Skelett eines Skiläufers aus Untersberg-Höhle geborgen

SALZBURG: SKELETT AUS HÖHLE IM UNTERSBERG GEBORGEN
Foto: APA/NEUMAYR/MMV Der Sarg mit den sterblichen Überresten.

„Den Rest behält der Untersberg“: Toter lag nach Schätzungen des Finders 70 bis 80 Jahre im Berg.

Georg Zagler, ein passionierter Höhlenforscher und Geologe, hat vor knapp vier Wochen am Salzburger Untersberg einen grausigen Fund gemacht: Knochen und Teile eines Schädels waren in etwa 250 Metern Tiefe in einer Höhle verstreut. „Erst habe ich gedacht, die sind von einem Tier. Dann habe ich die Lederschuhe und die Ski gefunden“, erzählt der 44-jährige Salzburger.

Wie sich herausstellte, stammen die Überreste von einem Skitourengeher, der vor Jahrzehnten in der Nähe der Schweigmühlalm in ein Loch gestürzt sein dürfte. Der Zeitpunkt lässt sich nur grob schätzen: Die genagelten Lederschuhe und die Ski-Riemen geben einen Spielraum von 50 bis 80 Jahren.

In Loch gestürzt

Dienstagfrüh begann die Bergeaktion mit vier Männern der Alpinpolizei und der Salzburger Bergrettung. Zagler war bei der Absicherung behilflich. Die so genannte „Therion Horrer“-Höhle ist noch kaum erforscht. Nach rund 50 Metern steil bergab kommt eine Engstelle, die Zagler bei der ersten so genannten „Befahrung“ am 19. Oktober überwinden konnte. Er vermutet, dass der Skifahrer schon beim Sturz in das Loch gestorben ist und sein Leichnam von Schmelz- und Regenwasser immer tiefer in die Höhle gespült wurde.

Die Bergung war auch für den erfahrenen Alpinpolizisten Manfred Schwaiger eine Herausforderung: „Die Höhle ist verwinkelt, voller Engstellen und Canyons. Zwölf Stunden haben wir unter schwierigsten Bedingungen gearbeitet“, erzählt er. Jedes Fundstück musste dokumentiert und in einem Plan eingezeichnet werden.
In 320 Metern Tiefe war Endstation: Höhlenforscher Zagler blieb in einer Engstelle stecken. Dahinter dürften noch weitere Überreste liegen. „Teile des Toten wird der Untersberg wohl für immer behalten“, sagt er.

Am Mittwoch wurden die Skelettteile von einem Polizeihubschrauber ins Tal geflogen. Sie sollen jetzt von der Gerichtsmedizin untersucht werden. Ob sich dabei die Identität des Toten herausfinden lässt, ist fraglich, sagt Polizeisprecher Ortwin Lamprecht. „Für einen DNA-Abgleich bräuchte man eine Probe der vermissten Person. Diese Technologie hat es in dem Zeitraum, den wir vermuten, aber noch nicht gegeben.“ Fünf Personen aus dem  Land Salzburg gelten als abgängig, der Tote könnte aber auch aus dem Ausland stammen, sagt er. 

Die Polizei hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung, um den Angehörigen des Toten endlich Gewissheit geben zu können.

(Kurier) Erstellt am
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