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Gesundheit

Tarifstreit auf dem Rücken der Patienten

Patienten müssen ab Jänner Untersuchungen selbst bezahlen, wenn sich Ärzte und Versicherungen nicht doch noch einigen.

von Josef Gebhard

12/09/2013, 05:53 PM

Zwei Monate musste sich Timothy Ott gedulden, bis er endlich einen Termin für seine Magnetresonanz-Untersuchung im Diagnosezentrum Favoriten bekam. „Überall anders hätte es aber noch länger gedauert.“

Im neuen Jahr könnte auf Patienten wie ihn aber noch mehr Ärger warten. Wie berichtet, sind die Tarifverhandlungen zwischen Röntgen-Instituten und Sozialversicherung am Wochenende ergebnislos gescheitert. Somit droht ab Jänner ein vertragsloser Zustand. Patienten müssten dann die Kosten für eine MR-Untersuchung (ca. 150 €) oder eine Computertomografie (ca. 100 €) selbst berappen und anschließend mit der Kassa abrechnen. „Auch wenn es nur eine Vorzahlung ist: Ich habe drei Kinder und könnte mir das nicht leisten“, sagt Ott.

Worum geht es bei dem Tarifstreit? Seit vier Jahren ist die Zahl der Untersuchungen gedeckelt, die ein Institut pro Jahr auf Kassenkosten durchführen darf. Weil aber immer mehr Patienten eine MR- oder CT-Untersuchung brauchen, steigen die Wartezeiten stark an. „Wenn ein Patient mit Schmerzen heute zu mir kommt, muss ich ihn auf Mitte Februar vertrösten“, sagt Patrick Wunderbaldinger vom Diagnosezentrum Favoriten. Die österreichweit 110 Institute fordern daher, dass die Zahl der Untersuchungen pro Jahr um fünf Prozent steigen darf. Damit – rechnet Wunderbaldinger vor – ließen sich die Wartezeiten auf unter drei Wochen drücken.

Weiters sollen neue Leistungen (z. B. Dickdarm-CT) erstattet und die Tarife an die Inflation angepasst werden, fordern die Ärzte.

„Nicht zumutbar“

Dies sei „jenseits von dem, was einer sozialen Krankenversicherung zumutbar ist“, kontert Albert Maringer, Chefverhandler der Sozialversicherungen. Man habe den Radiologen einen Abschluss über der Inflationsrate und eine Einmalzahlung angeboten – was sehr fair sei.

Radiologe Wunderbaldinger, in dessen Institut täglich rund 40 MR-Untersuchungen durchgeführt werden, kann das nicht nachvollziehen: „Es geht schließlich um Untersuchungen, die ohnehin vom Chefarzt bewilligt werden müssen.“ Was er im Jänner mit Patienten macht, die sich eine MR oder CT nicht leisten können, weiß er noch nicht.

Vielleicht kommt es aber anders: „Wir sind bereit für weitere Verhandlungen“, hofft der Arzt auf eine Einigung in letzter Sekunde. „Danach können wir uns ja gemeinsam das Silvester-Feuerwerk anschauen.“

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