30.07.2013: Bürgerinitiative gegen Verkauf des Seegrundstücks; v. re. Josef Klinar, 60, Pensionist, früher 24 Jahre im ÖVP-Gemeindevorstand, Bernd Pucher, 50, Pensionist, Eduard Wandaller, 41, selbstständig mit Zeichenbüro, Kurt Zlanabitnig, 66, Pensionist und SPÖ-Ex-Vizebgm. von Millstatt

© Brigitta Luchscheider

Millstatt
08/04/2013

Protest gegen Seegrund-Verkauf

Bürgerinitiative will Volksentscheid. Neuestes Projekt ist ein Chalet-Dorf mit 500 Betten.

von Brigitta Luchscheider

Wir wollen einen Volksentscheid“, gibt sich die Bürgerinitiative gegen den Verkauf von Seegrundstücken der Gemeinde in Millstatt kämpferisch: Bernd Pucher, Josef Klinar, Kurt Zlanabitnig und Eduard Wandaller wollen auch einen rund 1300 m² Grund direkt am Millstätter See in Pesenthein für die Öffentlichkeit erhalten wissen: „Sonst entstehen durch die Hintertür Zweitwohnsitze.“

„Es gibt einen Gemeinderatsbeschluss gegen Zweitwohnsitze“, kontert Millstatts Bürgermeister Josef Pleikner, ÖVP. Das nunmehr umkämpfte Ufergrundstück sei das Areal einer ehemaligen Bootsvermietung: „Es liegt derzeit brach.“ Bei einem Lokalaugenschein begegnete der KURIER dort jedoch unter anderem einer holländischen Familie, die einen Verkauf bedauern würden: „Dann kann man hier nicht mehr baden.“

Mit dem Verkaufserlös – Pleikner rechnet mit 2500 Euro pro m² – könnte sich die Gemeinde ihrer Schulden entledigen. Die Strandbäder Millstatt und Dellach seien vom Verkauf nicht betroffen.

Die Marktgemeinde besitzt in Summe 2,9 Hektar Fläche am Millstätter See sowie einen fünf Hektar großen Campingplatz, durch eine Straße vom Ufer getrennt. Der Campingplatz stünde laut Pleikner nur dann zum Verkauf, wenn er touristisch genutzt würde. Und jetzt hat sich eine Unternehmerfamilie aus Flachau, Salzburg, interessiert gezeigt.

„Es geht um ein Chalet-Dorf mit 500 Betten und 50 Arbeitsplätzen“, bestätigt der Bürgermeister. Eine Gemeindeabordnung hatte sich den Betrieb in Flachau am Donnerstagabend angesehen. „Das könnte ein Thema für den Millstätter See sein.“

Vier Millionen

Aus dem Verkauf des Campingplatzes erhofft sich Pleikner vier Millionen Euro für die Gemeindekassa und überlegt außerdem: „Wenn dann die neuen Betreiber einen Seezugang haben wollen, können sie das besagte Grundstück in Pesenthein ja mieten, dann braucht die Gemeinde nicht verkaufen.“ Aber jetzt sei einmal der Gemeinderat am Zug: „Wir werden sehen, was da beschlossen wird.“

Auch bei dieser Variante wäre der öffentliche Zugang zum See in diesem Bereich gekappt. „Wir wollen kein zweiter Wörthersee werden, wo schon alles in Privatbesitz ist“, wettert Kurt Zlanabitnig von der Bürgerinitiative und SPÖ-Ex-Bürgermeister von Millstatt.

Denn darüber wird in der Bevölkerung an Kärntens Seen immer mehr gemurrt: Öffentliche Seezugänge und damit ein Gut der Allgemeinheit würden immer rarer, Gemeinden verscherbelten mit Seegrundstücken ihren letzten Besitz, um Schulden zu reduzieren.

Privatbesitz

Wilhelm Wadl, Leiter des Kärntner Landesarchivs, rückt dieses Bild etwas zurecht: „Früher waren Seegründe allgemein in Privatbesitz. Erst in den 1860er-Jahren begannen Städter, diese Mooswiesen aufzukaufen. Öffentlicher Besitz an Seen durch Gemeinden sind eher eine Seltenheit, die Anrainerflächen waren immer in Privatbesitz.“

Die Eröffnung des Klagenfurter Strandbades im Jahr 1924 war ein Meilenstein: „Dafür wurden Gründe angekauft, denn davor reichte die Landeshauptstadt nicht einmal bis zum Wörthersee.“

Öffentlicher Besitz an Seen eher dünn gesät

Ein Rundruf des KURIER ergab: Tatsächlich sind Seegrundstücke im Besitz von Gemeinden eher dünn gesät.

In Steindorf am Ossiacher See etwa liegen 5000 m² mit direktem Seezugang brach. VP-Gemeinderat Kurt Wolf: „Das dortige Strandbad Seewirt wurde vor etwa sechs Jahren abgerissen, das Grundstück hat die Kärntner Tourismus Holding (KTH) gekauft.“ 2000 m² daneben, aber ohne Seezugang, gehören der Gemeinde. In Bodensdorf gibt es ein Gemeindestrandbad, das jedoch privat betrieben wird. „Mehr hat die Gemeinde nicht an Seegrund-Besitz.“

Am Weißensee hat die Gemeinde vor rund fünf Jahren 1200 m² am Westufer erworben, berichtet Bürgermeister Johann Weichsler, SPÖ: „Das war eine Hotel-Liegenschaft aus einer Konkursmasse.“ Nun ist dort ein kleiner Beachvolleyballplatz und Grünland, nichts weiter. Das Strandbad ist öffentlich zugänglich, aber in privaten Händen. Das Areal werde zumindest in dieser Periode nicht verkauft, habe der Gemeinderat beschlossen, betont Weichsler: „Was ein anderer Gemeinderat macht, kann man noch nicht sagen.“

Definitiv Seegründe anzuhäufen ist Velden am Wörthersee bemüht. „Uns gehören derzeit 1030 m², die der Wasserskiklub nützt, 7400 m² sind Kurpark, weitere 4340 m² Strandpark vor dem Schloss Velden und noch ein Seeplatz mit 305 m²“, listet Amtsleiter Helmut Kusternik auf. Zudem griff Velden zu, als einige Kilometer entfernt am privaten Seisersee 9600 m² zur Disposition standen. Kusternik: „Damit haben wir nichts weiter vor. Es ist ein naturbelassenes Areal und wird von Gästen des angrenzenden Gasthauses zum wilden Baden genutzt.“

Veldens Bürgermeister Ferdinand Vouk, SPÖ, bestätigt: „Auf unseren Seegründen gibt es keine Verbauung, der öffentliche Zugang muss erhalten bleiben.“

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