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Chronik Österreich
03/10/2021

Uhrmacherstand braucht dringend Nachwuchs

Die Uhr tickt: In der einzigen Uhrmacherfachschule Österreichs bleiben die Anmeldungen aus, obwohl der Arbeitsmarkt nach den Fachkräften verlangt.

von Marlene Penz

Österreich ist ein Land der Uhren. Jährlich gehen rund zehn Millionen Stück mit einem Verkaufspreis jenseits von 2.500 Euro über den Ladentisch. Und genau diese bedürfen einem professionellen Service durch eine Uhrmacherin oder einen Uhrmacher. „Das ist wie bei einem Porsche“, zieht der österreichische Berufsgruppensprecher der Uhrmacher Johann Figl den Vergleich zu einem Luxusgut. So eine Uhr müsse gepflegt werden, dann funktioniert sie auch länger einwandfrei.

Weil mechanische Uhren trotz Smartwatches und Digitaluhren nicht aussterben, sondern sogar mit dem Alter an Wert gewinnen, braucht es dafür Experten. Der heimische Markt verlangt nach Nachwuchs. Und der wird größtenteils in der einzigen Uhrmacherfachschule Österreichs in Karlstein im nördlichen Waldviertel ausgebildet.

Doch die Schülerinnen und Schüler fehlen. „In den letzten Jahren haben wir immer zwischen zehn und zwölf Uhrmacher und Zeittechniker ausgebildet, für nächstes Jahr stehen wir erst bei sechs Anmeldungen“, sagt Werkstättenleiter der Uhrentechnik der HTL Karlstein, Andreas Schlüter.

International gefragt

Die Absolventinnen und Absolventen der vierjährigen Ausbildung, die meist direkt im Anschluss den Meisterkurs anhängen, werden laut Branchensprecher Figl am Arbeitsmarkt mit offenen Armen empfangen – auch am internationalen. „Viele gehen in die Schweiz oder nach Glashütte in Deutschland, den Zentren der Uhrmacherkunst“, erzählt er, aber auch nach Amerika, wo es keine entsprechende Ausbildung gibt.

 

„Abgeworben“ werden die Fachkräfte auch von der Flugzeugindustrie oder der Orthopädietechnik, „dort wo feinmotorische Fertigkeiten gefragt sind“, sagt Schlüter und verdeutlicht damit, dass der Beruf des Uhrmachers ganz und gar nicht verstaubt ist und dass man werben muss, damit sich in Österreich die Uhren weiterdrehen  – die  Pendeluhren aus dem Biedermeier, die Kirchturmuhren, die antiken Kaminuhren, Taschenuhren und hochpreisigen Armbanduhren.

Kaum Lehrlinge

Lehrlinge werden in dem Bereich pro Jahr ebenfalls nur ein handvoll ausgebildet. „Das kann sich kaum ein Betrieb leisten“, erklärt Uhrmachermeister Figl und nennt zwei Gründe: Den „sehr guten“ Kollektivvertrag der Metaller, worunter das Handwerk fällt und dass in den ersten beiden Ausbildungsjahren kaum Kundenarbeit erfüllt werden kann. „Zuerst lernt man das Handwerk an größeren Uhrwerken etwa von Wanduhren – die heute kaum mehr jemand hat – und erst wenn die Feinmotorik  geschult ist, wird an kleineren Uhrwerken gearbeitet“, erklärt Figl.  Erst ab dem dritten Jahr könne man dem Lehrling dann Kundenarbeit geben, denn eine „kostbare 200 Jahre alten Wanduhr  will man ihm oder ihr dann  auch nicht zum Üben geben“.

Und so werden bereits seit der Monarchie der Großteil der Uhrmacherinnen und Uhrmacher in Karlstein ausgebildet. In den ersten beiden Jahren fertigen die Schülerinnen und Schüler ihre eigene Pendeluhr – und machen jedes einzelne Teil selbst. „1.500 Stunden Arbeitszeit fließen da hinein. Da werden die Grundfertigkeiten gelernt“, erklärt der Werkstättenleiter. Planzeichnen für Ersatzteile steht ebenso auf dem Lehrplan wie Methoden zur Zeitmessung oder Edelsteinkunde.

Alle Infos zur Schule gibt es unter: www.htl-karlstein.ac.at

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