Chronik | Österreich
06.09.2018

Umfrage: Expats finden Österreicher unfreundlich

Die mangelnde Freundlichkeit trägt demnach auch dazu bei, dass die Integration schwerer fällt.

Eine Umfrage unter 18.000 Teilnehmern aus 68 Zielländern hat ergeben: Expats in Österreich, also für von Firmen ins Ausland entsandte Mitarbeiter, sind mit ihrer Lebensqualität und dem Familienleben in der Alpenrepublik überaus zufrieden. Allerdings fällt es ihnen weiterhin schwer, österreichische Freunde zu finden und die Landessprache zu lernen, wie die "Expat Insider 2018 Studie" ergab. Und: Wie schon im letzten Jahr ist Österreich eines der unfreundlichsten Länder.

Von allen 68 Ländern liegt Österreich in der Umfrage an fünfter Stelle in Sachen Lebensqualität. Fast alle Expats in Österreich (97 Prozent) sind mit der hohen Qualität der Umwelt zufrieden und mehr als neun von zehn (91 Prozent) beschrieben ihre neue Heimat als friedlich. Außerdem halten 81 Prozent die Kosten im Gesundheitsbereich für erschwinglich, während sich weitere 87 Prozent mit der Qualität der medizinischen Versorgung in Österreich zufrieden zeigten.

Die Alpenrepublik ist aber nicht nur ein Idyll für Expats. Fast die Hälfte (48 Prozent) betrachtet es als Herausforderung, Freundschaften mit Österreichern zu schließen (verglichen mit 36 Prozent der Befragten weltweit). Österreichs schlechte Resultate im Bezug auf die Freundlichkeit der Einheimischen (65. Platz von 68 Ländern) tragen ebenfalls dazu bei - nur Schweden, Saudi-Arabien und Kuwait schnitten hier noch schlechter ab. 2017 fand sich Österreich sogar auf dem vorletzten Platz (Rang 64 von 65) wieder. "Die mangelnde Freundlichkeit der Österreicher, sogar dann, wenn man versucht, ihre Sprache zu sprechen, macht es nicht unbedingt leichter, sich zu integrieren," stellte ein Expat aus Portugal fest.

24. Platz unter 68 Zielländern

Die Umfrage mit 18.000 Teilnehmern, die im Ausland leben und arbeiten, wird jedes Jahr von InterNations, dem nach eigenen Angaben größten Expat-Netzwerk weltweit, durchgeführt. Sie analysiert des Lebens im Ausland und ist Basis einer Rangliste von 68 Zielländern, die diverse Faktoren - zum Beispiel Lebensqualität, Arbeitswelt und Eingewöhnung im Gastland - miteinbezieht. Österreich landete 2018 auf einem soliden 24. Platz. Die beliebtesten Länder für Expats sind Bahrain, Taiwan, Ecuador, Mexiko, Singapur, Portugal, Costa Rica, Spanien, Kolumbien und Tschechien.

Über neun von zehn Expats, die ihre Kinder in Österreich großziehen (92 Prozent), sind mit ihrem Familienleben im Allgemeinen zufrieden. 96 Prozent der Expat-Eltern vergaben gute Bewertungen für die Gesundheit ihrer Kinder und der gleiche Anteil bewertete auch deren Sicherheit positiv. "Österreich ist ein wunderbares Land, um eine Familie zu gründen", berichtete ein Expat aus den USA. "Hier ist es sicher, wir haben eine Krankenversicherung und ein Bildungssystem, die wir uns leisten können. Und es gibt viele Angebote für Freizeitaktivitäten im Freien." Dank dieser Faktoren steht Österreich beim Familienleben im Ausland auf Platz zwei - nur Finnland schnitt noch besser ab.

Die Sprachbarriere ist allerdings ein großes Problem: 61 Prozent der Expats in Österreich finden es schwierig, Deutsch zu lernen. Mehr als die Hälfte der hier lebenden Expats (52 Prozent), die generell mit ihrem Leben unzufrieden sind, nannten Sprachprobleme und Verständigungsschwierigkeiten als möglichen Grund - doppelt so viel wie der globale Durchschnitt (25 Prozent). 29 Prozent der Expats fühlen sich in Österreich nicht zu Hause (im Vergleich zu 24 Prozent weltweit).

Finanzielle Schwierigkeiten

Abgesehen von ihren persönlichen Problemen haben Expats in Österreich auch mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen: In der Rangliste für persönliche Finanzen liegt das Land nur auf Platz 41 von 68. Außerdem sind lediglich 49 Prozent der Expats mit ihren Karrierechancen in Österreich zufrieden, sechs Prozentpunkte weniger als der globale Durchschnitt. Dabei bewerteten die befragten Expats die Wirtschaftslage in Österreich weitaus besser als der weltweite Durchschnitt die Wirtschaft des jeweiligen Gastlandes (88 Prozent bzw. 64 Prozent positive Antworten).

Österreicher, die im Ausland leben, sind abenteuerlustige Globetrotter: Über drei von fünf Studienteilnehmern aus Österreich (64 Prozent) haben bereits in drei oder mehr Ländern außerhalb der Heimat gelebt - im weltweiten Durchschnitt sind es bloß 49 Prozent. Fast sieben von zehn Österreichern im Ausland (68 Prozent) leben in einer interkulturellen Beziehung, d.h. ihr Partner hat eine andere Staatsangehörigkeit. 18 Prozent der österreichischen Expats führen eine internationale Fernbeziehung.

Für 15 Prozent war der allgemeine Lebensstandard im Ausland ein potenzieller Nachteil ihres Umzugs. Außerdem betrachteten fast drei von zehn Teilnehmern aus Österreich (27 Prozent) das Niveau der medizinischen Versorgung im künftigen Gastland als weiteres mögliches Manko.

Hinweis: In der ursprünglichen Version des Artikels wurde von 8.000 Umfrage-Teilnehmern berichtet. Tatsächlich waren es 18.000.