Chronik | Österreich
14.08.2018

Sozialwohnungen: Ein „Berater“ als Strippenzieher

Wie der Immo-Investor Michael Tojner beim umstrittenen GFW-Deal mitmischte

Die Grabenkämpfe zwischen den alten und neuen Eigentümern der Wohnbauvereinigung GFW, deren Verkauf wegen Ungereimtheiten rückabgewickelt werden soll, gehen munter weiter. Nach einer anwaltlichen Aufforderung zieht nun der ehemalige Miteigentümer Stefan Gregorich den Vorwurf zurück, der jetzige Eigentümer – der Tiroler Unternehmer Christian Hosp – sei ein „Strohmann“ des Wiener Immo-Investors Michael Tojner.

Zur Erinnerung: Tojner hatte, wie berichtet, im Jahr 2010 von den damaligen Eigentümern um 800.000 Euro eine Option erworben, die ihm direkt ein Vorkaufsrecht sowie das Recht einräumte, einen Käufer für die Anteile der Muttergesellschaft der GFW (damals noch WBV-GÖD) mit ihren rund 3000 Sozialwohnungen namhaft zu machen.

Die Wahl fiel schließlich auf Christian Hosp, einen engen Geschäftspartner von Tojner. Der Hintergrund: Da Tojner selbst in der Immobilienbranche tätig ist, war es ihm rechtlich nicht gestattet, den gemeinnützigen Bauträger selbst zu erwerben. Tojner würde ihm lediglich beratend zur Seite stehen, beteuerte Hosp bis zuletzt.

Welch gewichtige Rolle Tojner tatsächlich in der GFW spielt, zeigt eine Reihe von Unterlagen, die dem

KURIER vorliegen. Schon im Dezember 2008 war Tojner in den Transfer des Bauträgers involviert, wie ein interner Mailverkehr aus dieser Zeit zeigt. Darin entschuldigt Tojner sich dafür, „dass ich mich als Gesamtverantwortlicher unserer Gruppe in den letzten 2 Monaten zu wenig um die Transaktion ,GÖD’ gekümmert habe“.

Umfassende Rechte

Im Zuge der Vertragsunterfertigung 2010 wurden Tojners damaliger Firma Global Equity Partners weitreichende Rechte eingeräumt. So mussten sich die Verkäufer zu umfassenden Änderungen des Gesellschaftsvertrags verpflichten: Eine Veräußerung, Verpfändung oder sonstige Belastung von Geschäftsanteilen bedürfe demnach der Zustimmung von Tojners Unternehmen.

In dem „Unwiderruflichen Anbot“ wird zudem festgelegt, dass Tojners Firma einen Aufsichtsrat für die WBV-GÖD bestellen kann. Sollte dieses Recht verweigert werden, könne die Global Equity gegen Zahlung des gesamten Abtretungspreises den vorzeitigen Übergang der Geschäftsanteile bewirken. Das ist laut Branchenkennern bemerkenswert, da Tojners Firma gemäß § 9 Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz eben nicht berechtigt wäre, den Wohnbauträger zu übernehmen. Aufsichtsrat wurde jedenfalls Anwalt Franz Guggenberger, ebenfalls ein enger Vertrauter Tojners.

Rot-schwarze Freunde

Im November 2016 meldete Tojner weitere personelle Begehrlichkeiten an, wie aus einem anderen internen Mail hervorgeht. Als weitere Aufsichtsräte schlug er den ehemaligen Wiener SPÖ-Planungsstadtrat Rudolf Schicker vor, „der uns helfen soll geförderte Projekte in Wien zu bekommen“. Weiters Lukas Michlmayr, ÖVP-Bürgermeister in der nö. Stadt Haag. Dieser habe „eine besondere Beziehung zu Herrn Pröll“, aber auch „vor allem zu Herrn Kurz“. Die Besetzung des Aufsichtsrats mit den beiden Politikern kam letztlich nicht zustande. Ebenso 2017 die Bestellung eines hochrangigen Mitarbeiters aus Tojners Immo-Firma Wertinvest als Geschäftsführer der WBV-GÖD.

Auch für die Hausverwaltung schlägt er in dem Mail vom November 2016 einen Vertrauensmann vor. „Damit wäre, sollte es dann in 1,5 Jahren zur Übergabe kommen, für einen reibungslosen Übergang gesorgt.“

„Die Causa ist den Menschen dieser Stadt nicht mehr länger zumutbar“, kritisiert FPÖ-Vizebürgermeister Dominik Nepp. „SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal müssen hier ein rechtskonformes Machtwort sprechen.“ Der KURIER hat bei der Wertinvest um ein Interview zu der Causa mit Tojner angefragt. Dieser sei auf Urlaub, so eine Mitarbeiterin. Sie schlug vor, dafür einen anderen Interviewpartner zu organisieren: Christian Hosp.