Chronik | Österreich
31.03.2017

Rekord: 5,2 Millionen Schnellfahrer bestraft

Plus 30 Prozent seit 2009. Zahl der erwischten Drängler hat sich in einem Jahr verdoppelt.

Mehr Schnellfahrer, mehr drängelnde Autolenker, die dicht auf den Vordermann auffahren sowie ein Plus bei Alkohol und Drogen am Steuer. Die druckfrische Verkehrsüberwachungsbilanz 2016 des Innenministeriums, die dem KURIER vorliegt, stellt den heimischen Autofahrern kein gutes Zeugnis aus.

5.179.485 Lenker erhielten im Vorjahr eine Strafe wegen Schnellfahrens. Dabei wurde erstmals die Fünf-Millionen-Grenze durchbrochen. Und damit hat durchschnittlich jeder Führerscheinbesitzer mindestens einmal für eine Tempoüberschreitung bezahlen müssen – wobei es die größten Steigerungen im Niederösterreich, Burgenland, in Wien und Salzburg gab. Die Zunahme ist (mit leichten Schwankungen) kontinuierlich; im Jahr 2009 wurde erstmals die Vier-Millionen-Grenze überschritten.

Die ausländischen Lenker kann man dafür jedenfalls nicht zur Verantwortung ziehen, denn viele Studien haben belegt, dass sich die Zahl der in Österreich erwischten Ausländer und die Strafen von Österreichern im Ausland die Waage halten. Einen Teil machen aber neue Geräte aus: eine weitere Section-Control wurde angeschafft, zwölf neue Radarboxen montiert.

Mehr Drängler

Doch nicht nur Schnellfahren, vor allem dichtes Auffahren wird zu einem immer größeren Problem: Die Zahl der erwischten Drängler hat sich im Vorjahr von rund 47.000 auf 86.000 beinahe verdoppelt – auch dies bedeutet Rekord. Dabei werden nur jene Strafen gerechnet, die per Abstandsmessgerät festgestellt wurden. "Dieser Überwachungsbereich ist von großer Bedeutung, da rücksichtslose Raser und Drängler die große Mehrheit der verantwortungsbewussten Verkehrsteilnehmer gefährden", schreibt Otmar Bruckner, oberster Statistiker im Innenministerium, in dem Papier.

Erstmals seit 2011 stieg die Zahl der erwischten Alkolenker (bei nur marginal zunehmender Kontrolltätigkeit). 27.896 Auto- und Motorradfahrer überschritten die 0,5-Promille-Grenze beziehungsweise Fahrer von Bussen oder Lkw die 0,0-Grenze. Das ist eine Zunahme um rund sechs Prozent. Nicht nur beim Alkohol, auch bei den Drogenlenkern gibt es eine Steigerung: 1491 Personen mit Rauschgiftbeeinträchtigung wurden gestoppt, das entspricht einer Zunahme von 40 Prozent.

Drogen im Visier

Dieser Wert wird heuer noch weit mehr ansteigen, denn die Polizei hat seit Monatsbeginn neue Geräte für Drogen-Kontrollen im Einsatz, eine Art Haschomat. Erste Erfahrungen in Oberösterreich zeigen hervorragende Ergebnisse; in Wien werden die Apparate erst in den kommenden Tagen erstmals ausprobiert.

Innenminister Wolfgang Sobotka hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, in puncto Drogenkriminalität eine Nulltoleranz-Strategie verfolgen zu wollen: "Wir sehen eine Entwicklung hin zu mehr Drogenkonsum bei Autolenkern und werden daher umfassend entgegenwirken. Ein dichtes Kontrollnetz, neue Technologie und gezielte Sensibilisierung bei Schulungen sollen sicherstellen, dass wir Drogenlenker zum Schutz der Bevölkerung aus dem Verkehr ziehen", so der Innenminister zum KURIER.

Rückgänge gab es in der Bilanz nur bei den Gurtenmuffeln (knapp unter 100.000, minus 3,2 Prozent) sowie bei den Handytelefonieren, die auf 105.600 um 4,7 Prozent leicht zurückgingen.