Die Polizei kreiste den Flüchtigen in einem Waldgebiet bei St. Ulrich ein, bis dieser seine Waffe ablegte und sich widerstandslos festnehmen ließ.

© /Manfred Schusser

Mord in Klagenfurt
11/04/2014

Tatverdächtiger gab zermürbt auf

Bürger jagten mutmaßlichen Mörder mit Taschenlampen im Wald - Diskussion um legalen Waffenbesitz.

von Thomas Martinz

Die Jagd nach dem mutmaßlichen Mörder Erwin P., an der sich sogar aktiv die Bevölkerung beteiligte, ist unblutig zu Ende gegangen. Mit erhobenen Händen stellte sich der 50-Jährige am Dienstag um 8 Uhr nach 40-stündiger Flucht in einem Waldstück in seinem Heimatdorf St. Ulrich bei Feldkirchen. Am Sonntag soll er in Klagenfurt Franz W. (53), den neuen Lebensgefährten seiner Ex-Frau, eiskalt erschossen haben.

Am späten Montagabend fand die Polizei dank Hinweisen aus der Bevölkerung den zweiten Fluchtwagen des Tatverdächtigen in dessen Geburtsort St. Ulrich. Der Motor war noch warm, der Flüchtige folglich in der Nähe. "Daher haben sich ein paar Männer Taschenlampen geschnappt und den Wald nach dem Mörder durchsucht", erzählt ein Einheimischer bei einem KURIER-Lokalaugenschein. "St. Ulrich ist nie in den Medien und dann wegen eines Mörders", sagt ein anderer. Namentlich genannt wollen sie nicht werden. "Aus Rücksicht auf die nette Familie, die das alles nicht verdient hat", heißt es. Die Polizei musste die Bevölkerung auf ihrer Mörderjagd sogar stoppen.

Mit Wärmebildkameras ortete man in der Nacht den Verdächtigen, in der Folge kreisten Einsatzkräfte der Cobra den Techniker ein, bis dieser an einem Wegrand sitzend mit erhobenen Händen aufgab. Die Pistole hatte er zuvor abgelegt.

Der legale Waffenbesitz des mutmaßlichen Mörders sorgt für Diskussionen. Schließlich soll Erwin P. vorbestraft sein, dennoch verfügt er über eine Waffenbesitzkarte. "Die würde ihm nur entzogen, wenn er wegen eines Gewaltdelikts verurteilt wäre", sagt Johann Darmann, Leiter der Sicherheits- und Verwaltungspolizeilichen Abteilung. Die Polizei gibt nichts zu einer etwaigen kriminellen Vorgeschichte des Verdächtigen bekannt.

Dass er als eifersüchtiger Stalker eiskalt und geplant vorgegangen sein soll, wird inzwischen deutlich. Schon vor zwei Jahren trennte sich die nun 46-jährige Frau, mit der Ernst P. auch zwei erwachsene Kinder hat, vom Techniker. Als die "Ex" schließlich Franz W. aus Globasnitz kennenlernte, soll er dem frischverliebten Paar immer wieder nachgestellt haben. Am Sonntag soll sich der 50-Jährige dazu entschlossen haben, dieser Liaison ein brutales Ende zu setzen. Mit drei Kugeln in den Kopf jenes Mannes, den der Tatverdächtige nach wie vor als Rivalen sah.

Gewaltbereitschaft

Selbst in Polizeikreisen sorgt die Tatsache, dass der 53-Jährige regelrecht "hingerichtet" wurde, für Erschütterung. Mit Eifersucht alleine lässt sich das für Christa Rados, Primaria an der Abteilung für Psychiatrie im LKH Villach, nicht erklären. "Eifersucht kennt jeder, aber in der Regel weiß man, was man tut", sagt sie. Wenn jemand zur Waffe greife, müsse es sich um eine übersteigerte Form der Eifersucht handeln. "Nur Menschen, die aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur gewaltbereit sind, bedienen sich letztendlich auch dieses Instruments."

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