© REUTERS/Toru Hanai

Chronik Österreich
01/10/2022

Prozess: Sagenhafter Goldschatz war nichts wert

Ein Arzt nahm Kredite auf und besicherte sie mit Goldbarren. Dass die gar nicht echt waren, fiel nicht auf. Jetzt hat der 66-Jährige eine Anklage wegen Betrugs am Hals

von Michaela Reibenwein

Der Schatz ist legendär: Sukarno, der erste indonesische Präsident (1901-1970), soll unendliche Reichtümer besessen haben. Über Tonnen von Gold wird berichtet. Ein Großteil davon soll sich in einem Schweizer Golddepot befinden. „Es ist das größte Golddepot, das es überhaupt gibt“, erklärt der 66-jährige Angeklagte am Montag im Landesgericht für Strafsachen in Wien. Und ausgerechnet er, der Arzt aus Libyen, soll Goldbarren des geheimnisvollen Schatzes besessen haben.

Der Staatsanwalt erzählt eine andere Geschichte – und zwar die eines mutmaßlich gewerbsmäßigen Betruges. Zum einen soll der Arzt Rechnungen eines Wiener Nobelhotels in sechsstelliger Höhe nicht bezahlt haben. Weiters soll er Privatleuten große Gewinne mit Goldgeschäften in Aussicht gestellt haben – die allerdings nicht eintraten und Geld kosteten (Spesen wurden vorab fällig) bzw. ließ er durch Dritte Kredite in einer kleinen Bank in NÖ aufnehmen. Als Besicherung präsentierte er die Goldbarren. Doch die waren nicht echt. Der Gesamtschaden beläuft sich laut Anklage auf 1,4 Millionen Euro.

Weltreise

Die Geschichte des Beschuldigten ist eine Weltreise. Er erzählt von einflussreichen Freunden und Geschäftspartnern aus der Königsfamilie von Saudi Arabien, von Geschäften in China. Von Unternehmen und Konten in Libyen, die nach dem Tod des Machthabers Muammar al-Gadaffi plötzlich gesperrt waren. Und von seinen Beziehungen nach Indonesien, wo er ebenfalls mit Prinzen eng verbunden sein soll.

2008, so erzählt der Arzt („In meiner Familie sind alle Ärzte“), habe er einen Teil des Goldschatzes mit eigenen Augen gesehen. 175.000 Kilo seien es gewesen, die in Indonesien aufbewahrt wurden – es soll nur ein kleiner Teil des sagenhaften Goldschatzes sein. Sechs Goldbarren habe er gekauft und nach Wien einfliegen lassen. „Im normalen Gepäck. Zwei Tage war der Koffer dann sogar in Holland verschwunden“, erzählt er. Die Barren seien als Muster für Käufer gedacht gewesen, erzählt der Mann.

Doch als er in Geldnot geriet (die gesperrten Libyen-Konten), besicherte er damit zwei Kredite. Die angeblichen Echtheitszertifikate strotzen vor Rechtschreibfehlern. „Das ist Absicht“, erklärt der Angeklagte. „Das ist eine Verschlüsselung.“

Die Bank wurde trotzdem nicht misstrauisch. „Ich habe die Barren damals nicht prüfen lassen. Abgewogen habe ich sie auch nicht“, gibt der ehemalige Geschäftsleiter der Bank zu. Ein anderer Kunde hätte ihm gesagt, dass sie echt ausschauen. Das hätte ihm gereicht.

Erst als keine Kreditraten gezahlt wurden, stellte sein Nachfolger fest, dass hier kein Gold glänzte. „Das war eine ganz dumme Geschichte“, sagt der Mann.

Zwielichtige Erben

Auch der indonesische Honorarkonsul für Österreich wird in die Verhandlung als Zeuge zugeschaltet. Er erzählt vom Besuch einer Männergruppe in Indonesien, darunter der Angeklagte. Die Männer hätten sich mit angeblichen Erben des Sukarno-Goldes getroffen. „Aber ich hatte damals schon den Verdacht, dass das ein glatter Betrug ist. Diese Menschen wollten immer Geschenke und haben die Goldbesichtigung immer weiter hinausgezögert“, erinnert er sich.

Von offizieller Seite, so erzählt er außerdem, gibt es diesen Goldschatz übrigens gar nicht. „Auch wenn ich viele Personen kenne, die fest daran glauben. Aber heute wissen wir, dass das ein großer Betrug war.“

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

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