Chronik | Österreich
29.09.2018

Salzburg: Frühstart in die Stille Nacht

Zum Jubiläum versucht sich Salzburg an einer unkitschigen Ausstellung zum Weihnachtslied

Weihnachten beginnt heuer früher, zumindest in Salzburg. An diesem Wochenende startet die Landesausstellung „200 Jahre Stille Nacht! Heilige Nacht!“ Die Macher sind sich der Sensibilität und Overkill-Gefahr des Themas aber bewusst. Schließlich steht das weltberühmte Weihnachtslied im Zentrum der Ausstellung.

Anlass ist das 200-Jahr-Jubiläum der Erstaufführung am 24. Dezember 1818 in Oberndorf bei Salzburg. Zumindest am Eröffnungswochenende soll das Lied an allen neun Standorten kein einziges Mal zu hören sein. Die Ausstellung startet mit zwei Tagen der offenen Tür, am ersten Wochenende ist der Eintritt in allen Museen frei, danach kostet das Ticket für alle neun Standorte 18 Euro. In den jeweiligen Museen gibt es auch Einzeltickets.

Stille Ausstellung

Auch Landeshauptmann Wilfried Haslauer, dem die Landesausstellung zum Lied ein besonderes Anliegen war, legt Wert darauf, dass es mit der Weihnachtseuphorie nicht übertrieben wird. „Es wird respektvoll mit dem Lied umgegangen, das Thema wird nicht verkitscht“, sagt er.

Das Salzburg Museum, das sich als Teil der Ausstellung an einem zeitgemäßen Zugang zu der Thematik versucht, verzichtet sogar weitgehend auf den maßgeblichen Inhalt. „Wir haben uns gefragt, wie man mit dem Lied verantwortungsvoll umgeht und uns bewusst für eine stille Ausstellung entschieden“, sagt Direktor Martin Hochleitner. Insgesamt hofft Paul Estrela, Geschäftsführer der Landesausstellung, auf 50.000 Besucher.

Touristischer Impuls

Haslauer hofft durch die Schau auf einen touristischen Impuls. „Es wurden kulturtouristische Impulse gesetzt, die lange nachwirken werden und weit über das Ende der Landesausstellung bestehen bleiben“, sagt er. Sie sei ein „enormer Innovationsschub für Salzburgs Museumslandschaft“.

Im Vorfeld der Ausstellung seien die Museen in den Stille-Nacht-Orten Oberndorf, Hallein, Wagrain und Mariapfarr neu gestaltet und in Hintersee eine Kapelle samt Themenweg geschaffen worden, sagt Haslauer.

Zur Ausstellung gibt es auch ein Buch. „Stille Nacht. Das Buch zum Lied“ versammelt 31 Autorinnen und Autoren, die sich mit den verschiedensten Gesichtspunkten zu dem Lied, seiner Botschaft und seiner Vermarktung auseinandersetzen.

Die Ausstellung läuft bis 3. Februar. Weihnachten endet in Salzburg diesmal auch später.

Alle Jahre wieder: Lebkuchen seit August im Handel

Auch abseits der Ausstellung „200 Jahre Stille Nacht! Heilige Nacht!“  ist Salzburg ein guter Boden für Weihnachten. Ganzjährig. Denn in der Altstadt gibt es zwei Geschäfte, die durchgehend auf das Thema Weihnachten und Ostern setzen. Die beiden Geschäfte liegen in der Fußgängerzone direkt gegenüber voneinander und setzen vor allem auf englischsprachige Kundschaft. „Christmas in Salzburg“ heißt das eine, „Christmas & Easter Store“ das andere. In beiden gibt es vor allem Ostereier und Christbaumkugeln.


 „Einheimische kaufen genauso ein“, sagt Geschäftsführerin Margit Lebeda vom „Christmas & Easter Store“. Mit Kunden aus den tourismusintensiven Gebirgsregionen macht Lebeda schon lange vor dem Fest gute Geschäfte. „Wenn der Schnee kommt, sind sie selbst im Stress“, erklärt Lebeda.


Weihnachtsartikel lange vor dem Fest gibt es aber nicht nur in Spezialgeschäften. Diverse Lebkuchen sind jetzt schon bei praktisch allen Handelsketten erhältlich. Bei den Marken der Rewe-Gruppe seit Ende August, wie Sprecher Paul Pöttschacher erklärt. Die Nachfrage bestimmt in diesem Fall das Angebot. „Natürlich kaufen es die Leute schon ein, sonst würden wir es nicht machen“, meint Pöttschacher und schränkt ein: „Es hängt natürlich immer von der Witterung ab. Im Oktober wird der Lebkuchen aber sehr viel und gerne gekauft.“ Kälteeinbrüche sorgen für besondere Nachfrage. Wahrnehmungen, dass die Weihnachtssaison immer früher beginnt, kann Pöttschacher nicht bestätigen. „Wir hatten in den letzten Jahren keine Verschiebung.“