Geologe: Mure im Kötschachtal ist „eindeutige Auswirkung des Klimawandels“
Die enorme Hitze macht in Österreich Pause. Aber nur kurz. Und die Hitzepause nach drei Tagen mit jeweils mehr als 40 °C führt nicht nur zu einer Entspannung, vielmehr hat sie zu einer Entladung gewaltiger Energiemengen geführt. Spürbar diesmal am Donnerstag vor allem im westlichen Alpenraum, wo exakt das eingetroffen ist, was Klimaforscher seit Jahren und Jahrzehnten vorhersagen.
Im Zillertal sind Muren abgegangen, in anderen Teilen Tirols wurden Keller überflutet. Heftiger hat es Salzburg erwischt. Das Ausmaß der Schäden war am Freitag noch nicht absehbar. Barbara Staudinger vom Hydrografischen Dienst des Landes, ließ in einer Aussendung wissen: „Aufgrund der hohen Intensität und Trockenheit haben einzelne lokale Ereignisse eine sehr verheerende Wirkung.“
Brücken wurden zerstört
Aus kleinen Bächen wurden tosende Flüsse: Beim Pirtendorferbach mussten Häuser evakuiert und ein Dutzend Bewohner andernorts untergebracht werden. Fünf Brücken wurden zerstört, fünf Häuser beschädigt, meldete die APA. 13 Objekte waren längere Zeit von der Umwelt abgeschnitten. In Uttendorf trat der Tobersbach über die Ufer und verwüstete einen Teil des Ortsteils. Muren gingen auch in Dorfgastein und Bad Gastein ab, dort wurden Brücken weggerissen, Wanderer mussten am Abend vom Alpenhaus Prossau ausgeflogen werden. Erst Freitagfrüh konnten hingegen eingeschlossene Personen aus dem Gasteiner Kötschachtal gerettet werden. Dass man im Pongau mit einem „blauen Auge“ davongekommen sei, bestätigte Michael Rachensperger, Katastrophenschutzreferent der zuständigen Bezirkshauptmannschaft, er führte das auf funktionierende Schutzbauten zurück.
Die Rolle der Klimakrise
Woran auch der Salzburger Landesgeologe Gerald Valentin keinen Zweifel lässt: Die Ursache der Mure im Kötschachtal sei „eine eindeutige Auswirkung des Klimawandels“.
Denn oberhalb des betroffenen Gebietes habe es früher beim Tischlerkar-Kees einen Gletscher gegeben, der auch starke Niederschläge wie ein Schwamm zurückgehalten habe: „Das Eis ist in den vergangenen 20 Jahren jedoch bis auf einen kleinen Rest abgeschmolzen. Übrig geblieben sind polierte Felsoberflächen, die kein Wasser mehr aufnehmen können.“ Valentin geht davon aus, dass es in dem Bereich auch in Zukunft problematisch sein werde.
Für Diskussionen sorgte nun auch ÖVP-Bundeskanzler Christian Stocker in der Zeit im Bild, als er die Bedeutung Österreichs für den Klimawandel mit dem Verweis relativierte, dass das Land nur für 0,2 Prozent der globalen Emissionen von Treibhausgasen verantwortlich sei und somit keine große Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels spiele. Dem hält ORF-Meteorologe Markus Wadsak entgegen, dass Österreich nur 0,1 Prozent der Weltbevölkerung stelle und somit doppelt so viele Emissionen ausstoße wie der globale Durchschnitt. Deshalb sehe er auch in Österreich großen Handlungsbedarf.
Und mit Blick auf die immer häufiger werdenden extremen Unwetter samt schwerer Schäden, verweist Wadsak auf die Vorhersagen der Klimatologen: „Was wir heuer erleben, kommt nicht überraschend, die Warnungen waren laut. In einer wärmeren Atmosphäre wird unser Wetter extremer. Das ist einfache Physik und wirkt sich bei der Hitze ebenso aus wie bei Gewitter und Unwetter.“
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