Razzia in GESCHÄFT MIT ATEMSCHUTZMASKEN

© Weichhart Johannes

Chronik Österreich
10/21/2021

Strafprozess um minderwertige Masken: Ein Angeklagter freigesprochen

Maskenhändler Mahmoud E. soll rund 27.000 Masken verkauft und mehr als 300.000 Euro Schaden verursacht haben.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Sie drehten anscheinend das ganz große Rad. Zu Beginn der Corona-Krise, im Frühjahr 2020, soll das Brüderpaar Mahmoud und Mohamed E., deren Familie Handy-Reparaturshops betreibt, zwei Geschäfte für Anti-Corona-Masken in der Mariahilfer Straße und der Kärntner Straße in Wien eröffnet haben. Dazu kam noch ein Onlineshop unter der Internetadresse www.atemschutzmaske.at.

Die FFP2- und FFP3-Masken wurden ihnen regelrecht aus der Hand gerissen, weil sie anderswo vergriffen waren. Gestern, Donnerstag, musste sich das Brüderpaar vor Richterin Anna Marchart am Landesgericht Wien wegen Betrugsverdachts verantworten. Laut Staatsanwältin sollen sie rund 27.000 Masken an Ärzte, Apotheken, die Caritas, an Pflegeheime und andere verhökert haben und dabei mehr als 300.000 Euro Schaden verursacht haben.

Denn: Die Masken sollen zum Teil mangelhaft, abgelaufen und nicht zertifiziert gewesen sein. Mahmoud E. und Mohamed E. bekannten sich nicht schuldig. Letzterer dürfte nur wegen der Vornamensähnlichkeit auf die Anklagebank gerutscht sein. Die Ermittler dürften schlampig gearbeitet haben.

„Mohamed E. hat mit dem Maskengeschäft seines Bruders nichts zu tun“, sagte dessen Strafverteidigerin Daniela Leitner vor Gericht. Er hatte nur das „Pech“, dass sich sein Bruder Mahmoud bei einer Razzia durch die Gewerbebehörde (Magistrat Wien) am 17. April 2020 im Shop in der Mariahilfer Straße mit dessen Führerschein legitimierte. Damit nahm das Verhängnis seinen Lauf.

Identifizierung

Doch eine Gegenüberstellung zwischen Mohamed E. und der zuständigen Magistratsbediensteten fand erst am Donnerstag vor Gericht statt.

Die Beamtin identifizierte seinen Bruder Mahmoud als den mutmaßlichen Shopbetreiber. In weiterer Folge wurde Mohamed E. vom Schöffengericht freigesprochen.

Indessen schilderte Mahmoud E. wortreich, wie damals ein Run auf die Masken einsetzte. Die Nachfrage war überaus gewaltig und er konnte liefern. Aber das auch nur, weil er angeblich in Baumärkten, bei Malern und Lackierern allerlei Masken zusammenkaufte.

„Ich habe 80 Prozent der Masken von österreichischen Unternehmen gekauft“, behauptete Mahmoud E. vor Gericht. Laut seinem Verteidiger Klaus Ainedter wurden keine Masken direkt aus China importiert, sondern von Zwischenhändlern in der Slowakei und auch in Rumänien.

Und dabei musste er zum Teil selbst tief in die Tasche greifen. So kaufte er 8.000 FFP3-Masken für 6,77 Euro pro Stück in Rumänien ein. Was aber bei aller Geschäftetreiberei auf der Strecke blieb, war die Qualitätskontrolle. Von den 15 Maskentypen, die beschlagnahmt wurden, hatten nur zwei eine gültige CE-Kennung, sprich eine EU-Zertifizierung.

Doch Mahmoud E. ist davon ausgegangen, dass „die Masken in Ordnung sind“. Was er offenbar nicht richtig wahrgenommen hat, war, dass er zum Teil Masken verkaufte, deren Eignung bereits im Jahr 2010 abgelaufen war. Verteidiger Ainedter: „Man kann ihm vorwerfen, dass er die Masken nicht nach Punkt und Beistrich kontrolliert hat, aber keinen Bereicherungs- und Betrugsvorsatz.“ Der Prozess wurde vertragt. K. Möchel, D. Schreiber

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