Der Song „Wolffreie Zone“ und das aufwendige Video dazu kreisen um die Radikalisierung der Sprache

© Fat Green Monkey Studios

Chronik Ă–sterreich
12/12/2021

Satire-Rap nimmt Tiroler Wolfsgegner aufs Korn

Die Hip-Hop-Formation "Von Seiten der Gemeinde" wirft in ihren Dialekt-Songs einen kritischen Blick auf ihre Heimat.

von Christian Willim

Auf den Almen ist der Winter eingekehrt. Die Schafe stehen wieder im Stall. Und dennoch kocht die Debatte ĂĽber den Wolf weiter munter vor sich hin. Erst kĂĽrzlich hat das Tiroler Landesverwaltungsgericht den Abschussbescheid gegen das Tier mit der Kennzeichnung 118MATK aufgehoben, das heuer alleine 59 Schafe gerissen haben soll.

Der Schlachtruf der Schafbauern, die am liebsten jeden Wolf erlegt wissen wollen – egal ob in Tirol, Salzburg oder Kärnten – lautet: „Wolffreie Zone.“ Und so heißt auch der neueste Song der Hip-Hop-Formation „Von Seiten der Gemeinde“, die etwa auf FM4 schon seit Jahren mit ihren satirischen Tracks mit Tirol-Fokus für Furore sorgen.

„Es geht uns nicht um Pro oder Contra. Wir sind alle keine Landwirte und verstehen beide Seiten. Es geht uns um eine Radikalisierung der Sprache. Das hat uns auch an die Flüchtlingskrise erinnert“, sagt Rapper Yo!Zepp, der für den Text des Songs verantwortlich zeichnet, in dem es etwa heißt: „Jetzt kemma sie olle vermehrt überd’ Grenz“ oder „Wenn ma Grenzn nit respektiert, konn’s sein, dass man an dena Grenzn stirbt.“

„Von Seiten der Gemeinde“ rappt im schroffen Dialekt des Tiroler Oberlands, der Heimat von Yo!Zepp und seinen Bandkollegen Chrisfader und Testa. Der besondere Clou an ihren Songs: Sie werden um Interview-Schnipsel aus regionalen Fernsehsendern gebaut, die „Lokalgrößen“ zu Wort kommen lassen.

„Die Lösung isch“So auch im Refrain der neuesten Single, in dem ein Bürgermeister erklärt: „Die Lösung isch eine wolffreie Zone.“ Die könnte freilich nur mit Abschüssen jedes der EU-weit streng geschützten Tiere, die aus Italien und Deutschland nach Tirol kommen, umgesetzt werden. Eine Illusion.

„Das Thema ist ziemlich radikal diskutiert worden“, sagt Yo!Zepp und verrät, dass der eben veröffentlichte Song bereits zwei Jahre alt ist. „Es hat mich nicht erstaunt, dass sich das Thema so lange zieht“, so der 38-Jährige. 

Vier Monate hat die Arbeit an dem Video zu „Wolffreie Zone“ gedauert, das die Rap-Satire visuell auf den Punkt bringt. Im Stile von „Shaun das Schaf“ wurden 30 bewegliche Puppen Bild fĂĽr Bild in Bewegung und Szene gesetzt. 

Die 6.000 Fotos ergeben ein 3:50 Minuten langes Video,  in dem der Wolf „durch Wold und Wiesn stroaft“  und in dem seine als Schafe dargestellten Gegner auf die Barrikaden steigen oder das Raubtier ins Visier nehmen.

 

 

Die Single ist die erste Auskoppelung aus dem dritten Album der Tiroler, das im Jänner unter dem Titel „Almen aus Plastik“ erscheint und eine kritische Auseinandersetzung mit Tirol abseits der Wolfdebatte erwarten lässt.

Es geht etwa um Massentourismus. „Corona spielt mit hinein“, sagt Yo!Zepp. Er selbst hat zehn Jahre in Innsbruck gelebt, seine zwei Band-Kollegen 15 Jahre in Wien. Der Blick auf Tirol habe sich dadurch verändert: „Wir hätten dieses Projekt nie gestartet, wenn wir im Dorf geblieben wären.“

„Von Seiten der Gemeinde“
Die Hip-Hop-Formation aus dem Tiroler Oberland rappt im schroffen Dialekt ihrer Heimat. Yo!Zepp, Testa und Chrisfader bauen ihre Songs um Interview-Schnipsel aus Regional-Fernsehsendern. Heraus kommt dabei wunderbare Satire.

Neues Album, geniales Video
„Wolffreie Zone“ ist die erste Single aus dem neuen Album der Band: „Almen aus Plastik“. Es erscheint am 7.1.2022. Das Video zur ersten Auskoppelung wurde mit 6.000 Fotos von 30 beweglichen Puppen fabriziert. Mehr Infos unter www.vonseitendergemeinde.at

Unverständnis über Tirol

Das Bild von Tirol und seinem Krisenmanagement – Stichwort Ischgl – sei kein Gutes, sagt der Rapper, der aus Zams – Heimatgemeinde von Landeshauptmann Günther Platter – stammt. „Außerhalb von Tirol herrscht gerade wieder komplettes Unverständnis, dass wir jetzt aufsperren, obwohl wir die schlechtesten Zahlen haben“, sagt der Musiker. Der Grund für das Lockdown-Ende liegt für ihn auf der Hand: „Das ist der Tourismus. Punkt.“

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