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Chronik Österreich
07/09/2022

Platter-Nachfolge: Anton Mattle mit 98,9 Prozent zum VP-Obmann gewählt

Die Tiroler Volkspartei versuchte, ein Zeichen der Geschlossenheit auszusenden. Das Umfeld für die Landtagswahl ist schwierig.

von Christian Willim

Nach vierzehn Jahren an der Spitze hat Tirols Landeshauptmann Günther Platter am Samstag die Volkspartei an seinen Wunschnachfolger Anton Mattle übergeben.

Bei einem Landesparteitag in Alpbach wurde der 59-jährige mit 98,9 Prozent der Delegiertenstimmen zum neuen VP-Obmann gewählt.

Schwierige Ausgangslage

Zuvor wurden die rund 800 angereisten VP-Anhänger auf einen schwierigen Landtagswahlkampf eingeschworen, in dem laut Platter das Motto sein werde: "Alle gegen die Tiroler Volkspartei".

"Es braucht heute einen enormen Rückenwind", beschwor der Landeshauptmann die Funktionäre, für Mattle zu votieren.

Die Volkspartei ist österreichweit wie auch in Tirol im Umfragetief. Am 25. September droht der ÖVP in einem ihrer Kernländer ein massiver Absturz: Von 44,3 Prozent im Jahr 2018 könnte es bei den vorgezogenen Landtagswahlen im Herbst deutlich Richtung 30 Prozent gehen.

Als Motivator versuchte sich auch der ÖVP-Bundeskanzler Karl Nehammer: "Wir brauchen die Zuversicht wieder."

Auf den ersten Blick wirkten die vornehmlich in Shuttle-Bussen aus allen Bezirken herangekarrten Funktionäre durchaus positiv gestimmt. Im direkten Gespräch war jedoch zu hören: "Einfach wird das nicht, es ist schon sehr unruhig."

Auch der Alpbacher Bürgermeister Markus Bischofer meinte zur Begrüßung, "dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen werden."

Wenig Zukunftsansagen

Anton Mattle machte in seiner halbstündigen Rede vor der Obmannwahl kaum inhaltliche Ansagen. Der Wirtschaftslandesrat und einstige Langzeitbürgermeister von Galtür sprach mehr über die Regierungsbilanz denn Pflöcke für die Zukunft einzuschlagen.

Für diese sieht er die größte Chance in in der Energiewende. Neben dem Ausbau der Wasserkraft soll Tirol "Weltmeister im Ausbau der Fotovoltaik-Anlagen werden", so das VP-Urgestein.

Den größten Zwischenapplaus erhielt Mattle, als er das Reizthema Wolf ansprach: "Großraubtiere haben keinen Platz in Tirol." Da werde es womöglich "einen legistischen Grenzgang brauchen." Bei den Touristikern fand wohl Anklang, dass sich der neue Landesparteiobmann sich beim Problem des Arbeitskräftemangels offen für "qualifizierten Zuzug" zeigte.

Mattle scheinen die Sympathien in den eigenen Reihen durchaus zuzufliegen. Ob es reicht, um in der Tiroler Volkspartei Euphorie für den Landtagswahlkampf zu erzeugen, werden die kommenden Wochen zeigen.

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