Chronik | Österreich
30.07.2018

Tempo 140: Die Polizei straft landesweit unterschiedlich

Oberösterreich wird toleranter vorgehen, Niederösterreich strenger.

Österreich ist föderalistisch aufgebaut; auch im Straßenverkehr. Über die Straf-Toleranzgrenze bei Tempo 140 entscheidet nicht der Verkehrsminister, auch nicht der Chef des Innenressorts – sondern die jeweilige Landespolizeidirektion. So kommt es, dass beim am Mittwoch startenden Tempo-140-Versuch von Norbert Hofer (FPÖ) unterschiedliche Regelungen gelten.

Denn die eine, 32 Kilometer lange Strecke liegt zwischen Haid und Sattledt in Oberösterreich. Oberst Klaus Scherleitner kündigte gegenüber den Oberösterreichischen Nachrichten an, dass die üblichen zehn Stundenkilometer Toleranz auch in diesem Bereich gelten. Erst ab elf km/h über dem Limit wird hier gestraft. Dazu kommen noch Messungenauigkeiten bei der Laserpistole und den Radarboxen.

Das bedeutet, die Laserpistole muss 156 km/h anzeigen, die Radarbox löst gar erst bei 159 km/h aus. „Die Zahlen hinter dem Komma interessieren uns nicht. Wir runden immer ab – zugunsten der Autofahrer“, heißt es bei der oö. Verkehrspolizei.

Oberösterreich ist Oberösterreich und Niederösterreich ist Niederösterreich“, sagt hingegen Oberst Willy Konrath zum KURIER. Er hat das Kommando über die 88 km lange Strecke zwischen Melk und Oed. Dort gehen die Uhren anders, überall sind fünf Prozent Messungenauigkeit angesagt. Das heißt, Strafen gibt es hier, wenn Radarbox oder Laserpistolen 147 km/h anzeigen.

Wie hoch die jeweiligen Strafen dann sind, darüber urteilt die jeweilige Strafbehörde – das heißt die Bezirkshauptmannschaft. Diese haben zwar meistens Vorgaben der Länder, allerdings gibt es hier mitunter sehr unterschiedliche Auslegungen. Bis 160 km/h dürfte es aber im Normalfall etwa 30 bis 50 Euro kosten – im Vergleich zum Ausland eher günstig. Selbst bei knapp unter Tempo 170 wird man noch im zweistelligen Bereich bleiben.

Führerscheinentzug

140 bis 300 Euro dürften bis 190 km/h fällig werden. Ab Tempo 190 ist der Führerschein für zwei Wochen weg und die Geldstrafe wird empfindlich höher. Das gilt allerdings so nur für den Testbetrieb. Wird Tempo 140 wirklich flächendeckend kommen, wie es teilweise ankündigt wurde, dann wird der Führerscheinentzug ab 180 km/h kommen, heißt es im Büro von Norbert Hofer.

Erfolg unklar

Der Minister wollte bisher nicht sagen, ab wann er den einjährigen Test als Erfolg bezeichnen wird. Experten gehen davon aus, dass die Umweltbelastung steigt – die Schadstoffemissionen um rund 20 Prozent. Alle Umweltlandesräte sprachen sich deshalb dagegen aus.

Theoretisch ist eine Zeitersparnis mit den zwei Strecken zwischen Salzburg und Wien von vier Minuten möglich. Praktisch wird dies aber wegen des Verkehrs, darunter auch viele Sattelschlepper, kaum möglich sein.

In Europa gibt es jedenfalls sonst nur Polen, das Tempo 140 auf der Autobahn erlaubt. Generell geht der Trend in Richtung Temporeduzierung. In Deutschland gilt zwar die freie Geschwindigkeitswahl, es gibt aber so viele Tempobeschränkungen, dass die tatsächlich gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit dort unter jener von Österreich liegt. Deshalb gibt es auch weniger Unfälle auf der Autobahn.

Der ÖAMTC rechnet mit wenig Auswirkungen. Gerade auf diesen Abschnitten wird ohnehin schneller gefahren. Als einzigen Effekt erwartet man weniger Strafzettel.