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Kirche
10/31/2012

Probst Fürnsinn: "Schweinerei"

Maximilian Fürnsinn: Österreichs oberster Ordensmann kann sich verheiratete Priester gut vorstellen und hat keine Angst vor Minaretten.

von Birgit Braunrath

Der Probst des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg in Niederösterreich strahlt: Die heute zu Ende gehende Jubiläumsausstellung zur 900-Jahr-Feier des Stifts hatte mehr als 40.000 Besucher.

Maximilian Fürnsinn, der langjährige Vorsitzende der Superiorenkonferenz österreichischer Männerorden, zieht mit einer Mischung aus Bodenständigkeit, Herzlichkeit und Spiritualität Menschen aller Konfessionen an. Die Tore des Stifts öffnet er für alle, die seinem Glauben offen gegenüberstehen und die ihm ihren Glauben näherbringen wollen. Wer im Namen des Kreuzes gegen den Islam wettert, zieht sich seinen Zorn zu: Mit seiner harschen Zurechtweisung H. C. Straches landete er 2009 auf dem Cover von News.

Richtig stolz ist er aber auf etwas anderes: Als junger Mann war Österreichs oberster Mönch Niederösterreichs bester Fleischhauerlehrling: "Ich war der Beste bei der Gesellenprüfung", lacht er. Dennoch folgte er später seiner Berufung und wurde Priester.

KURIER: Sie hatten 75.000 Besucher zu diversen Jubiläumsveranstaltungen und täglich bis zu 100 Gäste beim Mittagsgebet. Wie erklären Sie sich die Hinwendung zu Klöstern, während sich viele von der Kirche abwenden?

Der heutige Mensch ist ein Suchender, auch wenn das viele gar nicht so definieren würden. Sie spüren eine große Unruhe durch die Beschleunigung, oft auch Aggression. Es ist wichtig, diesen Menschen zu vermitteln: "Du bist getragen", ihnen sanfte Antworten zu geben und sie nicht mit Heilsbotschaften zu erschlagen.

Klöster galten als verstaubt. Wie kam es zur Umkehr?

Die Klöster haben einen wichtigen Schritt hin zu den Menschen gemacht: Klosterschulen und Ordensspitäler beschäftigen viele Laien, Frauen und Männer, nehmen sie auf wirtschaftlichem und spirituellem Weg mit.

Sehen Sie bei der Amtskirche zu wenig Einbindung von Laien?

Wir müssten generell viel mehr Laien ermächtigen, Aufgaben in Pfarrgemeinden zu übernehmen. Diese Umstrukturierung wurde zu wenig intensiv betrieben, das ist ein Versäumnis.

Wie stehen Sie als Ordensmann zur Forderung nach Abschaffung des Zölibats?

Man kann nicht salopp sagen: Zölibat is wurscht. Tausende Ordensleute in dem Land haben sich bewusst dafür entschieden. Aber wenn wir den Priestermangel und das Zusammenlegen von Pfarren sehen: Warum kann man nicht bewährte Männer, die eine entsprechende Ausbildung bekommen, die verheiratet sind und sogar im Beruf bleiben, zu Priestern weihen? Die Ehe allein kann doch nicht das Hindernis sein.

Könnten mehr Ordensleute Pfarren übernehmen?

40 bis 50 Prozent aller österreichischen Pfarren werden von Ordenspriestern geleitet, 70.000 Schüler werden in Ordensschulen unterrichtet, 20 Prozent aller Spitalsbetten stehen in Ordensspitälern. Es sollen sich doch nicht immer alle so wichtig nehmen! Die Orden erhalten zu einem sehr wesentlichen Teil das kirchliche System.

Sie sind mit der islamischen Gemeinde hier in gutem Kontakt, haben deren Vertreter sogar zur Fußwaschung geladen.

Damit wollten wir auch ein Zeichen der Wiedergutmachung setzen. Als die Türken als Gastarbeiter geholt wurden, haben sie unter entsetzlichen Verhältnissen gelebt. Das haben wir längst vergessen. Natürlich bin ich innerkirchlich kritisiert worden.

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