© APA/dpa/Andreas Arnold

Chronik Österreich
10/30/2020

Petitionen gegen durch Gesetz überfüllte Schulbusse

Drei Kinder unter 14 Jahren zählen in Linienbussen als zwei Fahrgäste, das sorgt für Kritik.

von Theresa Bittermann

Das tägliche Gedränge im Schulbus sorgt nicht nur wegen des Corona-Ansteckungsrisikos für Gefahrensituationen. Schon seit Langem sorgen überfüllte Busse bei Eltern für Unmut. Und ermöglicht wird das Gedränge ausgerechnet durch die geltende Gesetzeslage. Im Linienbusverkehr gelten nämlich drei Kinder unter 14 Jahren als zwei Fahrgäste. Kinder unter sechs Jahren werden gar nicht gezählt.

Ebendiese Regeln wollen Kritiker beseitigen. Denn laut Elternvereinen führen sie tagtäglich zu Gefahrensituationen durch Überlastung. Im ländlichen Raum seien die Busse unter anderem mit bis zu 100 km/h auf Landstraßen unterwegs, gibt Elternvertreter Werner Rainer zu bedenken. Mit einer Petition gegen die Gesetzeslage wenden sich die Elternvereine nun an die Regierung. „Es geht um die Sicherheit unserer Kinder und die muss uns etwas wert sein“, plädiert Rainer. Eine weitere Petition zu dem Thema starteten die SP-Abgeordneten Andreas Kollross und Maximilan Köllner.

Mehr Busse gefordert

Kritik kommt auch von Verkehrsexperten, laut ihnen gehe es unter anderem darum, so wenig Busse wie möglich einzusetzen. „So kann man schlicht mehr Kinder in den Bussen unterbringen, man spart sich Kapazitäten. Das ist das eigentliche Dilemma, wir bräuchten mehr Busse“, sagt ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer zum KURIER. „Bei zu wenig Sitzplätzen, kann sich auch nicht jeder anschnallen. Aus Angst bringen dann Eltern ihre Kinder einfach selbst mit dem Auto zur Schule“, so Hoffer.

Unhaltbare Zustände sieht auch Richard Ruziczka, Verkehrsexperte der Arbeiterkammer. Mit der Abschaffung der „Zwei zu drei“-Ausnahme bei Kindern sieht auch er es nicht getan. Wie Hoffer betont auch Ruziczka: „Es muss mehr Kapazitäten geben.“ Strengere Obergrenzen bei der Personenanzahl sei keine Lösung, es könne leicht passieren, dass dann keine neuen Fahrgäste zusteigen könnten.

Und er gibt eine Prognose ab: werden mehr Kapazitäten geschaffen, steigt auch die Nachfrage und die Busse wären damit wohl wieder relativ voll. Noch dazu kommt momentan auch die Corona-Krise. Abstandsregeln einzuhalten sei in vollen Bussen kaum möglich, so die Kritik.

Keine Cluster

Vom Land NÖ und vom Verkehrsverbund Ostregion (VOR) kontert man, laut Ages habe es noch kein Cluster in den Öffis gegeben. Jene Fahrgastregel für Kinder werde laut eigenen Angaben in den VOR-Bussen nicht angewendet. Der nö. Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP) hält außerdem fest: „Die Verkehrslandesräte aller Bundesländer haben aus diesem Grund vom Bildungsministerium Anpassungen gefordert. Konkret geht es darum, Schulbeginnzeiten zumindest ab der Oberstufe anzupassen, um die Öffi-Nutzung zeitlich besser zu verteilen“.

Aus dem Verkehrsministerium hieß es: „Die Frage nach der Menge der Fahrgäste ist vor allem eine Frage der Kapazität und Verfügbarkeit von Bussen.“ Laut VOR würde es eine Verdoppelung der Flotte brauchen, will man jedem Fahrgast einen Sitzplatz garantieren. Vom Verkehrsministerium spielte man den Ball zurück an die Länder, die die Busse bestellen – die Finanzierung liegt allerdings beim Bund.

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