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380-kV-Leitung
08/04/2016

Salzburg: Tourismus hofft noch auf Erdkabel

Gutachten, das negative Folgen des Projekts vorhersagt, könnte in der UVP nun doch noch berücksichtigt werden.

von Thomas Sendlhofer

Der geplante Bau der 380-kV- Leitung von Elixhausen zum Netzknoten Tauern regt in Salzburg seit Jahren auf. Die Debatte ist nun wieder um eine Episode reicher: Das Bundesverwaltungsgericht (BVwG) hat Ende Juli Gutachter Richard Schmidjell recht gegeben. Er hatte seine Abberufung wegen Befangenheit durch das Land Salzburg Ende 2014 beeinsprucht – von einem "Bumerang für das Land" berichteten die Salzburger Nachrichten.

Nach dem Urteil des BVwG regt sich bei Befürwortern einer Teilverkabelung – das teilweise Verlegen der Leitungen unter die Erde – neue Hoffnung. Auch im Tourismus, dem Schmidjell negative Auswirkungen durch den Leitungsbau prognostizierte. Für das Gutachten hatte Schmidjell sechs Fremdenverkehrsbetriebe und elf Touristiker befragt. "Ich habe darin festgestellt, dass es sechs Gebiete entlang der Trasse gibt, die vom Bau der 380-kV-Leitung besonders beeinträchtigt würden". Alternativen seien in den betroffenen Gebieten demnach entweder eine Trassenverlegung oder eine Teilverkabelung.

Landschaftsbild gestört

Schmidjell befragte dazu unter anderem Leo Bauernberger, Geschäftsführer der Salzburger Land Tourismusgesellschaft. Er habe damals Bedenken geäußert, sagt Bauernberger. "Mein Vorschlag war, in ganz sensiblen Bereichen technische Lösungen anzudenken, die hohe Masten vermeidet. Etwa im Falle der Kammlage am Hochglockner oder beim Nocksteinrücken", sagt Bauernberger. "Wir werben mit unberührter Natur und Kulturlandschaft – solche Bauten in der Natur bedeuten eine Einschränkung. Der Gast will hohe Strommasten genauso wenig sehen wie Windräder", meint der Touristiker. "Das steht dann da ja nicht für zwei Jahre, sondern für Jahrzehnte und Generationen."

In den Flachgauer Gemeinden, deren Naherholungsgebiete vom Leitungsbau betroffen wären, fasst man das Urteil positiv auf. Johann Strasser, Bürgermeister von Eugendorf, hofft wie sein Amtskollege Rupert Reischl aus Koppl (beide ÖVP), dass das Gutachten nun in die zweite Instanz der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) am BVwG einfließt. "Ich werde so lange als Bürgermeister kandidieren, bis das Kabel unter der Erde ist", sagt Strasser.

Ergebnis überraschte

Das Ergebnis des besagten Gutachtens hatte Ende 2014 überrascht. Schmidjell war nämlich kurz vor der Fertigstellung abberufen worden, weil ihm mögliche Befangenheit vorgeworfen worden war: Der Naturschutzbund habe Druck auf die für das UVP-Verfahren zuständige Umweltreferentin Astrid Rössler (Grüne) ausgeübt, weil er in der Wirtschaftskammer Salzburg tätig war und ein Ergebnis zulasten des Umweltschutzes zu erwarten gewesen wäre, sagt Schmidjell heute. Er wünsche sich, dass sein Papier demnächst veröffentlicht und dem BVwG für das UVP-Verfahren vorgelegt werde.

Das Land muss nun das nie gezahlte Honorar in Höhe von rund 65.000 Euro binnen zwei Wochen an Schmidjell überweisen.

Touristiker haben einen Maulkorb bekommen

KURIER: Welche Auswirkungen erwarten Sie durch das nun erfolgte Urteil auf den Kampf gegen den Freileitungsbau?
Hans Kutil: Ich würde sagen, die Chancen, dass die 380-kV-Leitung in der eingereichten Form nicht kommt, stehen gut. Offenbar sind die Bedenken des Tourismus nun doch größer als gedacht. Ich habe mich immer gewundert, dass die Touristiker bis hinauf zum Landeshauptmann nie lauter aufgeschrien haben. Durch die Leitung werden die schönsten Landschaften massiv beeinträchtigt.

Wie erklären Sie sich das?
Ich habe zu hören bekommen, dass sie vom Landeshauptmann als obersten Touristiker einen Maulkorb verpasst bekommen haben.

Hätte das Gutachten nicht schon in der ersten Instanz der UVP berücksichtigt werden können? Der Gutachter wirft Ihnen vor, Sie hätten seine Abberufung erst angestoßen.
Wir haben eine Befangenheit vermutet und das geäußert. Im Genehmigungsbescheid steht aber eindeutig, dass Herr Schmidjell von Amtswegen enthoben wurde und der Naturschutzbund damit nichts zu tun hatte. Seine Behauptung ist falsch.
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