Chronik | Österreich
28.01.2018

Salzburgs Grüne: Gute Stimmung trotz schlechter Vorzeichen

Die Parteibasis glaubt trotz Gegenwinds aus allen Richtungen an ein passables Wahlergebnis.

Eine zerrüttete Bundespartei, überschaubare Umfrageergebnisse zur bevorstehenden Landtagswahl, ständig im Kreuzfeuer des Boulevard: Man müsste sich über schlechte Stimmung bei den Salzburger Grünen trotz knapp fünfjähriger Regierungsbeteiligung nicht wundern. Zumindest an der Parteibasis war bei der Landesversammlung am Samstag nichts von Resignation oder Aussichtslosigkeit zu spüren.

Im Gegenteil. Es herrscht so etwas wie Aufbruchstimmung. Wenigstens unter jenen rund 130 Delegierten, die den Weg nach Salzburg auf sich genommen haben, um die Listenplätze für die Landtagswahl zu vergeben. Die Hoffnung auf ein passables Abschneiden am 22. April ist intakt. Optimistisch stimmt wohl auch die neue Partei-Jugend, die am Samstag offiziell bestätigt worden ist. Beinahe überschwänglich war der Applaus, als der Aufnahme-Antrag angenommen wurde. "Eine Partei lebt von ihrer Jugend", sagt Tobias Leitner. Der Student ist zuversichtlich, dass seine Partei am 22. April nicht allzu weit vom Rekordergebnis 2013 entfernt sein wird, "weil wir eine gute Regierungsarbeit gemacht haben", meint er.

Maria Obenholzner beschreibt ihre Stimmung als "extrem gut". "Weil ich unsere Spitzenkandidatin voll unterstütze", sagt die Tagesmutter aus der Stadt Salzburg. Sie sei "inzwischen fast schon ein Fan von der Astrid." Der Stil von Parteichefin Rössler komme auch bei einer breiten Bevölkerung gut an, glaubt die "Wahlkampfaktivistin", wie sie sich selbst bezeichnet. Ungeachtet der Aufregung um den Luft-80er auf der Stadtautobahn oder der 380-kV-Leitung, die Rössler nicht zu verhindern vermochte.

"Ganz anderer Umgang"

Dass das Debakel bei der Nationalratswahl den Landes-Grünen schaden könnte, denkt die Frau nicht. "In Salzburg ist ein ganz anderer Umgang im Team." 12 bis 16 Prozent hält sie für durchaus realistisch – das traut die aus grüner Sicht günstigste Wahl-Prognose der Partei zu.

Die Begeisterung für die Parteichefin teilt Obenholzner mit einer älteren Dame, die sich als Mitglied "seit Beginn an" vorstellt. Astrid Rössler sei "ein ganz besonderer Mensch", meint die Frau. Rössler kann sich jedenfalls einer breiten Unterstützung der Parteibasis sicher sein. Bereits im November ist sie als Spitzenkandidatin für die Landtagswahl bestätigt worden – 95 Prozent der Delegierten stimmten dafür. Gegenkandidaten gab es jedoch nicht.

Und so schwor die Parteispitze am Samstag geeint ihre Mitglieder auf einen Wahlkampf ein, in dem es den Grünen neben dem Machterhalt vor allem um eines geht: Schwarz-Blau im Land zu verhindern. "Am 22. April wird die ÖVP die Nummer eins in Salzburg werden", sagte Rössler unter Verweis auf die Umfragen zu ihren Unterstützern. "Schwarz-Blau oder Schwarz-Grün ist die Richtung." Eine andere Option gebe es nicht, meinte Rössler. Für Landesgeschäftsführer Rudi Hemetsberger geht es nicht zuletzt darum, "ob auch hier bald die Narbengesichter der Burschenschafter in die Regierungsbüros einziehen werden."

Die Partei wird aber wohl auch andere Wahlmotive offensiv anbieten müssen, wenn sie abseits ihres Kernklientels mobilisieren will. "Wir Grünen sind die einzige Partei, die garantiert, dass es mit ihr keine Freiheitlichen in der Regierung gibt", war schon die Hauptdevise von Ulrike Lunacek vor der Nationalratswahl. Der Ausgang ist bekannt.