Vor den Lokalen am Rudolfskai tummeln sich am Wochenende oft Hunderte Jugendliche. Es herrscht ein öffentliches Alkoholverbot, der Abschnitt wird videoüberwacht.

© KURIER/Walter Schweinöster

Reportage
11/02/2014

Rudolfskai: "Grundlos eine Gerade ins Gesicht"

Halloween auf Salzburgs berüchtigter Lokalmeile: Der KURIER hat die Polizei beim Einsatz begleitet.

von Raffaela Lindorfer

Mau blutet aus der Nase, und er ist stinksauer. Sein Freund Alexander wollte vor einem Lokal am Rudolfskai gerade in sein Clownskostüm schlüpfen und bat einen Passanten, seine Jacke zu halten. "Und schon gibt ihm der eine Gerade ins Gesicht. Einfach so, ohne Grund", erzählt er. Kurz darauf bekam der 17-Jährige selbst einen Kopfstoß. Er glaubt, dass sein Vorderzahn wackelt. "Das ist Alltag am Rudolfskai", behauptet Alexander. "Wer hier öfter fortgeht, bekommt früher oder später eine aufgelegt." Sie fahren mit der Rettung ins Spital. Für die beiden ist die Halloween-Nacht gegen 1 Uhr gelaufen.

Für Christoph Gummer und seine Kollegen von der Polizeiinspektion Rathaus in Salzburg noch lange nicht. Die Lokalmeile am Rudolfskai ist ihr Revier – ein 150 Meter langer Spielplatz für Nachtschwärmer, Halbstarke und Volltrunkene.

152 Anzeigen

Der Kai steht in dem Ruf, ein Brennpunkt für nächtliche Gewalt zu sein, landet immer wieder in den Schlagzeilen. So gab es vor einigen Wochen eine Rauferei mit bis zu 15 Beteiligten, wo ein Türsteher von einem Gast mit einem zerbrochenen Glas attackiert wurde. Bis September verzeichnet die Stadtpolizei alleine in diesem Bereich 152 Anzeigen. Die Zahlen seien seit Jahren etwa gleichbleibend. Im selben Zeitraum 2013 waren es 154. Herausgestochen seien nur die Jahre 2006 bis 2008, sagt Polizeisprecherin Eva Wenzl.

Rückblick: Ab 2005 nahmen die Zwischenfälle derart überhand, dass die Stadtpolizei ein Maßnahmenpaket schnürte. Dazu gehörte eine Videoüberwachung, ein nächtliches Alkoholverbot zwischen Staatsbrücke und Mozartsteg, weiters wurde die "SOKO Rudolfskai" gegründet.

Wenzl, die damals noch im Streifendienst beschäftigt war, erzählt: "Es herrschte eine Null-Toleranz-Politik. Für jede Anstandsverletzung – sei es lautes Geschrei auf der Straße, aggressives Verhalten oder öffentliches Urinieren – gab es sofort eine Verwaltungsstrafe. Das Paket hat mit der Zeit Wirkung gezeigt." Die Aufklärungsrate sei in der Tendenz steigend. Eine große Hilfe dabei seien die Videokameras. In der Landespolizeidirektion sitzt ein Beamter vor den Live-Bildern. Kommt ihm ein Zwischenfall vor die Linse, alarmiert er die Streife vor Ort.

Im Fall des Kopfstoß-Opfers nahmen die Kameras ein verwertbares Foto des Täters auf, eine Sofortfahndung wurde eingeleitet.

"Street Buddys"

Während sich zwei Beamte auf die Suche nach dem Angreifer machen, marschiert Einsatzleiter Gummer mit einem Kollegen weiter am Rudolfskai entlang. Hunderte Jugendliche tummeln sich vor den Lokalen und auf der anderen Straßenseite am Salzachufer.

"Ist das ein Halloween-Kostüm oder seid ihr echte Polizisten?", will ein sichtlich betrunkener junger Mann von den Beamten wissen. "Darf ich ein Selfie mit euch machen?", fragt ein anderer. Gummer nimmt’s mit Humor. "Zu viel Polizeipräsenz und Strenge würden als Provokation wahrgenommen werden. Es ist eine Gratwanderung. Wir versuchen, gut miteinander auszukommen, greifen aber auch durch, wenn eine Grenze überschritten wird", erklärt er. Und nein, für Selfies stehe er nicht zur Verfügung.

Wesentlich kontaktfreudiger sind da schon die "Street Buddys" – im Salzburger Nachtleben eine Institution. Was sie tun, fällt unter den Begriff "aufsuchende Sozialarbeit". Sie verteilen Taschentücher und Wasserflaschen, wenn jemand ein unerfreuliches Wiedersehen mit seinen Bargetränken hatte, Flipflops, wenn die Füße in den Highheels schmerzen, und sie klauben die Damen vom Asphalt auf, damit sie sich keine Blasenentzündung holen.

"Ich habe selbst einen Sohn in dem Alter. Als er mir erzählt hat, was hier los ist, wollte ich einfach helfen", sagt Chef-Buddy Glenn Chapman. Mit seinen ehrenamtlichen Helfern in den auffälligen blauen Jacken ist er jedes Wochenende auf der Straße im Einsatz.

Gegen 4 Uhr Früh wird es ruhig am Kai. Die Lokale sperren zu, auf der Straße kommt es zu einem letzten Aufbegehren der Nachtschwärmer. Die Bilanz der Halloween-Nacht: Zwei Opfer mit Gesichtsverletzungen – das waren Mau und Alexander – und ein weiteres Kopfstoß-Opfer gegen 5 Uhr Früh.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.