Polizeikraft statt Polizist? "Gender-Leitfaden" sorgt für Verwirrung

Polizeikraft statt Polizist? "Gender-Leitfaden" sorgt für Verwirrung
Kärntner Landesregierung will Berufsgruppen besonders geschlechtsneutral bezeichnen und schafft damit einigen Ärger.

"Wir protestieren gegen diese Vorgangsweise auf das Schärfste", empörte sich Landwirtschaftskammerpräsident Siegfried Huber und kündigte am Mittwoch eine Resolution als Protest an:  Denn "landwirtschaftlich Beschäftigter" statt Bauer ? - Das gehe gar nicht, wehrte der oberste Kärntner Landwirt ab: Doch genau diese Bezeichnung sieht ein Leitfaden der Kärntner Landesregierung vor, der Berufsgruppen offenbar besonders geschlechtsneutral formulieren will. Das führt dann zu Bezeichnungen wie diesen: Polizeikraft statt Polizist, Besuchsperson statt Gast, Fachkraft für Gebäudemanagement statt Hausmeister, Fachkraft für Bäckerei statt Bäcker oder überbringende Person statt Bote.

Der Leitfaden wurde von SPÖ-Landesrätin Sara Schaar eingebracht, wie eine Sprecherin einen Bericht der Kronen Zeitung bestätigte. Schaar ließ am Mittwoch wissen, der interne Leitfaden "soll die Anwendung geschlechtergerechter Verwaltungssprache erleichtern, da diese komplett unterschiedlich gehandhabt wird und es auch zahlreiche Anfragen dazu gab, wie hier korrekt vorzugehen sei".

Das 71 Seiten starke Papier  wurde in der Landesregierung beschlossen, wenn auch nur mit SPÖ-Stimmen, ÖVP-Landesparteiobmann Martin Gruber war etwa bei der Abstimmung nicht dabei. Er bezeichnete  den Leitfaden für gendergerechte Sprache als sinnlos: "Da sind haarsträubende Aussagen und Verwendungen drin." Für Gruber käme dies einer "Verschlechterung der deutschen Sprache gleich", zum Teil auch einer "Verhunzung", wie der Landesrat gegenüber dem ORF sagte.

"Sprachlicher Schwachsinn"

Nicht nur die Landwirtschaftskammer stellte die  Neubezeichnungen in Frage. Die FPÖ macht den Leitfaden kommenden Dienstag zum Thema im Landtag, wie Landesparteiobmann Gernot Darmann ankündigte. "Niemand in der Bevölkerung hat Verständnis dafür, dass sich in der Landesregierung eine Politikerin mit ihren Mitarbeitern und womöglich auch mit externen Beratern mit einem solchen Schwachsinn beschäftigt."

Gerhard Köfer (Team Kärnten), Bürgermeister von Spittal an der Drau, bezeichnete das Papier als "völlige Zerstörung der deutschen Sprache". Anerkannte Begriffe und Bestimmungen sollen durch teilweise widersinnige Bezeichnungen ersetzt werden, kritisierte Köfer:  "Wem ist so etwas eingefallen und wieso schafft es solch ein sprachlicher Schwachsinn überhaupt in eine Sitzung der Landesregierung?"

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