Chronik ├ľsterreich

Und jetzt das Probenockerl!

Warum warmes Wasser kein goldener Mittelweg, sondern ein Schmarrn und ein guter Fleischhauer unersetzbar ist

von Barbara Beer

01/28/2022, 02:19 PM

Es gibt Tage, da ist Grie├čnockerlsuppe die letzte Rettung. Und zwar die beim Stammwirt. Die Suppe ist kr├Ąftig, die Nockerln so, wie sie sein sollen. Fest, aber nicht trocken. Dem Stammwirt gelingt das perfekt. (Im Gegensatz zu den Palatschinken, die zuletzt schmeckten, als w├Ąren sie vorgebacken. Ein Trauerspiel.)

Die gute Suppe also. Laut Aufzeichnungen meiner Mutter ist sie zu allererst das Resultat einer schwerwiegenden Entscheidung. Jener zwischen Suppe und Fleisch. Legt man gr├Â├čeren Wert auf die Suppe, stellt man das Fleisch mit kaltem Wasser zu. Ist einem die Suppe weniger wichtig als ein saftiges, geschmackvolles St├╝ck Fleisch, bringt man erst das Wasser zum Kochen, ehe man das Fleisch einlegt. Warmes Wasser ist kein goldener Mittelweg, sondern ein Schmarrn.

Die Rindsuppe nimmt mehr als zwei Seiten im Kochbuch meiner Mutter ein. Sie hat es vor ├╝ber drei├čig Jahren geschrieben und mir zum 18. Geburtstag geschenkt. Als Wegbegleiter durch dein Erwachsenenleben. Das Buch ist voll von Imperativen und Verboten. Beim Thema Grie├čnockerl (sowie bei allen anderen Nockerln) etwa die Aufforderung Probenockerl!

Wenn es allgemein wird, kommt das Wort PRINZIPIELL, stets in Gro├čbuchstaben. Oder die Formulierung Keinesfalls sollte man.

Zu viel Salz war ihre Lieblingswarnung. Gar nicht goutierte sie, was viele (sorry, M├Ąnner) fr├╝her (?) im Wirtshaus mit Maggi gemacht haben. Noch vor dem L├Âffel nahmen sie das braune Flascherl in die Hand und machten heftig sch├╝ttelnd Gebrauch davon. Unl├Ąngst ist es mir wieder untergekommen, das Flascherl. Im Fernsehen, ausgerechnet am Gew├╝rzregal in der privaten K├╝che von Spitzenkoch Max Stiegl. Macht aber nix, ich w├╝rdÔÇÖ trotzdem beim Stiegl essen. Bevor ichÔÇÖs mir jetzt mit dem Stammwirten verscherze: Die Grie├čnockerlsuppe kriegt der Stiegl bestimmt auch nicht besser hin.

Denn PRINZIPIELL, schrieb meine Mutter, braucht man f├╝r eine gute Suppe ja vor allem eines: Einen guten Fleischhauer und Fleisch mit zartem Fettranderl ÔÇô sonst hei├čt das Ganze nix!

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