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Chronik Österreich
01/06/2020

Tödliche Gefahr: Alkolenker blenden Unfallrisiko aus

Tödliche Gefahr.Viele fühlen sich fahrtauglich. 2018 starben 33 Menschen bei Unfällen mit berauschten Fahrern

von Birgit Seiser, Katharina Zach

Nach dem verheerenden Verkehrsunfall im italienischen Luttach in Südtirol kämpfen mehrere junge Deutsche noch ums Überleben. Der 27-jährige Stefan L. war in die Gruppe der Urlauber gerast, sechs Menschen starben. Die Ermittlungen zum Unfallhergang laufen (aktuelle Entwicklungen siehe unten). Fest steht, dass L. mit 1,97 Promille hinter dem Steuer seines Audi TT saß. Warum er alkoholisiert gefahren ist, ist noch unklar.

Untersuchungen zeigen jedenfalls, dass Alkolenker das Unfallrisiko als zu gering einschätzen. Nur jeder achte Alkolenker in Österreich hat Angst vor einem Unfall, wie eine Befragung von 500 Teilnehmern von Alkohol-Nachschulungskursen vom Institut alles-fuehrerschein.at ergab. Tatsächlich ist aber jeder dritte Alkolenker in einen Unfall mit Sach- und Personenschaden involviert.

Auf die Frage, was sie sich vor der Alkofahrt gedacht haben, antworteten knapp 40 Prozent, dass sie sich noch fahrtauglich fühlten, 25 Prozent meinten, es sei eh nicht weit und es werde schon nichts passieren.

Sechs Alkounfälle pro Tag

2018 ereigneten sich im Schnitt sechs Alkoholunfälle pro Tag, insgesamt also 2.291. 2.959 Menschen wurden verletzt, 33 starben. Die meisten Alkounfälle gab es in NÖ (469), die meisten Toten in OÖ (11). Allerdings nahm die Zahl der Lenker, die zur Nachschulung mussten, zuletzt ab.

Generell sank die Zahl der Toten im Straßenverkehr seit 2015 kontinuierlich. Bis zum Vorjahr: 2019 starben 410 Menschen auf österreichischen Straßen. Das ist ein Toter mehr als noch im Jahr davor.

Verantwortlich für die erneute Zunahme sind Zahlen aus dem Burgenland: 33 Menschen kamen 2019 bei Verkehrsunfällen ums Leben – das sind 20 mehr als 2018. Der Leiter der Landesverkehrsabteilung, Andreas Stipsits, erklärte dazu, dass die Zahl der Unfälle mit Personenschaden jener aus 2018 entspricht, und sehr niedrig war. Um aber die Zahl der tödlich Verunglückten zu minimieren, werden derzeit Erhebungen durchgeführt, die in Kürze präsentiert werden sollen.

Kontrollen zeigen Wirkung

Unachtsamkeit bzw. Ablenkung, zu hohes Tempo, Vorrangverletzungen oder Fehlverhalten von Fußgängern gelten als die Hauptursachen der tödlichen Unfälle. Alkohol am Steuer war bei 6,8 Prozent aller Unfälle gegeben.

Erfahrungen – etwa im Kampf gegen Alkolenker – zeigen, dass hohe Strafen alleine nicht ausreichen. Obwohl etwa in Italien das Auto von betrunkenen Fahrern beschlagnahmt werden kann und hohe Haftstrafen drohen, wurden alleine in Südtirol im Jahr 2018 exakt 548 Führerscheine wegen Trunkenheit am Steuer eingezogen.

Laut Michael Takacs, dem Leiter der Wiener Verkehrsabteilung, wirke sich jedoch hoher Kontrolldruck und die Präventionsarbeit der Polizei positiv aus. In Wien, wo im Vorjahr sieben Menschen weniger als 2018 ihr Leben auf der Straße verloren, stehen Schwerpunktkontrollen auf der Tagesordnung: „Wir führen im Monat 20 bis 30 Schwerpunktaktionen durch. Dabei legen wir besonderes Augenmerk auf bestimmte Veranstaltungen oder Jahreszeiten, wie zum Beispiel die Vorweihnachtszeit.“

Abgesehen davon würde auch die Präventionsarbeit ihre Wirkung zeigen. Etwa in der Debatte um den toten Winkel bei Lkw. „Wir betreiben Präventionsarbeit in den Schulen und versuchen auch, bei Kontrollen darauf aufmerksam zu machen. Die Kollegen nehmen sich Zeit, mit den Menschen zu sprechen. Lkw-Lenkern werden etwa Tipps gegeben, wie man die Spiegel richtig einstellen kann, um den toten Winkel zu vermeiden“, sagt Takacs.

Schwieriges Ziel

Im Österreichischen Verkehrssicherheitsprogramm hatte man es sich 2011 zum Ziel gemacht, die Zahl der Verkehrstoten bis 2020 auf 311 zu reduzieren. Dieses Ziel scheint ob der stagnierenden Zahl des Vorjahres nur schwierig zu erreichen sein.