36 Jahre lang lief Rendezvous mit Tier und Mensch, 12 Mal im Jahr, das ist einsamer Fernseh-Rekord und ORF-Kult

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Otto Koenig
01/22/2014

Rendezvous mit dem Tierprofessor

Zu seinem 100er erinnert eine neue Biografie an den fast vergessenen Wiener Verhaltensforscher. Sie gewährt Einblicke in die Persönlichkeit eines innovativen, aber auch schwierigen Menschens.

von Martin Burger

Lange vor Universum und Terra Mater lief im Fernsehen Rendezvous mit Tier und Mensch. 36 Jahre lang, ab 1956, war diese Tiersendung eine Institution in der Fernsehlandschaft. Für Generationen war der Präsentator, der Verhaltensforscher Otto Koenig, „der Tierprofessor vom Wilhelminenberg“. Das ist auch der Untertitel der kürzlich erschienenen Biografie zum 100. Geburtstag des Forschers 2014. „Er wird immer noch unterschätzt“, sagt der Autor, Leopold Lukschanderl.

Lukschanderl war von 1966 bis 1970 Tierpfleger am Wilhelminenberg. Sein Chef, den alle mit „Herr Koenig“ anzusprechen hatten, war kein einfacher, aber ein inspirierender Anführer, erinnert sich der Wissenschaftsjournalist.

Koenigs Karriere zerfällt in drei Teile: Naturfotograf am Neusiedler See vor dem Krieg; Verhaltensforscher mit eigener „Biologischer Station“ in Wien danach; zuletzt umstrittener Naturschützer, der sich wegen seiner Befürwortung des Kraftwerks Hainburg mit der gesamten biologischen Society sowie seinem Lehrer Konrad Lorenz überwarf (siehe unten).

Der Wilde

Otto Martin Lothar Koenig, Jahrgang 1914, brach die Schule ab. Ein Lehrer schrieb an den Vater von Ottos „schrankenloser Wildheit“. Wenn sich Koenig später gegenüber Besuchern im TV-Studio als Naturbursch zeigte, der aus der hohlen Hand Wasser aus dem Aquarium schlürfte und lebende Mehlwürmer verspeiste, tat er das nicht nur, um anzugeben, es war Teil seines Wesens. Seine Leidenschaft für das „Draußensein“, zeigte sich schon früh. In den 30er-Jahren musste er, um im Schilfgürtel des Neusiedler Sees campieren und fotografieren zu können, die Strecke von Schwechat, wo die Wiener Straßenbahn endete, zum See zu Fuß gehen. 1939 brachte er seine Beobachtungen über Löffler- und Silberreiherkolonien im Dickicht des Rohrwaldes zu Papier („Wunderland der wilden Vögel“).

Die Station

Er könne, sagte Konrad Lorenz einmal vor dem Krieg zu Koenig, mit der Verhaltensforschung ein ganzes Institut füllen. Koenig nahm diese Idee begeistert auf und beschloss insgeheim, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Als er aus der russischen Gefangenschaft nach Wien zurückkehrte, zeigte ihm seine Frau Lilli ein Grundstück am Wiener Stadtrand. Auf dem Areal standen heruntergekommene Baracken, in denen die Bedienmannschaft der Flak am Wilhelminenberg (Flugabwehrkanone) gehaust hatte. Hier bauten die Koenigs ihre Biologische Station. Der Zoologe Eberhard Trumler erinnert sich: „Das Erste, das ich für die Verhaltensforschung in Österreich tun durfte, war das Geradeklopfen verrosteter Nägel.“ Trumler gehörte zum frühen Mitarbeiterkreis Koenigs wie auch Wolfgang Schleidt – später selbst Direktor am Wilhelminenberg – und Irenäus Eibl-Eibesfeldt. Schleidt und Trumler verließen Koenig Ende der 1940er-Jahre, um für Koenigs Lehrer Konrad Lorenz zu arbeiten.

Der Tieronkel

In Erinnerung bleibt Koenig durch seine Sendung. Die Menschen brachten Großtrappen-Eier auf den Wilhelminenberg oder warfen Schachteln mit Meerschweinchen über den Zaun. Seine monatliche Sendung drängte den Forscher Koenig in den Hintergrund. In einem Kronen Zeitung-Interview (3. 12. 1973) ärgerte er sich darüber, „hierzulande gelten wir als Tierraritätenkabinett, das durch das Fernsehen populär geworden ist“.

Koenig, der von Trachten fasziniert war, trat im olivgrauen Institutshemd auf, mit Reiher-Emblem und den Aufnähern „Biologische Station Wilhelminenberg“, „Akademie-Institut Wilhelminenberg“ und „Forschungsgemeinschaft Wilhelminenberg“. Live auf Sendung gab er den Kulturpessimisten, der vorhersagte, dass „wir das Jahr 2000 nicht erleben werden“. Seine Begründung ist allerdings nach wie vor gültig: „Keine Tierart auf der Welt hat sich bisher selbst so zerstört, wie wir Menschen es tun“.

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