Chronik | Österreich
19.10.2012

Tirol: Heimkinder um Spenden betrogen?

Jahrelang haben Paten Heimkindern der Tiroler Bubenburg Geld überwiesen. Angekommen ist das Geld allerdings nicht.

Es sind schwere Vor­würfe, die der 50-jäh­rige Jurist Erwin Aschenwald gegen das Kinderheim, in dem er in den 70er-Jahren untergebracht war, erhebt: Wie das Tiroler Magazin Echo berichtet, soll Aschenwald in der Bubenburg im Tiroler Fügen jahrelang um an ihn gerichtete Spendengelder geprellt worden sein.

Im Jahr 1971 dürften sich Paten über den Verein "Rettet das Kind" – der auch heute noch Patenschaften für Kinder in Armut anbietet – um das damals 9-jährige Heimkind Erwin Aschenwald angenommen haben. Quartalsweise überwiesen die Paten zwischen 400 und 600 Schilling an ihn. Fall­weise wurde auch eine sogenannte "Familienspende" in der Höhe von 1500 Schilling überwiesen. Angekommen ist das Geld allerdings nie. "Uns wurde ja sogar das Geld, das wir von Verwandten bekommen haben, sofort abgenommen", sagt Aschenwald. Dass auf dem abgebildeten Erlagschein seine Unterschrift mit dem Hinweis "erhalten" zu finden ist, erklärt er so: "Wir wurden von den Fürsorgern öfter aufgefordert, Dokumente für das Jugendamt zu unterschreiben. Das `erhalten`" auf dem Beleg ist aber nicht meine Handschrift."

Erwin Aschenwald hat nachgerechnet, um wie viel Geld er vom Trägerverein der Bubenburg – dem Seraphischen Liebeswerk der Kapuziner – betrogen worden sein dürfte: "Berechnet auf die Zeit, die ich dort war, sind das etwa 40.000 Schilling."

Aufgefallen sind dem Juristen diese finanziellen Ungereimtheiten erst 2010, als er seine Heimakten sichtete. Als er den Geschäftsführer des Seraphischen Liebeswerk, Franz Tichy, mit den Vorwürfen konfrontierte, versprach dieser Aufklärung, passiert ist laut Aschenwald seither nichts. Gemeinsam mit zehn weiteren ehemaligen Heimkindern habe er sich auch an die Klasnic-Kommission gewandt. Auch hier bisher erfolglos.

Aufklärung

Auf Anfrage des KURIER lässt die Klasnic-Kommission jetzt aber ausrichten: "Es ist durchaus möglich, dass wir die Entschädigungen um die verloren gegangenen Spendengelder erhöhen." Auch Tichy bestätigt das: "Wir würden dafür aufkommen." Eine Entscheidung soll im Herbst getroffen werden.

Wofür die Spenden­gelder tatsächlich verwendet wurden, konnte bisher niemand sagen.

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