Chronik | Österreich
16.01.2018

Sicherung hielt nicht: Zwei Eiskletterer stürzten in den Tod

Die beiden deutschen Bergsteiger stürzten 350 Meter ab. Ein Alpinpolizist wurde zufällig Augenzeuge des Unfalls.

Zwei deutsche Bergsteiger waren am Montagnachmittag in der Geierkopf-Nordwand (Bezirk Reutte) nicht mehr weit vom Gipfelsieg entfernt, als ein folgenschweres Missgeschick passierte: Der vorausgehende Kletterer dürfte in der vorletzten Seillänge bei der kombinierten Route über Fels- und Eispassagen den Halt verloren und abgestürzt sein. Der von ihnen selbst eingerichtete Standplatz, eine Sicherungsstelle in der Kletterroute, wurde aus der Wand gerissen. Der 25-Jährige aus München und sein 28-jähriger Bergkamerad aus dem Landkreis Oberallgäu stürzten rund 350 Meter in die Tiefe.

Am Einstieg der Kletterroute war zum Unfallzeitpunkt Alpinpolizist Walter Schimpfössl unterwegs. "Ich war zufällig in dem Gebiet auf Erkundungstour", sagt Schimpfössl. Er habe zunächst ein Geräusch gehört und dann die abstürzenden Bergsteiger erblickt. Die beiden seien rund zehn Meter von ihm entfernt zum Liegen gekommen. "Ich habe Glück gehabt. Ungefähr eine Minute vorher bin ich da gestanden, wo die Männer aufgeschlagen sind", schildert Schimpfössl. Für die verunglückten Kletterer kam jede Hilfe zu spät. Ein Polizeihubschrauber brachte die beiden Leichen ins Tal.

Warum einer der Bergsteiger gestürzt war, wird laut Schimpfössl wohl ein Rätsel bleiben. Die Männer seien jedenfalls "perfekt ausgerüstet" und alpin erfahren gewesen. Von einem Fehler bei der Sicherung will Schimpfössl nicht sprechen. "In so einer Nordwand hat man oft nicht optimale Bedingungen. Wahrscheinlich hat der Fels einfach nicht mehr hergegeben", vermutet der Alpinpolizist.

Großes Risiko

Auf diese Gefahr weist auch Karl Gabl, Präsident des Kuratoriums für Alpine Sicherheit, hin. "Wenn diese Touren nicht abgesichert (mit fix in den Fels gebohrten Sicherungspunkten, Anm.) sind und der Standplatz selber eingerichtet werden muss, ist das ein großes Risiko", sagt Gabl. "Das Problem ist es, einzuschätzen, ob er diese Belastung aushält."

Er rät angesichts der Wetterprognosen gerade bei Touren im Eis zu besonderer Vorsicht. "Beim Eisklettern ist es im Winter immer so, dass man das darüber liegende Gelände beobachten muss. Wenn ich an den Neuschnee denke, der in den kommenden Tagen fallen soll, dann ist die Lawinengefahr das vordringlichste, das es zu beachten gibt." Am 10. Dezember waren in Bad Gastein (Salzburg) zwei Eiskletterer beim Aufstieg von einem Schneebrett erfasst und in die Tiefe gerissen worden. Ein 24-Jähriger starb, sein 25-jähriger Kletterpartner überlebte verletzt.