Chronik | Österreich
16.03.2018

Verhungertes Rotwild: Jäger angezeigt

Tierschützer behaupten, Jäger hätten keine Notfütterungen durchgeführt

Mehr als 170 Stück verhungertes Rotwild sollen laut dem Wiener Tierschutzverein (WTV) kürzlich in den drei Oberkärntner Gemeinden Bad Kleinkirchheim, St. Oswald und Reichenau gefunden worden sein. Die Jägerschaft hätte es verabsäumt, Notfütterungen durchzuführen und die Tiere somit mutwillig getötet, heißt es in der Anzeige, die bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt einlangte.

Diese Anzeige wegen Tierquälerei wurde gegen die drei Gemeinden, die jeweiligen Bezirksjägermeister und das Amt der Kärntner Landesregierung als Aufsichtsbehörde eingebracht. "Jäger haben in Extremsituationen eine Notfütterungspflicht. Die Jägerschaft hat dies unterlassen und den qualvollen Hungertod dutzender Tiere bewusst herbeigeführt", lautet der Vorwurf von WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic. Diese mit Fotos dokumentierte Information habe der Verein aus der Jägerschaft selbst.

"Gab Notfütterungen"

Ferdinand Gorton, Präsident der Kärntner Jägerschaft, will die Zahl der verendeten Tiere weder dementieren noch bestätigen. 170 Stück in nur drei Gemeinden wäre aber eine hohe Sterberate. "Durch den besonders strengen Winter und die Temperaturschwankungen ist heuer wohl mit einer höheren Fallwildrate zu rechnen. Gewöhnlich sind es jedoch jährlich in ganz Kärnten 200 bis 250 ", sagt Gorton. Notfütterungen hätte es gegeben.

Kärntens Jagdreferent Gernot Darmann (FPÖ) weist die Vorwürfe ebenfalls zurück. Fütterungen außerhalb von fixen Fütterungsstellen hätten stattgefunden. "Leider wurden diese teilweise nicht angenommen, weil im Bereich von Skigebieten (die erwähnten Gemeinden sind als solche einzustufen, Anm.) Rotwildrudel durch Skifahrer gesprengt worden sind", erklärt Darmann.