95 falsche Achsen montiert

ÖBB FÄHRT NUN AUCH AUF DER SÜDBAHN MIT RAILJET
Foto: APA/ERICH NÄHRER/ÖBB Zumindest 13 ÖBB-Railjets hätten niemals 230 km/h fahren dürfen – dennoch fiel der Fehler rund eineinhalb Jahre lang niemandem auf.<span> </span>

ÖBB geben erstmals Fehler zu / Bei interner Sicherheitsüberprüfung übersehen?

Über 18 Monate lang wurden in den Hochgeschwindigkeitszügen der ÖBB nicht für Tempo 230 zugelassene Achsen eingebaut. Insgesamt 95 Stück dieser falschen Bauteile sind in dieser Zeit montiert worden. Nach Erscheinen des KURIER-Berichts über diese Sicherheitspanne gaben die ÖBB nun erstmals einen "Formalfehler" zu. "Unsere Techniker sind aber davon ausgegangen, dass ein Einbau der baugleichen Achsen zulässig ist", erklärte Sprecherin Sonja Horner. Aufgefallen war alles bei einer Routinekontrolle am 5. November in der Werkstatt in Wien-Simmering.

Andere Stahlgüte

Die ÖBB präsentierten ein Papier des emeritierten Professors Klaus Riessberger von der TU Graz. Obwohl von der Eisenbahnbehörde das Tempo für die betroffenen Garnituren auf maximal 200 km/h gedrosselt wurde, hätten die eigentlich für Doppelstockwaggons gebauten, billigeren Achsen demnach keine Verringerung der Sicherheit der Radsätze gebracht. Es handelt sich aber offenbar nicht um ein volles Gutachten, sondern um einen zweiseitigen Brief. Darin heißt es, dass die 95 eingebauten Dosto-Achsen größere Fehler zulassen und andere Stahlgüten als bei Railjets aufweisen.

Verkehrsminister Alois Stöger, dessen Eisenbahnbehörde sofort hart durchgriff und bei den ÖBB dringend Maßnahmen einforderte, sah in einem ORF-Interview jedenfalls einen "nicht akzeptablen Zustand".

Ähnlich formulierte es der grüne Verkehrssprecher Georg Willi. Er verwies auf das Eisenbahngesetz, wonach am 30. Juni ein Sicherheitsbericht von den ÖBB vorgelegt werden muss. Darin müssen "Ergebnisse interner Sicherheitsüberprüfungen" bekannt gegeben werden. Willi zum KURIER: "Die Frage ist: Warum wurden solche relativ einfachen Mängel dabei nicht aufgedeckt?"

Der Austausch läuft jedenfalls bereits, noch sind fünf Railjets mit den falschen Achsen unterwegs. Der Austausch soll kommende Woche abgeschlossen sein.

Am Donnerstag stand im Parlament auch eine Novellierung des Eisenbahnsicherheits-Gesetzes auf dem Plan. Künftig muss die Behörde prüfen, ob ihre Sicherheitsempfehlungen auch tatsächlich umgesetzt werden.

(kurier) Erstellt am
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