Chronik | Österreich
26.05.2014

Handyabnahme in Schulen sorgt für Proteste

Strafpunktesystem fürs Telefonieren. Ein Vater drohte mit dem Anwalt.

Handys in der Schule – eine endlose Debatte. Nachdem die Kärntner AHS-Lehrerin Alice Strauss das Thema wieder ins Rollen gebracht hat, werden auch Problemfälle an anderen Schulen bekannt.

Zur Erinnerung: Die von Strauss ins Leben gerufene parlamentarische Bürgerinitiative fordert ein gesetzliches generelles Handyverbot an Schulen. Doch selbst Strauss’ Kollegium am Peraugymnasium distanziert sich von der Idee. "Schüler müssten beim Betreten des Gebäudes gecheckt werden, ob sie Handys mithaben oder ob diese ausgeschaltet sind", sagt Direktor Herwig Hilber. Strauss fühlt sich missverstanden (siehe Artikel unten). Hilber steht aber auch möglichen Konsequenzen skeptisch gegenüber: "Man stelle sich vor, man verhängt Geldstrafen oder droht sogar den Schulausschluss an, wegen eines Vergehens, das in großen Teilen unserer Gesellschaft nicht als solches gesehen wird."

Vater drohte mit Anwalt

Bisher ist es jeder Schule selbst überlassen, wie sie mit dem Thema "Neue Medien" umgeht. In der Hausordnung wird festgelegt, was die Handynutzung in der Schule für Konsequenzen nach sich zieht.

Neben den direkt Betroffenen – Schülern und Lehrern – gibt es vor allem seitens der Eltern eine Vielzahl verschiedener Standpunkte. Einer Schule im südlichen Niederösterreich wurde jetzt sogar mit dem Anwalt gedroht. Denn: "Wenn ein Schüler zum zweiten Mal mit dem Handy erwischt wird, dann müssen die Eltern das Gerät abholen kommen", erklärt Veronika Buchinger, Leiterin der Neuen Mittelschule Pitten. Dieses System wurde in der schuleigenen Hausordnung festgelegt und von allen Eltern unterschrieben.

Trotzdem wandte sich ein verärgerter Vater an einen Anwalt – die Leiterin kann diese Reaktion nicht verstehen. "Es kann auch nicht im Interesse der Eltern sein, dass die Schüler im Unterricht mit dem Handy spielen", sagt Buchinger. Außerdem kommt es mit der Handynutzung auch immer öfter zu Problemen unter den Schülern: "Es wird oft über das Handy gemobbt." Ein weiterer Störfaktor seien aber auch die Eltern selbst, die ihre Sprösslinge in der Schule anrufen. "Die Eltern sollten ein positives Beispiel abgeben und ihren Kinder klar machen, dass das Benutzen von Handys in der Schule nicht angebracht ist", sagt Buchinger.

Ein generelles Handyverbot, das rigoros geahndet wird, hält die Leiterin der NMS Pitten aber auch für den falschen Weg.

Maßnahmenkatalog

Auch Monika Auböck, Direktorin des Gymnasiums Contiweg im 22. Bezirk, hält ein absolutes Handyverbot für nicht zielführend. Sie setzt auf Aufklärung und Prävention – und hat an ihrer Schule einen Maßnahmenkatalog mit Punktesystem erstellt, für den Fall, dass Schüler unerlaubterweise während des Unterrichts mit dem Handy spielen.

Einfache Vergehen, wie SMS-Schreiben während der Stunde, wären dem Katalog zufolge ein Punkt, ein gravierenderer Vorfall wie Mobbing (beispielsweise auch über WhatsApp oder Facebook) neun Punkte. Hat ein Schüler fünf Punkte angesammelt, gibt es ein Gespräch mit dem Klassenvorstand; bei zehn Punkten werden die Eltern dazugezogen. Und bei 20 Punkten kommt es zum Disziplinar-Komitee. Durch Sozialdienste können Punkte aber auch wieder gutgemacht werden.

Ich habe mir mehr erwartet

1597 Unterstützer hat Alice Strauss bereits: Die Kärntner AHS-Lehrerin vom Peraugymnasium in Villach setzt sich für ein gesetzliches Verbot von Mobiltelefonen an Schulen ein (der KURIER berichtete). Damit hat Strauss’ parlamentarische Bürgerinitiative bereits mehr Unterzeichner als etwa die Petition „Rettet das Bundesheer“, die derzeit auf 882 Stimmen kommt.

Doch ihr ist das nicht genug: „Eigentlich habe ich mir mehr erwartet.“ Strauss fühlt sich aber auch missverstanden. Es gehe ihr nicht darum, dass die Kinder ihre Handys nicht mit in die Schule nehmen dürften, sondern dass sie ausgeschaltet sein sollen. Lehrer könnten im Unterricht den richtigen Umgang mit den Geräten zeigen. Strauss begründete ihren Vorstoß mit ihren Beobachtungen. „Auch unter Zwölfjährigen ist es schon üblich, dass sie einander Nacktbilder schicken. Die Kinder spielen gewaltverherrlichende Spiele.“

Im Peraugymnasium setze man ohnehin auf Aufklärung und Information, kontert Direktor Herwig Hilber: Schüler dürfen ihre Mobiltelefone nur in einer eigenes eingerichteten Zone benützen. Wer außerhalb damit erwischt wird, muss es abgeben. Allein im laufenden Schuljahr seien bereits 300 Telefone einkassiert worden.

„Keine Handy-Polizei“

Ähnlich sehen es die obersten Lehrer der Bundesländer Kärnten und Steiermark. Rudolf Altersberger, Präsident des Landesschulrats Kärnten, wünscht sich Sensibilisierung, aber kein Verbot. „Wir brauchen nicht noch eine Handy-Polizei in der Schule.“ Außerdem sei es nicht möglich, für eine sehr breite Altersgruppe von sechs bis zuweilen zwanzig Jahre eine einheitliche Regelung zu finden. Jeder der 400 Schulen in Kärnten stehe es frei, sich eigene Spielregeln zu entwerfen. Ein Gesetz bedeute Abschieben der Verantwortung, betont Altersberger. Auch seine steirische Amtskollegin Elisabeth Meixner hält wenig von gesetzlichen Schranken. „In vielen Hausordnungen gibt es bereits ein Verbot, das ist für mich in Ordnung.“ Es sei wichtig, dass sich die Schulpartner mit dem Thema beschäftigen. Strauss hat ihre eigene Theorie, worin die Ablehnung begründet sein könnte: „Vielleicht ist es die Angst vor mehr Aufwand.“