Ukrainischer Oligarch Firtasch und sein Freund mit der Syrien-Connection

Dmytro Firtasch
Foto: KURIER/Jeff Mangione Firtasch hat angeblich bis zu 400 Firmen

Sein angeblicher Geschäftspartner Hares Y. bleibt wegen Flucht- und Tatbegehungsgefahr vorerst in Haft. Er bestreitet aber die Vorwürfe.

Für den ukrainischen Oligarchen Dmytro Firtasch ist nun guter Rat teuer. Seine Anwälte Dieter Böhmdorfer und Rüdiger Schender werden nicht nur den Europäischen Haftbefehl aus Spanien bekämpfen, sondern auch die Auslieferung in die USA. Zwar hat das Oberlandesgericht Wien die Abschiebung in die USA bereits abgesegnet, doch die Anwälte werden dagegen einen "Antrag auf Erneuerung des Verfahrens" beim Obersten Gerichtshof einbringen. Der Kernvorwurf lautet in beiden Fällen: Verdacht auf organisierte Kriminalität. In Spanien kommt auch noch der Verdacht der Geldwäscherei dazu. Die Vorwürfe werden bestritten. Im Zusammenhang mit dem Europäischen Haftbefehl aus Spanien wird es hierzulande zu einer Auslieferungsverhandlung kommen wie dies auch schon in der US-Causa der Fall war.

"Noch lange nicht geschlagen"

ÖFFENTLICHE VFGH-VERHANDLUNG ZUR BP-WAHL-ANFECHTUN Foto: APA/HERBERT NEUBAUER Anwalt Rüdiger Schender gibt sich weiter kämpferisch "Wir werden eine Stellungnahme zum spanischen Übergabeersuchen abgeben und darlegen, warum dem Haftbefehl nicht stattzugeben ist", sagt Anwalt Rüdiger Schender zum KURIER. "Es ist noch nicht ausgemacht, dass das US-Auslieferungsverfahren beendet ist. Wir geben uns noch lange nicht geschlagen." Bis beide Verfahren rechtskräftig abgeschlossen sind, bleibt Firtasch gegen Kaution und Gelöbnis auf freiem Fuß.

So kann er von Wien aus weiter seinen Geschäften nachgehen. Sein Firmenkonglomerat DF Group International bestand (Stand: 2013) noch aus weltweit bis zu 400 Firmen mit einem Umsatz zwischen fünf und sechs Milliarden Euro und 100.000 Mitarbeitern. Die DF Group hat ihren Sitz in der Wiener Elisabethstraße. Im Firmenbuch wurde der Sitzwechsel (vom Juni 2015) nicht eingetragen.

Dubiose Drähte

Es ist auch kein Zufall, dass im Nebenhaus bisher Hares Y., ein Ukrainer syrischer Abstammung, residierte. Auch Y. wird von den spanischen Behörden in derselben Causa gesucht wie Firtasch. Hares Y. bestreitet die Vorwürfe. Wegen Flucht- und Tatbegehungsgefahr wurde Y. am Samstag in Übergabehaft genommen. Das bestätigen sowohl seine Anwälte Robin Lumsden und Klaus Ainedter als auch Christina Salzborn vom Straflandesgericht Wien.

Y. lebt seit 1995 in Wien und hat hier über die Hares Group Holding ein Netz aus aktiven und Briefkasten-Firmen (Zypern, Belize) gelenkt. Y. hat gute Syrien-Kontakte. In einem Dossier vom Herbst 2013 wird Hares Y. in Verbindung mit angeblichen Waffenlieferungen von Russland und von der Ukraine nach Syrien gebracht. Seine Anwälte, Robin Lumsden und Klaus Ainedter, wissen davon nichts. Y. soll diesbezügliche ukrainische Medienberichte zurückgewiesen haben.

Es ist aber kein Geheimnis, dass sich Firtasch und Hares Y. gut kennen. Zeugen wollen Firtasch und Hares Y. gemeinsam getroffen haben.

Sieben Millionen Euro bei der Steuer offen

Indes hat Hares Y. Mitte Dezember 2016 eine Pleite hingelegt. Oder besser gesagt: Die Finanz hat seine Wiener Firmenholding in die Insolvenz geschickt. Laut Aktenlage hat sie bei der Hares Group Holding eine Steuerprüfung (Umsatzsteuer, Kapitalertragssteuer,Körperschaftssteuer) für die Jahre 2009 bis 2014 durchgeführt. So sollen "verdeckte Gewinnausschüttungen und Veräußerungsgewinne" nicht versteuert worden sein. Auch die Geltendmachung von Kreditkosten (Zinsen) im Zuge von Firmenbeteiligungen soll die Finanz nicht anerkannt haben. Dem Vernehmen nach soll die Finanz rund sieben Millionen Euro fordern.

Dem Insolvenzverwalter hat die Hares Group laut Aktenlage mitgeteilt, dass ihre Beteiligungen bzw. ihr Vermögenswerte in der Ukraine infolge "der kriegsähnlichen Zustände durch teilweise Enteignung bzw. Besetzung durch Fremde untergegangen" seien.

(kurier) Erstellt am
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