Mario Sackl, Kammer-Funktionär und Tankstellen-Pächter in Favoriten: „Die Täter werden immer dreister“.

© KURIER/Gilbert Novy

Tanken ohne zahlen
08/26/2014

Treibstoff-Diebe sind nicht zu bremsen

Diebstahl an Tankstellen um fast 50 Prozent gestiegen. Täter werden immer dreister.

von Michael Berger

20-mal pro Tag suchen Treibstoff-Diebe bundesweit Tankstellen heim. Tendenz stark steigend. Wurden vor fünf Jahren noch 4828 Fälle angezeigt, waren es 2013 bereits 7213. Eine Steigerung von fast 50 Prozent (Bundesländervergleich siehe Grafik rechts).

"60 Prozent der Delikte werden nicht geklärt. Die Schadenshöhe pendelt sich in der Regel zwischen 60 und 120 Euro ein", weiß der Obmann des Wirtschaftskammer-Fachverbandes für Garagen und Tankstellen, Werner Sackl. Und der Tankstellenpächter auf der Laxenburger Straße in Wien-Favoriten weiß auch, wovon er spricht: "In den letzten fünf Wochen wurden wir fünf Mal bestohlen. Keiner der Täter wurde identifiziert und schon gar nicht gefasst." Kein Wunder: Gefälschte oder gestohlene Kennzeichen gehören zur Grundausrüstung der Kriminellen.

Betrug im großen Stil

So auch beim aufsehenerregendsten Fall der vergangenen Woche. Sonntag schlug in Schwechat ein Zeuge Alarm. Ein Mann würde in Mannswörth bei einem Kleintransporter Kennzeichen abmontieren. Vor Ort fanden die Kriminalisten einen Serben, 34, vor. In seinem Klein-Lkw waren zwei Behälter zu je 1000 Liter Fassungsvermögen, zwei Abfüll-Schläuche sowie eine Pumpe zum Sprit-Absaugen. Der Dieb war schließlich geständig, 2000 Liter Diesel in Wien und NÖ gestohlen zu haben, um sie in der Slowakei zu verkaufen. Die Kennzeichen entwendete er in Salzburg. Auch mit in Tirol gestohlenen Tank-Karten fuhr der Mann tanken.

Ein weiterer Fall aus Wien wurde Montagmittag bekannt. 51-mal bediente sich ein Wiener mit serbischer Herkunft bei Zapfsäulen zum Nulltarif. Polizeisprecher Thomas Keiblinger: " Er hatte bei seiner Festnahme auch acht gestohlene Kennzeichen bei sich." Tatsächlich "bediente" der Mann seine ganze Familie – die Überwachungsvideos auf den heimgesuchten Tankstellen zeigten ihn mit drei verschiedenen Fahrzeugen. Neben dem Tankbetrug muss sich der Wiener auch wegen Urkundenunterdrückung (Kennzeichen-Diebstahl) und einem Raub vor Gericht verantworten. Denn einmal wurde er von einer aufmerksamen Tankstellen-Mitarbeiterin angesprochen. Der Mann stieß sie weg und flüchtete.

Tank plus Kanister

Sprit-Diebe werden dabei immer unverschämter. Mario Sackl, der Sohn des Fachgruppen-Obmannes erklärt: "Ein Mann bleibt hinter dem Steuer sitzen. Der zweite zapft Treibstoff. Somit kann schnell geflüchtet werden. Schließlich werden auch noch Kanister angefüllt." Nachsatz: "Und glauben sie nicht, dass nur Rostlauben-Lenker Tankbetrug begehen. Wir hatten Luxusschlitten darunter. Und in letzter Zeit werden vermehrt Kleinlaster zum Nulltarif aufgetankt."

Wenigstens entsteht den Tankstellen-Pächtern nach dem Diebstahl kein finanzieller Verlust. OMV-Sprecher Johannes Vetter beruhigt: "Die Lieferanten kommen, wenn eine Anzeige gelegt wurde, für den Schaden auf. Denn die Öl-Konzerne sind Eigentümer der Treibstoffe."

Banden holen Treibstoff aus Tanks von Baustellen-Fahrzeugen

53 Prozent der Zapfsäulen-Delikte werden laut Polizei in Wien geklärt. In den übrigen Bundesländern ist die Aufklärungsquote niedriger (bei 40 Prozent, siehe Artikel oben). Denn viele der Täter verlassen Österreich auf dem schnellsten Weg. Nach dem Treibstoffdiebstahl werden die gesetzesgemäß zum Kfz gehörenden Taferl wieder montiert. Die Exekutive hat somit kaum Verfolgungsmöglichkeiten. Trotzdem statten die Mineralöl-Konzerne ihre Tankstellen verstärkt mit modernster Video-Technik aus. Denn damit sind wenigstens Wiederholungstäter – im Fall einer Festnahme – leichter zu identifizieren.

Mittlerweile macht sich ein weiterer Trend bemerkbar. Immer häufiger werden Firmengelände mit geparkten Baumaschinen und Lastwagen von organisierten Banden in der Nacht heimgesucht. Dabei pumpen Täter die Tanks der Fahrzeuge leer. Der Schaden geht in Zigtausende Euro. Auch hier stehen viele Firmeninhaber auf verlorenem Posten. Denn das Gelände müsste mit Wachpersonal gesichert werden. Aber das kostet.

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