Spital Schladming

© honorarfrei/Diakonissen Schladming/Christoph HUBER

Steiermark
11/26/2016

Schladming will weitergipsen

Die Spitalsreform setzt auch hinter das Krankenhaus im Wintersportort ein Fragezeichen.

von Elisabeth Holzer

Georg Fritsch mag das Wort "Schließung" gar nicht hören. "Das hat uns gegenüber so keiner gesagt", deponiert der ärztliche Leiter des Diakonissenkrankenhauses (DKH) in Schladming. "Aber jeden zweiten Tag werd’ ich am Hauptplatz angeredet: Wird Schladming zusperren? Und ich sag’ dann nur dazu, das kann ich mir nicht vorstellen."

Schladming selbst braucht keine Vorstellung. Man kennt die Stadt vom Urlaub, vom Fernsehen. Am Rande aber weil Schladming flächenmäßig doch nicht so riesig ist irgendwie dennoch mittendrin ist das Spital: Vor zehn Jahren neu gebaut, gehört es den Diakonissen, hat aber Öffentlichkeitsrecht und ist somit Teil der offiziellen Spitalslandschaft der Steiermark.

"Es funktioniert alles"

Das DKH Schladming sei in die "Regionale Standardversorgung" einzuordnen, beschreibt Geschäftsführer Peter Stückelschweiger: Innere Medizin, Geburtshilfe und Gynäkologie, Dialysestation – alles da. Dann natürlich auch der Schwerpunkt in der Sportstadt Unfallchirurgie und Orthopädie, seit 2013 als Vollabteilung mit Primar an der Spitze geführt. 17.000 Patienten kommen pro Jahr in die Ambulanz, 14.000 von ihnen in die Chirurgie.

Das DKH Schladming ist auch jenes Spital, in dem verletzte Spitzensportler (erst-) versorgt werden. Georg Fritsch war der Experte, der die Versorgungspläne für die Alpine Ski-WM 2013 entwarf. "Man kann also sagen, es funktioniert hier alles", betont Fritsch.

Seit gut zwei Wochen herrscht aber Unbehagen in Schladming. Bei der Präsentation zum "Gesundheitsplan 2035" wurde Schladming wie die Krankenhäuser in Rottenmann und Bad Aussee quasi nebenbei erwähnt. Als Beispiel dafür, dass ein neues "Leitspital" anderswo im Bezirk Liezen doch vernünftiger wäre. Das wiederum lief allgemein auf eine Interpretation hinaus: Schladming macht zu.

"Den Gips machen wir"

"Die Diskussion läuft falsch", ärgert sich Fritsch: "Da wird viel hinein geheimnisst, obwohl noch gar nichts beschlossen ist. Die Leute haben Angst, dass sie nicht mehr versorgt werden." So muss sich der oberste Arzt seither mit Fragen herumschlagen, wer denn jetzt den gestrauchelten Skifahrern Gipsbeine mache. "Wir", kommentiert Fritsch dann bloß. "Alles andere sind Gerüchte. Denn etwas Funktionierendes infrage zu stellen, ist heftig. Damit riskiere ich erst recht einen Versorgungsengpass."

Doch solche Gerüchte verunsichern, Patienten vor allem, aber auch Mitarbeiter. Apropos Mitarbeiter, 330 gibt es in Schladming, 60 von ihnen Mediziner. Ärztemangel an der Peripherie? Keine Spur, versichert Fritsch. "Auf der Unfallchirurgie haben wir eine Anmeldeliste, wie es sich andere nur wünschen würden. Junge Kollegen aus Graz wollen hier bei uns anfangen." Eigentlich käme man jetzt schon an die Bedingungen, die ein "Leitspital" erfüllen müsste, sinniert Fritsch. Doch eines spricht dagegen, die Randlage am Bezirk.

5902 Patienten wurden im Vorjahr in Schladming stationär aufgenommen, 4572 von ihnen oder und 70 Prozent waren aus dem Bezirk. "Wir sind also kein Touristenspital", betont Geschäftsführer Stückelschweiger, "sondern wichtig für die regionale Versorgung." Politische Unterstützung ist gewiss: ÖVP-Bürgermeister Jürgen Winter will über einen anderen Standort als Schladming überhaupt gar nicht nachdenken. "Weiter östlich als wir kommt nicht infrage."

Da macht man sich gleich Sorgen

Josef S. hat gerade einen Kontrolltermin auf der Abteilung für Inneres hinter sich. Jetzt wartet der Steirer auf seine Testergebnisse. "Das Spital ist zehn Jahre alt, völlig neu. Da hab’ ich für die Diskussion kein Verständnis, dass es vielleicht nicht mehr gebraucht wird." 20 Kilometer entfernt wohnt S., der mehrmals jährlich zu Terminen kommen muss. "Mein nächstes Spital ist Schladming. Sonst müsst’ ich auf Rottenmann." Gar noch weiter in die Bezirkshauptstadt Liezen zu fahren würde ihm überhaupt nicht einfallen. "Und wenn die dort einen Palast hinstellen."

Im Wartebereich der Ambulanz beginnt eine heftige Debatte. Markus K. sitzt mit einer Handverletzung da. "Sportlich verletzt", grinst der junge Mann. "Aber bei dem ganzen Gerede um die Spitäler frag’ ich mich dann schon, was machen die dann mit den Skifahrern, wenn was passiert?"

Bummvoll

Thomas N. kommt aus einem benachbarten Skiort, aus Haus. "Es wär’ net gut, wenn das Spital hier nicht mehr so da wär’ wie jetzt. Allein wegen dem Wintertourismus und dem Fremdenverkehr. Bei so vielen Skifahrern kann immer was passieren." Donnerstag ist es beim KURIER-Besuch erstaunlich ruhig in der Ambulanz. N. schüttelt den Kopf. "Kommens im Winter, nach dem 25. Dezember. Da ist es immer bummvoll. Wo sollten die Leut’ denn sonst hin? Nach Salzburg?"

Die "älteren Leut’" hätten am meisten Bedenken, überlegt Michael W. "Die Reform ist ein Thema bei uns allen, ein Hauptthema. Die Rederei ist net gut, da macht man sich gleich Sorgen."

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