabend

Priester sein, das mache ihn glücklich: "Das bist du ganzheitlich. Wenn ich am Abend irgendwo mit einem Bier sitze und jemand spricht mich an, werde ich ihm helfen", betont Marosch. Oft geht es um Krankheit, Tod und Scheitern. "Das sind die Themen, mit denen die Menschen kommen. Bei denen sie sehen, dass der Beistand der Kirche etwas Besonderes ist." Mitunter sei die Aufgabe herausfordernd: "Natürlich komme auch ich immer wieder zur Frage, warum Gott etwas macht." Zweifel habe er aber nie gehabt.

Vermutlich war Marosch’ Weg vorgezeichnet. Immerhin engagiert er sich seit 18 Jahren auch leidenschaftlich beim Samariterbund Traiskirchen – vor allem in der Krisenintervention. Auch hier half er Menschen stets in schweren Zeiten. Mittlerweile ist er in der Organsiation als Priester und als Landesrettungskoordinator tätig. Seine Erfahrungen, auch bei Einsätzen im Flüchtlingslager Traiskirchen, prägten ihn und seine Arbeit für die Kirche.

Die Musik begleitete Thomas Marosch eigentlich immer. Er sang mit den Gumpoldskirchner Spatzen in der Staatsoper, lernte Gitarre. "Ich mag die Vielfalt", sagt er. In seiner persönlichen Playlist befinden sich neben Rock-Klassikern und Tanz-Hymnen nun eben auch Kirchenlieder. Und als jemand, der sich auch für die Jugend einsetzt, ist Marosch kein Kind von Traurigkeit. So kann man ihn noch heute auf Konzerten oder in Discos treffen. "Ich finde das alles spannend", sagt er lachend. Nur die Plattenteller stehen für ihn nun still.