Chronik | Österreich
09.05.2018

Sammelsurium soll Herzstück eines Kulturquartiers werden

Kostenrahmen für das Innsbrucker Projekt wurde gesprengt. Umso mehr muss die neue Institution die Erwartungen erfüllen.

Aus dem Radio der Arbeiter tönt kommerzieller Pop und beschallt einen der beiden Konzertsäle bereits mit Musik. Noch wird an allen Ecken und Enden der derzeit größten Kulturbaustelle Österreichs gewerkt. Bereits am 6. Oktober dieses Jahres soll das „Haus der Musik“ ( HDM) seiner Bestimmung übergeben werden.

„Das Haus steht seit der Planung in der öffentlichen Wahrnehmung“, sagte Johannes Reitmeier, Intendant des Tiroler Landestheaters, in welches das HDM eingegliedert ist, am Dienstag im Zuge einer Baustellenführung. Er ließ nicht unerwähnt, dass das Projekt vor Kurzem wieder aufgrund der Kosten in die Kritik geriet.

Um zumindest 4,7 Millionen teurer wird das ursprünglich mit 58 Millionen Euro budgetierte und von Stadt, Land und Bund finanzierte HDM werden. Nicht zuletzt wegen der auf Hochtouren laufenden Bauwirtschaft darf man gespannt sein, welche Summe am Ende unter dem Strich stehen wird.

Die politischen Verantwortungsträger scheuten gestern jedenfalls vorerst die Bühne für kritische Fragen.

Für Reitmeier trägt das HDM das „Gütesiegel des Alleinstellungsmerkmals“. In dem Haus würden nämlich Kultur- und Bildungseinrichtungen unter einem Dach vereint, die „nicht nebeneinander, sondern miteinander arbeiten“ sollen.

Genau das wird die große Herausforderung. Denn der Mix an Musikinstitutionen, die politisch unter ein Dach gelenkt wurden, gleicht einem Sammelsurium. Bund, Stadt und Land haben neun von ihnen finanzierte bzw. geförderte Einrichtungen in das Haus reklamiert. Sie finden Büros, Probe und Veranstaltungsräumlichkeiten vor.

Dicht gedrängt

Der Bogen spannt sich vom Uni-Institut für Musikwissenschaft über das Mozarteum bis hin zu Vereinslokalen für Blasmusikverband oder Sängerbund. Das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck, dessen miserable Probenbedingungen in den einst hier befindlichen Stadtsälen ein Auslöser für das Projekt waren, bekommt hier auch eine neue Heimstatt. Und selbst wenn es der Name des Baus nicht vermuten lässt, finden außerdem die Kammerspiele des Landestheaters Platz im Haus der Musik.

Einige Nutzer murrten im Vorfeld über die durch die Vielfalt knappen Platzverhältnisse. Der Direktor des Hauses, Wolfgang Laubichler, glaubt diese Sorgen inzwischen ausgeräumt: „Alle haben sich damit abgefunden“, sagt er. Ihm wird es obliegen, die von der Politik in die Höhe geschraubten Erwartungen zu erfüllen. Das HDM soll Herzstück eines neuen Kulturquartiers werden. Und es soll vor allem ein offenes Haus werden.

Von innen nach außen gelingt das optisch zumindest bereits. Riesige Glasfenster eröffnen Blicke – selbst aus dem großen und dem kleinen Konzertsaal des HDM – auf die benachbarte Hofburg, Landestheater, Volkskunstmuseum und die Berge.

Von außen kommt der in Glas und dunkle Keramikfassaden gekleidete Neubau recht wuchtig in diesem historischen Geviert daher. Der Vorplatz samt Begegnungszone hat noch Potenzial, den Gesamteindruck aufzulockern. Bis zur Eröffnung wird er allerdings nicht fertig.