Chronik | Österreich
16.10.2017

Tirol: Weltkarte des Johannes Kepler gestohlen

Frühpensionist schnitt das Kunstwerk am helllichten Tag im Lesesaal aus den "Rudolfinischen Tafeln".

Ein dreister Kunstdiebstahl gelang einem deutschen Frühpensionisten in der Tiroler Landesbibliothek. Der Coup ereignete sich, wie erst jetzt durch KURIER-Recherchen bekannt wurde, bereits am 28. Juli während der Öffnungszeiten am Vormittag. Das Landeskriminalamt hat dazu bereits Ermittlungen eingeleitet und fahndet nun über die Tiroler Kulturfahndungsseite nach der entwendeten Weltkarte. Deren Wert soll sich auf rund 30.000 Euro belaufen. Wie genau es dem Täter gelang, die Karte aus dem Lesesaal zu schmuggeln, ist noch unklar. Der Mann, der sich mehrere Bücher bringen ließ, ist zwar (amts)bekannt und angezeigt, der Kupferstich aber verschollen.

Die "Rudolfinischen Tafeln", aus denen die Karte mit einem Messer oder einer Schere unbemerkt herausgeschnitten wurde, sind das letzte Werk des bekannten Mathematikers und Astronomen Johannes Kepler. Er entdeckte etwa, dass die Planeten in elliptischen Bahnen um die Sonne kreisen. Sein letztes Werk, das er im deutschen Ulm veröffentlichte, waren die besagten "Rudolfinischen Tafeln". Darin werden vom kaiserlichen Mathematiker Kepler verschiedene Planetenkonstellationen vorhergesagt. Das Werk war auch die Basis für die späteren Gravitationsgesetze des Physikers Sir Isaac Newton.

Stempel auf Rückseite

An das Kepler-Buch angehängt war die damals bei Erscheinen der Tafeln im Jahre 1627 gültige Weltkarte. Diese hat einen Stempel der Innsbrucker Universitätsbibliothek auf der Rückseite. Australien ist noch sehr vage als Terra incognita angefügt, Neuseeland fehlt komplett, da es erst später entdeckt wurde.

Das Landeskriminalamt Tirol bittet um Hinweise unter der Telefonnummer 059133 / 703352 oder an nikolaus.hoertnagl@polizei.gv.at.

Bei der Universitätsbibliothek war vorerst niemand für eine Stellungnahme erreichbar.