Chronik | Österreich
14.11.2015

Österreichisches Opfer außer Lebensgefahr

21-jähriger Tiroler erlitt Bauchschuss. Aufenthaltsort erst seit der Nacht auf Sonntag klar. Eine Innsbrucker Band entkam durch Glück. Zwei weitere Österreicher blieben unverletzt.

Der Aufenthaltsort des bei dem Terroranschlag auf den Pariser Konzertsaal Bataclan verletzten Österreichers ist nun bekannt. Laut einem Sprecher des Außenministeriums ist der 21-jährige Tiroler außer Lebensgefahr. Derzeit sei er aber noch nicht transportfähig, hieß es in der Nacht auf Sonntag. Sobald es sein Gesundheitszustand zulässt, soll der junge Mann nach Österreich gebracht werden.

Der Tiroler hatte bei den Anschlägen am Freitagabend in der Pariser Konzerthalle eine Schussverletzung erlitten. Die Botschaft konnte den jungen Mann in einem Krankenhaus in Paris ausfindig machen.

Bauchschuss

In den frühen Morgenstunden nach der Terrornacht von Paris machte sich der Vater von Daniel B. aus Tarrenz (Bezirk Imst) gemeinsam mit einem Tiroler Intensivmediziner auf den Weg in die französische Hauptstadt. Der 21-jährige Sohn des Mannes war unter den Besuchern im Bataclan, als Terroristen den mit rund 1500 Besuchern ausverkauften Club stürmten. Der Tiroler soll dabei einen Bauchschuss erlitten haben.

" Daniel war mit seiner Freundin im Bataclan. Die beiden wurden getrennt", erzählte Jörg Philipp von der Tiroler Tourbus-Firma "Beat the Street", bei der Daniel B. im Büro arbeitet. Philipp zitterte nicht nur um das Leben seines Angestellten, dessen Freundin unverletzt blieb. Er kennt auch die beiden Bands, die Freitagnacht aufgetreten sind, sehr gut. Sie waren mit einem von Philipps Bussen auf Tour. "Gegen halbzehn oder zehn hat mich einer meiner Fahrer angerufen, die im Bus geschlafen haben, und gesagt: Hier wird geschossen. Überall liegen Tote und Verletzte."

Die US-Rockband "Eagles of Death Metal" stand auf der Bühne, als die Terroristen in die Menge feuerten. Die Tiroler Band "White Miles" hatte da ihren Auftritt als Vorgruppe bereits absolviert. Schlagzeuger Hansjörg "Lofi" Loferer und Sängerin Medina Rekic waren gerade am Rückweg zur Halle, nachdem sie sich bei einem Take-Away um die Ecke etwas zum Essen geholt hatten, als der Anschlag begann. "Uns ist ein Polizist entgegengekommen und hat ,Schießerei‘ usw. geschrien. Wir sind wieder zurückgerannt und in das Geschäft hinein", berichtete Loferer am Samstag gegenüber der APA.

"Einer von uns ist nicht mehr unter uns", sagte der Musiker. Der Merchandising-Verkäufer der beiden Bands, ein Brite, starb im Kugelhagel. Das Tiroler Duo blieb unverletzt. Unmittelbar nach dem Angriff waren laut Loferer überall Sirenen und Schreie zu hören, "der Lärmpegel war sehr hoch". Die Band habe die ganze Nacht auf der Straße und dem Polizeirevier verbracht. "Ich fange gerade erst damit an, zu realisieren, was passiert ist und weiß selbst nicht, wie es mir gerade geht, weil es sehr surreal ist", erklärte Loferer.

"Toter fiel auf mich"

Nur mit Glück entkam auch eine weitere Österreicherin, die in Paris lebende Theresa Cede, dem Anschlag. Sie verfolgte das Konzert im hinteren Bereich des Bataclan, wie sieFM4in einem Interview schilderte. "Wie das losgegangen ist, hat man direkt neben mir jemandem in den Kopf geschossen, der ist dann auf mich gefallen und ich bin unter dem liegen geblieben, wir haben versucht, uns nicht mehr zu bewegen und die Verletzten, so gut es geht, zu beruhigen, damit sie so still wie möglich sind", berichtete die 39-Jährige.

Etwa eine Stunde sei sie auf dem Boden gelegen, bis die Polizei kam und gesagt hätte: "Schnell raus, raus, raus." Cede blieb unverletzt. Das Schicksal des vermissten Tirolers ist bis dato noch ungewiss.

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