Chronik | Österreich
30.05.2017

Türkischer "Prediger" hält Evolution für "Teufelszeugs"

Türkischer Autor lässt auch in Wien seine dubiosen Bücher gratis verteilen. Das Landesamt für Verfassungsschutz prüft, ob sie strafrechtlich relevante Aussagen beinhalten.

"Frauenfeindlichkeit und das Vermännlichen der Frau, führen zu der Verbreitung von homosexueller Perversität." "Obwohl sie sich hinter der Maske der Wissenschaftlichkeit verbirgt, ist die Evolution nichts anderes als ein Schwindel." "Freimaurer sind Menschen, die sich dem Satan verkauft haben."

Derartig wirre Aussagen sind das Markenzeichen des türkischen Autors Adnan Oktar alias Harun Yahya.

Am vergangenen Wochenende hat der "Prediger" mit eigenem TV-Sender A9 ein buntes Buch mit dem Titel "Der Evolutionsschwindel" offenbar großflächig in Wien verteilen und in Briefkästen werfen lassen. Das Landesamt für Verfassungsschutz (LVT) prüft nun, ob es sich dabei um strafbare Handlungen handeln könnte. Das wäre dann der Fall, wenn in dem Buch zum Beispiel der Holocaust geleugnet wird.

Wer die Verteilung in Wien finanziert und durchführt, ist nicht klar. Diese "3. Auflage" soll von Global Publishing in Istanbul gedruckt worden sein. Fix ist, dass es nicht erste Verteilungsaktion war. So wurde das 272 Seiten starke Werk im Vorjahr schon in Wien verbreitet. Und vor zwei Monaten wurden Schweizer Bundespolitiker Opfer von Oktars Verbereitungsdrangs. Sie erhielten dessen Fünf-Kilo-Werk "Atlas der Schöpfung".

Der Autor ist auch hierzulande kein unbeschriebenes Blatt. Der Türke gilt als lautstarker Vertreter des sogenannten Kreationismus. Das heißt: Alles Leben basiert hier auf der göttlichen Schöpfung. Der Darwinismus und die Evolution seien Betrug.

Pantürkisches Reich

"Er hat die Argumente amerikanischer Evolutionsleugner ins Türkische und Arabische übersetzt", sagt der Politikwissenschaftler und Islam-Experte Thomas Schmidinger zum KURIER. " Oktar ist ein glühender Nationalist, der ein pantürkisches Reich fordert, – und eindeutig ein Antisemit ." Er sei aber "eine islamische Ich-AG", die in der islamisch-konservativen Szene belächelt werde.

Mit der "kostenfreien Verteilung" will Oktar "falsche Annahmen und Vorurteile bezüglich der Friedenreligion Islam aus der Welt schaffen". Zugleich soll der gottlose Materialismus, "eine der Hauptursachen für die Grausamkeit und das Chaos auf der Welt, widerlegt" werden. Begelegt ist dem Buch ein Folder über die kurdische Terrororganisation PKK, sowie ihrer angeblichen Ableger PYD, YPG und YPJ. Mit dem Titel: "Die PKK ist nicht der Vertreter der Kurden." Eine Ansicht, die auch die türkische Regierung vertritt.

Harun Yahya

"Er hat sicher ein paar Anhänger in Wien, aber das sind nicht die großen Islam-Verbände", sagt Schmidinger. "Schauen Sie sich auf YouTube seine TV-Sendungen an. Er tritt dort mit aufgetakelten Blondinen auf, die zum Islam befragt werden. Das ist schon eine sehr eigenartige Strömung."

Früher machte Oktar auch als Holocaust-Leugner von sich reden. "Der angebliche Judengenozid im Zweiten Weltkrieg ist nichts anderes als eine Übertreibung einiger kriegsbedingter Verluste", schrieb er vor Jahren. Doch von diesem Werk distanzierte er sich. Mehr noch: Das Buch habe nicht er, sondern ein Freund geschrieben, sagte er dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Im neusten Buch werden die Juden allerdings explizit als Opfer erwähnt.

Die angeblichen Beweise

Warum die Evolutionstheorie gescheitert ist, liegt für Oktar klar auf der Hand: "Die Evolutionisten sind nicht in der Lage, auch nur die Bildung eines einzigen Proteins zu erklären". Ein weiterer Beweis für Allah den Schöpfer sei, "dass sich die 3D-Technik im Fernsehen nicht durchsetzen werde".