Salzburg: Kulturmetropole will nicht Hauptstadt werden

Festspielnächte am Kapitelplatz: Im Sommer ist Salzburg Zentrum der Hochkultur © Bild: Siemens AG

Die Mehrheit im Gemeinderat ist gegen eine Bewerbung als "Kulturhauptstadt Europas".

Der Titel "Kulturhauptstadt Europas" bringt für den Ausrichter neben Prestige viel Aufmerksamkeit. Ein ganzes Jahr lang können sich dabei zwei Städte öffentlich in Szene setzen. 2024 ist nach Graz 2003 und Linz 2009 wieder eine österreichische Stadt an der Reihe. Neben St. Pölten haben bisher die Region Rheintal (mit Dornbirn, Feldkirch und Hohenems), Bad Ischl mit der Region Salzkammergut sowie die Region Obersteiermark West (mit Judenburg und Murau) ihr Interesse bekundet.

In der Stadt Salzburg hingegen dürfte eine Bewerbung nach der Gemeinderatssitzung am Mittwoch endgültig vom Tisch sein. Die grüne Bürgerliste, die eine Bewerbung befürwortetet, hat das Thema noch einmal auf die Tagesordnung gebracht. "Wir wollen eine Klärung, ob sich die Stadt bewerben will oder nicht", sagt Bürgerlisten-Klubobmann Helmut Hüttinger.

Zug "abgefahren"

Eine politische Mehrheit für eine Bewerbung zeichnet sich aber nicht ab: SPÖ und ÖVP (sie halten 23 der 40 Mandate) haben sich bereits im Vorfeld dagegen ausgesprochen. "Aus dem Selbstverständnis der Stadt Salzburg heraus als international bekannte Kulturstadt haben wir das nicht nötig", meint Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP). Und für seinen Vize, den für Kultur zuständigen Bernhard Auinger (SPÖ), ist der Zug "für dieses Mal abgefahren". Es sei bis zur Einreichfrist Ende Dezember "unmöglich, dass man eine professionelle Bewerbung hinbringt".

Tomas Friedmann, der das Personenkomitee Salzburg 2024 ins Leben gerufen hat, sieht eine große Chance vertan. Er spricht von "grandioser Selbstüberschätzung" und "Selbstzufriedenheit, weil das Geschäft gut läuft". Er hätte sich gerade für die Altstadt im Falle eines Zuschlags einen Schritt in die Moderne zugunsten der jungen Kreativszene erwartetet, abseits von Festspielen, Mozart und "Sound of Music" .

"Leuchtturm-Projekt"

Der Bürgermeister lässt sich davon nicht beeindrucken. "Wir haben ein Leuchtturm-Projekt für die freie Kulturszene in der Pipeline", sagt Harald Preuner unter Verweis auf das Gelände der früheren Rauchmühle in Lehen. Dort will die Stadt mehrere Millionen in ein Wohnprojekt stecken. Im Zuge dessen sollen auch Räume für Vereine, Kunst und Kultur geschaffen werden.

Bis zum 31. Dezember bleibt noch Zeit, sich als „Kulturhauptstadt Europas“ zu bewerben. Die Entscheidung trifft eine Jury der EU im Dezember 2019. Formell beworben hat sich von den genannten österreichischen Interessenten bisher noch niemand. Bis dato gebe es „keine offiziellen Bewerbungen“, heißt es auf Anfrage aus dem Bundeskanzleramt.

( kurier.at ) Erstellt am 06.02.2018