Alev Korun

© christandl jürg

Pilotprojekt
10/28/2013

Politwirbel um Schubhaft-Zentrum

Private Sicherheitsfirma managt Gefängnisalltag. Grüne fordern vom Bund Einsicht in Verträge

von Michael Berger, Birgit Seiser

Hier werden Kernaufgaben des Staates, wie Bewachung von Häftlingen, an gewinnorientierte Unternehmen ausgelagert. Ich fordere das Innenressort auf, alle Verträge dem Parlament vorzulegen“, verlangte Alev Korun, Menschenrechtssprecherin der Grünen, vor wenigen Tagen. Kurze Antwort des Ministeriums: „Wir prüfen noch.“In der steirischen Gemeinde Vordernberg interessiert der Politwirbel wenig. Im Jänner 2014 geht in dem 1000-Seelen-Ort das Schubhaft-Zentrum in Betrieb. 200 Menschen mit negativem Asylbescheid werden dort stationiert und warten auf ihre Abschiebung. Gereizte und depressive Stimmung hinter Stacheldraht ist garantiert.

68 Millionen

Seit Wochen hagelt es Kritik: Erstmals übernimmt eine private Sicherheitsfirma das Tagesgeschäft einer Schubhaft-Einrichtung. Der Vertrag ist 68 Mio. Euro wert und läuft über 15 Jahre. Bezahlt wird Group 4 Security (G4S) von der Gemeinde. Diese bekommt die 68 Mio. vom Bund.

Doch Abstimmungsprobleme zwischen Innenressort und G4S zeigen die Sicherheitsproblematik auf. Erklärt der Global-Player G4S über Vorstand Matthias Wechner (625.000 Mitarbeiter in 120 Ländern) auf der Homepage, „Für Sicherheit und Betreuung der Angehaltenen Sorge zu tragen“, dementiert das Ministerium diesen Auftrag. Projektleiter, General Peter Scherer: „Zwangsmaßnahmen führt die Exekutive durch. “Menschenrechtsexperten wie Manfred Novak vom Ludwig-Boltzmann-Institut warnen vor „einer bedenklichen Situation“. Besorgte Anrainer sprechen von einem „Sicherheitsvakuum“. Unterstützung kommt von Brancheninsider Karl Painer: „Es gibt gute Securities – aber 90 Prozent der Leute sind schlecht ausgebildet.“ (siehe Interview unten).

Vordernbergs Ortschef Walter Hubner freut sich über den Geldsegen: „Unsere Kommunalsteuer hat sich seit Baubeginn um 70.000 Euro im Jahr verdoppelt. Und 60 Menschen finden dort einen Job.“

Private Sicherheitsleute haben das Salär einer Putzfrau

Karl Painer, 50, leitet eine Security-Firma. Der ehemalige Bankräuber berät Geldinstitute und bietet Objekt- und Personenschutz an. Für den KURIER blickt er hinter die Kulissen der Sicherheitsbranche.

KURIER: Wie sieht der Gehaltsvergleich Polizist zu Security aus?

Karl Painer: Die meisten Kollegen beziehen das Stundengehalt einer Putzfrau.

Kann bei diesem Salär seriöse Arbeit erwartet werden?

Prinzipiell schon, aber das Problem ist die schlechte Ausbildung. Anbieter, die ihre Mitarbeiter nicht gut bezahlen, stecken auch kein Geld in die Ausbildung. Ich beobachte das oft.

Wo treten die meisten Probleme auf?

Viele machen das Nebenberuflich oder sind Frühpensionisten. Die haben nicht die Kompetenz zu handeln, wenn etwas passiert. Insgesamt drei Tage Ausbildung sind der Durchschnitt.

Woran liegt es, dass die Ausbildung so schlecht ist?

Die Branche wird immer härter und jeder möchte mitnaschen. Bevor man einen Auftrag absagt, nimmt man eben irgendwen. Man zieht einfach dem Onkel eine Security-Jacke an.

Wie sind Sie in die Branche gekommen?

Ich kenne das von der anderen Seite. 1985 habe ich eine Bank überfallen und da sind mir die vielen Sicherheitsmängel aufgefallen. Mit diesem Wissen berate ich heute große Banken.

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