Ein vom Sturm umgewehter Zaun nahe dem Wiener Prater

© APA/HERBERT NEUBAUER

Sturm: Stromausfälle und Verkehrsbehinderungen
01/10/2015

Sturm: Stromausfälle und Verkehrsbehinderungen

Tausende Haushalte ohne Strom, abgedeckte Häuser und überflutete Keller. Prater Hauptallee gesperrt. Neuer Jänner-Temperaturrekord.

Ein Sturm ist am Samstag über Österreich gefegt. Er machte den Feuerwehren zu schaffen, sie verzeichneten zahlreiche Einsätze wegen umgestürzter Bäume, abgedeckter Häuser, überfluteter Keller und Muren.

Auch am Sonntag soll der Wind überall nochmals aufleben, sagte eine Meteorologin der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) der APA. In der Nacht trifft eine Kaltfront auf Österreich, damit sinkt die Schneefallgrenze am Sonntag auf 500 Meter.

In Wien wurde aus Sicherheitsgründen die Prater Hauptallee gesperrt, Sturm "Felix" wehte mit knapp 100 km/h über die Bundeshauptstadt. Per Lautsprecher wurden Passanten aufgefordert, den Prater zu verlassen. Zuvor war eine Plakatwand umgestürzt, verletzt wurde niemand. Die Feuerwehr warnte davor, sich unter Bäumen aufzuhalten. "Zwischen 6.00 und 17.00 Uhr hatten wir 310 Einsätze", sagte Christian Feiler, Sprecher der Berufsfeuerwehr der APA. Zu Spitzenzeiten waren 250 Mann zeitgleich unterwegs. Verletzt wurde niemand.

Am Nachmittag verlagerte sich der Schwerpunkt in das südliche Wien. Am häufigsten alarmiert wurde die Feuerwehr wegen loser Bauteile wie beispielsweise Rauchfangaufsätze, Satellitenschüsseln oder auch Dachrinnen, schilderte Feiler. Rund 30 Mal rückten die Einsatzkräfte wegen umgestürzter oder gefährdeter Bäume aus. Folgeschäden wurden keine verzeichnet, entwurzelte Bäume landeten so beispielsweise auf freien Wiesen. Rund 50 Einsätze gab es wegen loser Dachziegel. Am neuen Hauptbahnhof in Favoriten löste sich am Nachmittag im Bereich des Haupteinganges eine rund drei Quadratmeter große Blechkonstruktion der Überdachung. Feuerwehrleute entfernten das lose Blech mittels Drehleiter, sagte Feiler. Der Eingang wurde währenddessen von der Polizei abgeriegelt.

Feuerwehren in Niederösterreich mussten "binnen 24 Stunden" etwa 300 Mal sturmbedingt ausrücken. Den spektakulärsten Einsatz gab es in Wiener Neustadt, wo ein 800 bis 1.000 Quadratmeter großes Firmendach abgedeckt worden und in der Oberleitung der Pottendorfer Linie gelandet war. Landesweit waren laut Resperger an die 1.000 Helfer der Feuerwehr aufgeboten. Der Schwerpunkt der Sturm-Einsätze lag in den Bezirken Mödling, Baden und Neunkirchen - und damit im Süden.

210 Notrufe gingen in der Nacht auf Samstag bei der Landeswarnzentrale der Feuerwehr in Oberösterreich ein. 155 Feuerwehren rückten zu 175 Einsätzen aus, um umgestürzte Bäume von Straßen zu räumen und beschädigte Gebäude zu sichern. In Bad Ischl wurden acht Pkw durch umgeknickte Bäume demoliert, im Bezirk Steyr-Land und im Mühlviertel rutschten zwei Hänge auf Straßen. Verletzt wurde in Oberösterreich niemand.

In Salzburg waren rund 300 Feuerwehrleute im Einsatz. In Annaberg verursachte der heftige Regen in der Nacht einen Murenabgang, der verbliebene Schneemassen auf ein Haus drückte. Auch in St. Martin bei Lofer ist am Samstagvormittag eine Mure abgegangen. Verletzt wurde niemand. Im Süden der Stadt Salzburg wurde eine Hochspannungsleitung gekappt. Im Pinzgau wurden einige Keller überflutet, und im Flachgau und Tennengau blockierten umgestürzte Bäume die Straßen.

InKärntensind vom Föhnsturm vor allem die nördlichen Landesteile entlang des Tauernhauptkammes betroffen gewesen. Auf dem Katschberg und in Bad Kleinkirchheim (beide Bezirk Spittal) wurden Dächer beschädigt, im Metnitztal (Bezirk St. Veit) fiel ein Baum auf ein Gebäude. Schlechte Nachrichten gab es auch für die Wintersportfreunde: Sturmböen bis zu 120 km/h auf der Franz-Klammer-Piste in Bad Kleinkirchheim richteten erhebliche Schäden entlang der Strecke und im Zielraum an und erzwangen eine Absage der Weltcup-Abfahrt der Damen. Der Super-G am Sonntag soll aber dennoch stattfinden.

Die Sturmböen, die mit bis zu 120 km/h Samstagfrüh in der Steiermark wüteten, führten zu zahlreichen Stromausfällen. So waren rund 5.000 Haushalte ohne Strom, betroffen waren vor allem Gebiete in Voitsberg, rund um Weiz und im Murtal, teilte Energie-Steiermark-Sprecher Urs Harnik-Lauris mit. Auch die Tunnelanlagen der Südautobahn (A2) auf der Pack waren davon betroffen, nachdem umgestürzte Bäume die Bundesstraße versperrten, wurde der Verkehr bis zum frühen Nachmittag blockweise durch die Tunnel geleitet, so die Asfinag.

InTirolhat die angekündigte Sturmfront am Samstag nur vereinzelt zu Problemen geführt. Die Schäden hielten sich in Grenzen, zum Teil wurden Nebenstraßen oder Wege von Bäumen verlegt. Die Einsatzorte verteilten sich über alle Bezirke. Für die Nachtstunden wurden ein Temperatursturz und Neuschnee erwartet. DasBurgenlandblieb zunächst vom heftigen Sturm verschont. Vom Sturm gänzlich unbehelligt bliebVorarlberg.

Neuer Jänner-Temperaturrekord

Der Föhnsturm hat einen neuen österreichischen Jänner-Temperaturrekord mit sich gebracht. Nach Angaben der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) wurden am Samstag in Obervellach (Bezirk Spittal) und in Graz-Straßgang jeweils 21,7 Grad gemessen. An insgesamt 14 Messstationen kletterte das Thermometer auf über 20 Grad.

Höchstwerte über 20 Grad
Graz/Straßgang (St)

21,7 Grad

Obervellach (K)

21,7 Grad

Köflach (St)

21,5 Grad

Graz-Thalerhof-Flughafen (St)

21,4 Grad

Graz/St. Peter (S)

21,2 Grad

Golling (S)

21,1 Grad

Graz Universität (St)

21,0 Grad

Salzburg-Freisaal (S)

20,9 Grad

Salzburg-Flughafen (S)

20,8 Grad

Deutschlandsberg (St)

20,7 Grad

Leibnitz (St):

20,7 Grad

St. Wolfgang (O)

20,1 Grad

Innsbruck Universität (T)

20,0 Grad

Lawinengefahr

Die Experten des Lawinenwarndienstes rechnen indes mit einem Anstieg der Lawinengefahr auf "4" der fünfteiligen Skala. In der Nacht zum Sonntag wurde ein Wintereinbruch erwartet, begleitet von orkanartigen Windböen.

Die Tourenmöglichkeiten seien "stark eingeschränkt". Skitouren und Variantenfahrten erforderten viel Erfahrung. Unerfahrenen rieten die Experten des Landes, die gesicherten Pisten nicht zu verlassen.

Schwere Schäden und Wärmerekorde in Osteuropa

Auch in Polen, Tschechien und der Slowakei hat das Sturmwetter schwere Schäden angerichtet. Umgestürzte Bäume blockierten zahlreiche Bahn- und Straßenverbindungen. Der Donau-Schiffsverkehr in der Slowakei wurde unterbrochen, weil Sturmböen das Passieren der Schleusen beim Kraftwerk Gabcikovo zu gefährlich machten.

In Deutschland waren wegen des Sturmtiefs "Felix" mehrere Bahnstrecken zeitweise lahmgelegt. Am Samstagabend waren die Fernverkehrsstrecken der Deutschen Bahn nach Angaben des Unternehmens wieder frei. Die Züge in Deutschland könnten wieder fahren, sagte eine Sprecherin am Abend. Die Reisenden sollten noch am Samstag an ihre Ziele gebracht werden - es könne aber zunächst zu Rückstaus kommen.

Zugleich verzeichneten die Meteorologen Rekordtemperaturen. In mehr als 40 Orten Tschechiens wurden die wärmsten je an einem 10. Jänner aufgezeichneten Temperaturen gemessen. Den höchsten Wert erreichte mit 16,8 Grad Celsius der Stadtteil Vanov in Usti nad Labem (Aussig an der Elbe). Noch höher kletterte das Thermometer im Nachbarland Slowakei, wo die Hauptstadt Bratislava mit 17,5 Grad einen neuen landesweiten Rekord verzeichnete.

Windstärken, Böen, Orkan

Windstärken werden nach der 1806 von dem englischen Admiral Francis Beaufort entwickelten Skala berechnet. Sie reicht von 0 Beaufort (Windstille) bis zur Stärke 12 (Orkan).

Böen sind kräftige Windstöße, die für bis zu 20 Sekunden den Zehn-Minuten-Mittelwert der gemessenen Windgeschwindigkeit übersteigen. Einzelne Sturmböen können Orkanstärke erreichen.

Bei einem Sturm wird eine mittlere Windgeschwindigkeit in zehn Metern Höhe über freiem Gelände von 75 bis 88 Kilometern pro Stunde gemessen (Stärke 9). Bei 89 bis 102 Stundenkilometern (Stärke 10) spricht man von einem schweren, bei Tempo 103 bis 117 (Stärke 11) von einem orkanartigen Sturm.

Ein Orkan (Stärke 12) weht mindestens zehn Minuten lang mit 118 Kilometern pro Stunde oder mehr. Er bildet sich über dem Nordatlantik, wo polare Kaltluft auf milde Meeresluft trifft. Durch den Temperaturgegensatz entstehen in oberen Luftschichten extrem starke Winde.

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