© FF Breitenau-Hochlantsch

Nach der Hitze
07/30/2013

Sturm richtete vielerorts Schäden an

Orkanartiger Wind und Starkregen: Tausende Feuerwehrmänner waren mit Aufräumarbeiten beschäftigt.

Bäume blockierten Straßen, Hausdächer wurden abgedeckt, Kamine stürzten um. In Niederösterreich, der Steiermark, dem Burgenland und in Kärnten richteten am Montag Unwetter zahlreiche Schäden an.

Sturmeinsätze in Niederösterreich

In Niederösterreich mussten Feuerwehren im Nordwesten des Bundeslandes, weiters im Bezirk Tulln sowie im Süden ausrücken, sagte Alexander Nittner vom Landeskommando. Er sprach von etwa 130 Einsätzen. 60 Feuerwehren mit 900 Mann waren aufgeboten.

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Bäume hätten Straßen blockiert, Hausdächer seien abgedeckt worden, Kamine umgestürzt, berichtete Nittner von "klassischen Sturmeinsätzen", die sich insbesondere auf das Waldviertel und dort vor allem auf den Bezirk Waidhofen a.d. Thaya konzentriert hätten. Schäden wurden im Laufe des Abend auch aus dem Bezirk Tulln gemeldet. Sturmeinsätze für Feuerwehren gab es außerdem in den Bezirken Neunkirchen und Wiener Neustadt.

Schäden in der Steiermark

Zu hunderten Einsätzen rückten auch die steirischen Feuerwehren aus. Rund tausend Feuerwehrleute waren damit beschäftigt, die beträchtlichen Unwetterschäden zu beseitigen. Sturmböen mit bis zu 100 km/h ließen vielerorts Bäume knicken. Im Murtal stürzten Bäume auf die Südbahn-Trasse, beschädigten in St. Lorenzen bei Knittelfeld dabei die Oberleitungen und eine Lok. Blockiert wurde auch die Bahnlinie Graz-Spielfeld bei Retznei. Es kam zu kurzfristigen Streckensperren.

In Graz ließ die Behörde den Stadtpark wegen abgebrochener Äste sperren. Außerdem dürften es viele Bewohner in der Innenstadt verabsäumt haben, die Fenster rechtzeitig zu schließen. Mehrere Innenstadtgassen waren mit Glasbruch übersät. Ein Passant wurde in der Glacisstraße durch einen herabstürzenden Ast schwer verletzt.

Nachdem in Leibnitz eine 110 kV-Leitung gekappt worden war, gingen in vielen Haushalten die Lichter aus. In Leoben wurden die Aludächer mehrerer Wohnbauten abgetragen. Außerdem wütete in Leoben der Sturm derart stark, dass sogar ein Bahnschranken abgerissen wurde. Die Folge: Straßensperren.

Ein anderes Bundesland, ein ähnliches Bild: Im Burgenland rückten in den Bezirken Oberwart, Güssing und Jennersdorf 30 Feuerwehren aus. Bei Weiden am See kenterte bei der Hafeneinfahrt ein Katamaran. Die Insassen konnten sich selbst an Land retten.

Wiener Rathausplatz gesperrt

In Wien blieb es aber bis zum Abend noch sehr heiß. Vor allem in Spitälern leiden viele Menschen an den hohen Temperaturen. Ubimet-Meterologe Florian Pfurtscheller erwartete für die Bundeshauptstadt einen Sturm: "Es herrscht , vor allem am Abend, stürmischer Wind mit Spitzen bis zu 100 km/h." Der Föhn bricht zusammen und wird von kräftigem West- bis Nordwestwind abgelöst. Diese kühle Luft sorgt dafür, dass man endlich wieder etwas durchatmen kann. Auf Grund dieser Prognose musste das Filmfestival am Wiener Rathausplatz kurzfristig pausieren: Der Zugang zum Vorführungs- bzw. Gastroareal wurde am Montag ab 17.00 Uhr gesperrt. Die behördlich erlaubte Grenze bei Windböen liege bei 80 km/h. Verzichten musste man somit nicht nur auf die für Montag geplante Vorstellung eines Berliner Konzertmitschnitts des Pianisten Lang Lang, sondern auch auf die am Rathausplatz gebotene Kulinarik. Am Dienstag wird das Sommerkinoprogramm nach Plan fortgesetzt. Einen Ersatztermin für die entfallende heutige Vorführung gibt es nicht.

Kärnten

Über Kärnten fegte schon am Nachmittag heftiger Wind mit dunklen Wolken. Paul Rainer von der Wetterwarte in Klagenfurt: „Die Spitzen mit bis zu 60 km/h sind noch nicht besorgniserregend, auf den Bergen, wie am Dobratsch bei Villach, gibt es jedoch noch Föhn mit bis zu 90 km/h.“

Die Anrufe in der Landesalarmzentrale häuften sich jedenfalls: „Einige Boote sind ans Ufer zu bringen und Bäume sind umgestürzt“, hieß es. „Es gibt auf allen Seen Sturmböen“, bestätigte Heinz Kernjak, Chef der Kärntner Wasserrettung. „Ein Kitesurfer war beispielsweise sieben bis acht Meter über dem Wörthersee.“ Viele Surfer ließen sich gar nicht gerne ans Ufer bringen: „Die genießen, dass endlich ein ordentlicher Wind geht“, meinte Kernjak. Die Schwimmer hingegen seien diszipliniert: „Wenn da eine dicke schwarze Wolke kommt, gehen sie aus dem Wasser.“

Güssing Hitze-Tagessieger

Mit 39,1 Grad hat Güssing am Montag den "Hitze-Tagessieg" errungen, zugleich war es der zweithöchste Wert des heurigen Jahres (Waidhofen an der Ybbs und Bad Goisern erreichten am Sonntag 39,2 Grad).

Vorschau

Die Gewitter bringen Abkühlung, zumindest kurzfristig. Laut Meteorologen Paul Rainer sinken die Temperaturen in der Nacht auf Dienstag auf unter 20 Grad, Dienstagfrüh soll es zwischen 13 und 19 Grad haben.

Auch am Dienstag bleibt es in großen Teilen Österreichs anfangs noch bewölkt. Im Süden und entlang der Alpennordseite wird es wieder sommerlich warm. Im Tagesverlauf bilden sich ein paar Quellwolken und besonders zwischen Vorarlberg und dem Mostviertel muss man mit einzelnen Regenschauern rechnen, ansonsten bleibt es großteils trocken. Bei lebhaftem West- bis Nordwestwind klettert das Quecksilber tagsüber auf 22 bis 31 Grad.

Waldbrände

Der Österreichische Bundesfeuerwehrverband warnt weiterhin vor hoher Waldbrandgefahr. Ein Waldbrand am Gesäuseeingang im obersteirischen Bezirk Liezen ist nach Auskunft der Feuerwehr von Montagvormittag unter Kontrolle. Einsatzkräfte hatte in der Nacht Brandschneisen geschlagen, um ein Ausbreiten des Sonntagmittag ausgebrochenen Feuers zu verhindern. Zwei Hektar Fläche waren betroffen. Nach einer Pause wurde der Einsatz am Montagfrüh fortgesetzt. Fünf Feuerwehren und drei Hubschrauber von Bundesheer und Innenministerium waren mit der Bekämpfung noch vorhandener Glutnester und mit Sicherungsarbeiten beschäftigt. Wie ein Sprecher der Feuerwehr sagte, rechne man damit, im Laufe des Montags "Brand aus" geben zu können. Nach ersten Ermittlungen dürften sich glühende Teile von Bremsklötzen eines Eisenbahnwaggons gelöst und die total ausgetrocknete Wiesenfläche in Brand gesetzt haben. In Langkampfen im Tiroler Unterland kam es ebenfalls zu einem Waldbrand, der von der Feuerwehr rasch unter Kontrolle gebracht werden konnte.

Das Wetter in Ihrer Region

„So viele Einsätze in zehn Tagen hatten wir noch nie“

Rekordbesuche in Bädern und an den Seen sorgen leider auch für Rekordeinsätze der ÖAMTC-Rettungshubschrauber. Robert Holzinger, seit 22 Jahren Pilot und zwölf Jahren bei der Notarzthubschrauber-Staffel, sagt: „In den vergangenen zehn Tagen hatten wir alleine im Großraum Wien sieben Einsätze wegen Ertrinkungs-Unfällen. So viele Einsätze in zehn Tagen hatten wir noch nie.“

Bundesweit stiegen die Notarzthubschrauber im Juli 19 Mal auf, um Schwerverletzte nach Badeunfällen in Spitäler zu fliegen. Wie viele Menschen, die zum Teil Minuten lang unter Wasser waren, gerettet werden konnten, weiß Holzinger nicht: „Jede Sekunde der Rettungskette zählt.“

Um Zeit zu sparen, unterstützen etwa in Wien Feuerwehrtaucher die Rettungskette. Im Idealfall ist der Verunglückte bei der Landung des Rettungshubschraubers bereits geborgen, und die Erstversorgung eingeleitet.

Montagfrüh musste der Christophorus 9 Helikopter erneut zu einem Badeunfall. Ein 76-Jähriger trieb in einem Ziegelteich in Wien-Donaustadt. Er soll mindestens fünf Minuten ohne Luftversorgung gewesen sein. Der Mann wurde ins AKH geflogen. Er starb im Krankenhaus.

Wiener Bäder wurden gestürmt

Die derzeitige Hitze hat am Wochenende Tausende Wiener in die Freibäder getrieben: 239.713 Personen suchten Abkühlung in einer der 17 städtischen Anlagen. Dabei wurde am Sonntag mit 144.896 Besuchern ein neuer Tagesrekord verzeichnet, berichtete die zuständige Magistratsabteilung 44 am Montag. Bei der alten Sonntagshöchstmarke vom 1. Juli 2012 waren 9465 weniger Gäste im Bad. Ein neuer Wochenend-Rekord konnte hingegen nicht erzielt werden. Der Höchstwert von 242.151 Besuchern aus dem Vorjahr blieb unangetastet, hieß es.

Am Freitag war der Andrang zu den Schwimmarealen mit 56.995 Personen noch verhältnismäßig gering. Am Samstag kamen 94.817 zum Abkühlen und am Sonntag wurde schließlich der bisherige Tagesrekord gebrochen.
Das starke Wochenende hat auch dazu beigetragen, dass das bisherige Besucherminus in Gesamtstatistik im Vergleich zum Vorjahr nun endgültig wettgemacht werden konnte. Seit Anfang der Saison zog es nämlich bis dato 2,031.188 Gäste in Wiens Freibäder. Das sind um 290.565 bzw. um 16,69 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Der heurige Juli rangiert laut MA44 bereits jetzt mit 1,204.597 Besuchern an zweiter Stelle in der Bestenliste - sowohl in der Juli- als auch in der Monatsgesamtwertung. Ein neuer Monatsrekord, auf den 148.345 Besucher fehlen, scheint allerdings aufgrund des erwarteten Temperaturrückganges am Dienstag eher unwahrscheinlich - aber nicht unmöglich.

Wien braucht derzeit 100 Millionen Liter mehr pro Tag

Angesichts der extremen Hitze ist in Wien der Bedarf an Wasser in die Höhe geschnellt: Derzeit messe die Magistratsabteilung 31 (Wiener Wasser) einen um ein Viertel höheren Tagesverbrauch als an einem durchschnittlichen Tag des Jahres. Das sind um 100 Millionen Liter mehr pro Tag als es normalerweise der Fall ist.

Verbraucht werden nun rund 470 Millionen Liter täglich. Angst, dass das Wasser in der Bundeshauptstadt ausgeht, braucht man aber keine haben: Derartig lange Trockenperioden gebe es jedes Jahr in den Monaten Juni bis August, hieß es. Meistens werde im Juni das Maximum des Wasserverbrauchs erreicht und nicht während der Sommerferien, wo viele Wiener auf Urlaub seien.

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