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Analyse
03/07/2017

So kriminell sind Ausländer wirklich

Drogen, Sex, Gewalt – was dran ist am Bild des kriminellen Asylwerbers.

von Dominik Schreiber

Die Kriminalitätsrate ist einigermaßen konstant, die Aufklärungsquote hoch wie nie. Die Zahl der Autodiebstähle, Überfälle und Einbrüche in Wohnungen sind rückläufig, zeigt die aktuelle Kriminalitätsstatistik des Innenministeriums. Die Mordrate bleibt gering: 46 Menschen wurden im Vorjahr in Österreich getötet – in manchen Städten der Welt passiert das an einem Tag. "Auch schwere Sexualdelikte wie Vergewaltigungen sind nicht gestiegen wie es manche Medienberichte glauben machen", sagt Franz Lang, Direktor des Bundeskriminalamtes.

Man sollte meinen, dass nichts faul ist im Staate Österreich. Dennoch lauteten die hysterischen Titel der Onlinemedien: "Kriminalitätstatistik 2016: Zahl der Straftaten explodiert", "Verbrechens-Hotspot Wien" oder "Anzeigen gegen Asylwerber um 54 Prozent gestiegen".

Medial "überrepräsentiert"

"Ausländer und Asylwerber sind in der medialen Berichterstattung weit überrepräsentiert", analysiert Kriminalsoziologe Norbert Leonhardmair vom Institut Vicesse. "Wir haben im ersten Halbjahr 2016 untersucht, wie viele Partei-Aussendungen es zum Thema sexuelle Gewalt gab. Von den 80 waren mehr als die Hälfte von einer Partei – und es ging in Summe um vier Fälle. Diese wurden in drei Boulevardmedien dann groß berichtet."

Die am Montag von Innenminister Sobotka präsentierte Kriminalitätsbilanz zeigt tatsächlich einen nominellen Anstieg der Straftaten durch Asylwerber um 54 Prozent – allerdings sind viel mehr im Land. Tatsächlich ist der Anteil der Asylwerber an den Tatverdächtigen mehr oder weniger konstant bis leicht abnehmend, er sank von 23 Prozent im Jahr 2013 auf aktuell 18 Prozent. Der Experte führt dies darauf zurück, dass verstärkt Familien aus Syrien und Irak ankommen, diese sind generell weniger kriminell.

Kleinkriminalität

Der überwiegende Anteil der von Asylwerbern verübten Delikte entfällt auf Diebstahl, (leichte) Körperverletzungen und Drogenhandel. Wobei letzteres eher ein Kontrolldelikt ist und mehr die Tätigkeit der Polizei widerspiegelt. "Studien zeigen, dass drei Viertel alle Diebstähle einen Schaden von unter 250 Euro verursachen", erklärt Leonhardmair. "Das geht also an die Bagatellgrenze heran." De facto steigt durch die Migration vor allem die Kleinkriminalität. Ähnliches ist in Deutschland zu beobachten, wo der Anstieg auf vermehrtes Schwarzfahren und Ladendiebstahl zurückzuführen ist.

Ein weiteres interessantes Detail: So wurden 6121 Opfer durch Asylwerber-Kriminalität festgestellt, davon waren nur 26 Prozent Österreicher. Das zeigt, dass sich die Ausländerkriminalität vor allem innerhalb der eigenen Volksgruppe abspielt oder Konkurrenzkämpfe mit anderen Ethnien. "Dabei bemerken wir eine Zunahme an gefährlichen Waffen, die eingesetzt werden", sagt Lang.

Alter statt Herkunft

Dass die Zahl der Gesamtdelikte seit Jahren eher sinkt, sieht Leonhardmair in der demoskopischen Entwicklung: "Das ist in allen westlichen Demokratien so. Das Durchschnittsalter steigt und ältere Menschen begehen weniger Straftaten." Prinzipiell seien junge Männer aus einkommensschwachen Schichten am ehesten kriminell. Die Herkunft sei egal, erklärt der Kriminalsoziologe.

Auch General Lang sieht vor allem eine Problemgruppe: "Wenn Personen rund 400 Tage im Land sind, der Asylbescheid abgelehnt wird und es keine Perspektive mehr gibt, dann steigen die Probleme merkbar". Wobei es bei den Herkunftsländern deutliche Abstufungen gibt: "Afghanistan, Algerien und Tschetschenien sind überrepräsentiert, Syrien oder Irak kaum wahrnehmbar."

Bei 537.800 Anzeigen wurde in knapp der Hälfte ein Verdächtiger ausgeforscht. 164.609 Österreichern stehen dabei 105.551 Ausländer gegenüber. Einen Vergleich daraus zu ziehen, wer krimineller ist, ist dennoch nicht möglich. Denn in der Bilanz sind Asylwerber genauso wie Touristen gezählt.