Chronik | Österreich
18.09.2017

Tägliche Turnstunde wird auf knapp 500 Schulen ausgeweitet

Die Auswirkungen des Pilotprojekts im Burgenland wurden in einer Studie untersucht.

Der Bewegungscoach hat gerade ein Fangspiel angeleitet und so laufen die Kinder einander hinterher. Dazu kommen aufgestellte Hindernisse wie Hula-Hoop-Reifen und ein Seil an dem man hinaufklettern kann. Es wird gelacht und getobt an diesem Montagvormittag im Turnsaal der Volksschule Wichtelgasse in Wien-Hernals. Die Bewegung macht den Kindern sichtlich Spaß. Danach geht es zurück ins Klassenzimmer. Ob die Bewegungseinheit einen positiven Effekt auf den Schulunterricht hat? Das wurde anhand einer Studie zur Täglichen Bewegungs- und Sporteinheit (kurz TBuS) untersucht, die Ergebnisse wurden nun präsentiert.

Im Schuljahr 2016/17 wurde das Pilotprojekt TBuS an 178 burgenländischen Pflichtschulen eingeführt. "Es war zwar eine enorme organisatorische Herausforderung und erforderte eine sehr gute Planung, hat für das Burgenland aber viel gebracht. Es kommt bei Schülern und Eltern sehr gut an", sagt der burgenländische Landesschulrat Heinz Josef Zitz.

Bessere Werte

Im Rahmen der Studie, die von Sportwissenschafter Konrad Kleiner von der Uni Wien durchgeführt wurde, wurden Eltern und Kinder unter anderem zur Zufriedenheit befragt und motorische Basiskompetenzen sowie Leistungsveränderungen von 600 Schülern zu verschiedenen Zeitpunkten überprüft. Das Ergebnis: Die überwiegende Mehrheit der Befragten war mit dem Projekt sehr zufrieden. Die Schüler erzielten zudem bessere Werte bei Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordinationsaufgaben.

"Es gibt eindeutig einen Zusammenhang zwischen körperlicher und geistiger Fitness. Daher geht es darum, die richtige Balance zwischen Unterricht und Bewegungseinheiten zu finden", sagt Bildungsministerin Sonja Hammerschmid ( SPÖ).

Weil das Pilotprojekt im Burgenland so gut angekommen ist, wird es nun im Schuljahr 2017/18 auf ganz Österreich ausgeweitet. Insgesamt 491 Schulen nehmen daran teil. Rund 40.000 Schüler in 1814 Klassen werden so erreicht.

Ursprünglich als tägliche Turnstunde geplant, wurde vor zwei Jahren eine gesetzliche Regelung verabschiedet, die von der Ursprungsidee etwas abwich: Die Bewegungseinheit muss nicht im Rahmen des Turnunterrichts stattfinden und auch nicht eine Stunde dauern. Daher wurden zur Unterstützung der Lehrer sogenannte Bewegungscoaches der Sportdachverbände herangezogen.

In Ganztagsschulen sei die Umsetzung kein Problem, weil genügend Zeit vorhanden ist. Anders sei dies laut Hammerschmid bei Halbtagsschulen, "da müssen wir zusätzlich budgetieren". Hinzu kommen unterschiedliche Landesgesetze. So dürfe der Unterricht z. B. in der Steiermark am Vormittag nicht unterbrochen werden.

Prävention

Bei dem Projekt geht es nicht nur um die unmittelbare Auswirkung auf die Lernleistung, sondern auch um den positiven lebenslangen Einfluss, den Bewegung hat. "Immer mehr Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig, rund ein Viertel ist bei der Musterung nicht tauglich. Das positive Ergebnis bestätigt, wie wichtig Bewegung im Pflichtschulbereich ist", sagt Sportminister Hans Peter Doskozil ( SPÖ). Es sei denkbar, dieses Projekt auch auf den Kindergartenbereich auszudehnen. Außerdem sei es durch TBuS möglich, Talente zu entdecken.