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Chronik Österreich
07/14/2020

Student wollte sich vor Latein drücken und zog vors Gericht

In seinem Fall sei die Zusatzprüfung „natürlich nicht erforderlich“, meinte der Student.

von Michaela Reibenwein

Wer Medizin studieren will, kommt an Latein nicht vorbei. Genauso verhält es sich bei Jus. Latein ist Teil der erforderlichen „besonderen Universitätsreife“. Entweder haben es Studenten bereits in der Schule gelernt – oder sie legen eine Zusatzprüfung ab. Doch das wollte sich ein Student ersparen und zog lieber vors Gericht.

Der Mann hatte bereits ein dreijähriges Diplomstudium an der TU Graz abgeschlossen. Danach wurde er zum Diplomstudium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien zugelassen – mit dem Hinweis: Ergänzungsprüfung Latein ist noch abzulegen.

„Nicht erforderlich“

Der Student allerdings sah das gar nicht ein. Er schrieb der Uni Wien eine Mail. Der Vermerk mit der Ergänzungsprüfung sei fälschlicherweise hinterlegt worden. In seinem Fall sei das „natürlich nicht erforderlich“.

Er begründete das so: Die Zulassung zum Studium erfolgte durch die Ausstellung eines Studienblattes. Neben Matrikelnummer und seinen Personalien war als Zulassungsnachweis der Vermerk „österreichisches Diplomstudium“ angeführt. Von einer nötigen Latein-Prüfung stand im Studienblatt (ursprünglich) nichts. Dieser Zusatz fand sich erst auf einer Version, die einen Tag später ausgestellt worden war.

Der Mann versuchte es erst durch regen Schriftverkehr mit der Uni – doch er biss auf Granit. Also schlug er den Rechtsweg ein und ging damit zum Verwaltungsgericht. Doch auch dort fand er kein Verständnis. Ohne Latein-Ergänzungsprüfung geht gar nichts, kam man zum Entschluss.

Doch noch gab sich der Student nicht geschlagen – und befasste mit seiner Sache den Verwaltungsgerichtshof. Wiederum ohne Erfolg. Ein Jusstudium ohne Latein gibt’s auch weiterhin nicht.