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Pasterze schrumpft: Das ist bald der größte Gletscher Österreichs

In den kommenden Monaten wird das Abschmelzen des „Hufeisenbruchs“ erwartet.
Ein Bergsee liegt eingebettet zwischen felsigen Hängen und einem Gletscher unter blauem Himmel.

Zusammenfassung

  • Die Pasterze dürfte noch heuer ihren Rang als größter Gletscher Österreichs verlieren, wenn die letzte Eisverbindung am „Hufeisenbruch“ abschmilzt und der Tiroler Gepatschferner auf Platz eins rückt.
  • Die einst mächtige Gletscherzunge gilt de facto bereits als „Toteis“, da der Eisnachschub fehlt, die Bewegung nahezu zum Stillstand gekommen ist und der Eisverlust zuletzt stark zugenommen hat.
  • Experten führen den raschen Rückzug der Pasterze auf Klimawandel, steigende Temperaturen und geringe Neuschneemengen zurück, was auch Folgen für Wasserhaushalt, Biodiversität und alpine Sicherheit hat.

Die Pasterze unterhalb des Gipfels des Großglockners wird bald nicht mehr den ersten Platz der größten österreichischen Gletscher innehaben. Voraussichtlich noch heuer wird mit dem Abschmelzen des Rest-Eises am „Hufeisenbruch“, der letzten Verbindung zwischen Firngebiet und Gletscherzunge, gerechnet, teilten der Alpenverein (ÖAV), der Nationalpark Hohe Tauern und die Geosphere Austria am Donnerstag mit. Zum größten Gletscher Österreichs würde dann der Tiroler Gepatschferner.

Geht der Sommer ähnlich warm bis hitzig weiter, könnte die Eisverbindung „in den nächsten Monaten abreißen“, heißt es in einer Aussendung. „Bei etwas besseren Bedingungen könnte sie noch zumindest dieses Jahr überdauern“, so die Experteneinschätzungen. Die noch zur Jahrtausendwende über 800 Meter breite Eisbrücke über den „Riffwinkel“ an der Nordseite der Pasterzenzunge ist mittlerweile zu einem relativ schmalen Brückchen zusammengeschrumpft. Der fortschreitende Klimawandel setzt den heimischen Gletschern in noch vor wenigen Jahren nicht für möglich gehaltenem Ausmaß zu. Die Temperaturerhöhungen und zuletzt zudem oft spärlichen Neuschneemengen lassen die Eiskörper markant schwinden - ein Faktum, auf das immer wieder Forschende und der Alpenverein mit seinen „Gletscherberichten“ hinweisen.

Verbindungen gehen nach und nach verloren

Durch die Großglockner-Hochalpenstraße ist die Pasterze bereits seit der Zwischenkriegszeit von der Kärntner und Salzburger Seite aus gut erreichbar. Der Gletscher ist ein wichtiger touristischer Faktor und als beliebtes Bildmotiv zu einer Art ikonischen Projektionsfläche für das Selbstverständnis des Landes geworden.

Die markante Gletscherzunge, die früher als dicker Eispanzer zum Beispiel von der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe aus zu beobachten war, ist schon deutlich zurückgegangen. Wo noch um die Jahrtausendwende mächtiges Eis lag, bilden sich heute mehrere Seen heraus. Die Verbindung der Zunge zum Nährgebiet des Gletschers am oberen Pasterzenboden bestand früher in mehrere Richtungen hin. Auf der dem Hufeisenbruch gegenüberliegenden Seite ist die „Schneewinkel“-Eisbrücke schon im Jahr 2020 endgültig abgerissen - und heute ein Wasserfall. Geht nun auch der letzte Konnex verloren, gilt der Gletscher nicht mehr als eine einzige Eisfläche. Der abgetrennte untere Teil wird dann als „Toteiskörper“ bezeichnet.

Von der riesigen Eisfläche zum „Toteis“

Wie Toteis verhält sich die Rest-Gletscherzunge schon länger, weil seit den 2010er-Jahren „der Eisnachschub von oben so gering“ ist, werden die mit der Massenbilanzmessung betrauten Wissenschafter Michael Avian und Anton Neureiter von Geosphere zitiert: „Ihre Bewegung ist beinahe zum Stillstand gekommen und die Eismasse schmilzt nicht nur dahin, sondern ist einem großflächigen Zerfall preisgegeben.“ Den Gletschermessdienst des Alpenvereins und die Arbeit am jährlichen „Gletscherbericht“ koordinieren Andreas Kellerer-Pirklbauer und Gerhard Lieb vom Institut für Geografie und Raumforschung an der Universität Graz. Die alljährlichen Messungen an der Pasterze leitet Kellerer-Pirklbauer, für den die Gletscherzunge bereits seit längerem praktisch „als Toteismasse zu bezeichnen ist“, die sich „nicht mehr regenerieren kann“. Die Zunge ist alleine „von 2024 auf 2025 um 7,3 Meter eingesunken. Die dabei abgeschmolzenen 12,4 Millionen Kubikmeter Eis entsprächen einem Eiswürfel mit 231,5 Metern Kantenlänge“.

Wie massiv der Eisverlust über die vergangenen Jahrzehnte am gesamten Gletscher war, illustrieren Avian und Neureiter so: Ab 1980 ging jährlich im Durchschnitt eine Tonne Eis pro Quadratmeter Gletscherfläche verlustig. „In den letzten zehn Jahren hat sich der Wert auf 1,2 Meter Wasseräquivalent (also 1,2 Tonnen) erhöht.“ Für die Pasterze geben die aktuellsten Daten ein Eisvolumen von 0,9 Kubikkilometern an, heißt es seitens des ÖAV auf APA-Anfrage.

Platz eins wird nach Tirol wandern

Die aktuellste Version des Gletscherinventars aus dem Jahr 2023 weist für die Pasterze noch eine Fläche von 16,7 Quadratkilometern aus. Der nach dem endgültigen Aus der Eisverbindung am Hufeisenbruch dann größte Gletscher - der Gepatschferner - kam demnach 2023 auf rund 14,6 Quadratkilometer, wie die Glaziologin Andrea Fischer von das Akademie der Wissenschaften (ÖAW) gegenüber der APA darlegte.

Letzterer liegt oberhalb des Tiroler Kaunertales auf einer Höhe von bis zu annähernd 3.500 Metern Seehöhe. Er ist anders aufgebaut als die Pasterze: Während die große Fläche Letzterer auch mit der großen, relativ tief liegenden flachen Gletscherzunge zusammenhängt, hat der Tiroler Gletscher eine kleinere Zunge und sehr viel Masse in höheren Lagen. Dadurch verliert die Pasterze anteilig mehr Fläche durch die stark tauenden unteren Teile des bald nicht mehr größten heimischen Eiskörpers.

„Schmerzlich, Rückzug der Pasterze in dieser Geschwindigkeit mitansehen zu müssen“

Für Alpenvereins-Vizepräsidentin Nicole Slupetzky ist „das Abschmelzen unseres größten Gletschers“ mittlerweile „weit mehr als ein lokales Naturereignis. Wir sehen hier ganz klar die Auswirkungen der Klimakrise und damit die Veränderung eines einzigartigen Naturraums, der unsere Alpen über Generationen geprägt hat“. Der ÖAV fühle sich als größter Grundeigentümer im Glocknergebiet selbigem „emotional und historisch tief verbunden. Umso schmerzlicher ist es, den Rückzug der Pasterze in dieser Geschwindigkeit mitansehen zu müssen. Der Verlust unserer Gletscher hat bereits heute spürbare Folgen für Wasserhaushalt, Biodiversität und die Sicherheit im alpinen Raum“, wird Slupetzky zitiert.

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