Ostereier, Schätze, Schnäppchen: Was die Österreicher alles suchen
Die Sonne scheint an diesem Ostersonntag, Eier und Schokohasen sind versteckt – und nicht nur Kinder freuen sich aufs Suchen. Denn etwas zu finden, ist auch ein Erfolgserlebnis.
So gesehen endet die Suche nicht an diesem Wochenende im Garten. Sie begleitet viele Menschen ein Leben lang – manchmal bewusst, oft ganz nebenbei. Wir suchen nach Sinn und Halt, nach Glück und Genuss, nach verborgenen Talenten oder nach Antworten auf Fragen, die sich nicht so leicht lösen lassen.
Manchmal geht es um das ganz Große, um Glauben oder Gewissheit, manchmal um das ganz Konkrete: einen verlorenen Gegenstand, einen vermissten Menschen. Der KURIER hat sich drei Formen des Suchens angenähert.
- Die Suche nach Schätzen
- Die Suche nach Nahrung und Genuss
- Die Suche nach Schnäppchen
Die Suche nach Schätzen
Robert Mann verbringt jede freie Minute mit dem Blick nach unten. Es ist ein warmer Frühlingstag, er bewegt sich langsam durch den grünen Prater. Wäre da nicht der Metalldetektor in seiner Hand, würde man ihn für einen normalen Spaziergänger halten.
Sondengänger Robert Mann sucht und findet Metallenes.
Mann ist Sondengänger. Er streift durch Wälder und über Äcker, um den Boden nach Objekten mit Geschichte zu durchkämmen. Es sei der Reiz des Entdeckens, sagt er, ein Mix aus Entspannung und Nervenkitzel. „Wenn ich nichts finde, habe ich zumindest Zeit an der frischen Luft verbracht.“
Seine Faszination für Geschichte begann früh. Doch es störte ihn, dass er im Museum nichts angreifen durfte. Mit acht Jahren bekam er den ersten Metalldetektor – aus heutiger Sicht ein Schrottteil, wie er sagt, aber es reichte, um ihn für Jahrzehnte zu begeistern.
Münzen, Knöpfe, Müll
Was Robert Mann unter der Oberfläche findet, ist nicht immer spektakulär. Münzen, verlorener Schmuck oder Knöpfe von Uniformen napoleonischer Truppen. „Die haben eine Nummer, daran erkennt man sie.“ Und dazwischen viel Müll.
Manchmal aber stößt der Wiener tatsächlich auf verborgene Schätze. Vor zwei Jahren fand er im niederösterreichischen Kamptal das Werkzeug eines spätbronzezeitlichen Schmieds. Er meldete es dem Bundesdenkmalamt, es stellte den Fund aber nicht unter Schutz. Jetzt will er das Werkzeug einem lokalen Museum zur Verfügung stellen.
10.000 Dinge soll ein Durchschnittseuropäer besitzen. Das sind eine Menge Gegenstände, die verloren gehen können – und manchmal auch gesucht werden. Mehr als 125.000 Fundstücke wurden in Wien 2024 beim Fundservice abgegeben. 57.000 davon konnten an den Besitzer zurückgegeben werden.
Die Top 3:
- Ausweise
- Geldbörsen
- Schlüssel
Ein großes Problem sieht Mann in den unklaren gesetzlichen Regelungen für Sondengänger. Laut Denkmalschutzgesetz ist das Verwenden von Metalldetektoren zwar erlaubt, die gezielte Suche nach archäologischen Denkmälern jedoch bewilligungspflichtig. Die Folge: „Viele melden ihre Funde nicht mehr, und sie gehen für die Wissenschaft verloren“, sagt er.
Gleichzeitig wächst die Szene der Metallsucher. Vor allem die Pandemie brachte den Boom, sagt Robert Mann. Er beschäftigt sich mittlerweile auch beruflich mit Suchgeräten. Ihm gehört Viennadetectors, Wiens einziges Geschäft für Metalldetektoren.
„Golddetektoren sind im Moment sehr gefragt. Ich könnte 50 auf einmal verkaufen, wenn ich sie lagernd hätte.“ Vor ein paar Jahren fand ein Kunde ein sieben Gramm schweres Goldnugget an der Ybbs. Das sei je-doch die Ausnahme. Viel öfter bleibt es bei den kleinen Funden. Und beim Gehen.
Die Suche nach Nahrung und Genuss
Das gekonnte Suchen (und vor allem: das Finden) ist eine der ältesten Kulturtechniken der menschlichen Spezies, wenn nicht sogar die älteste. Über die längste Zeit der Menschheitsgeschichte hinweg war sie überlebenswichtig. Noch lange vor Gott, dem Sinn und der Liebe hat der Mensch tagtäglich in erster Linie eines gesucht: Nahrung.
Der Begriff Sinn wurzelt im altdeutschen „sin“, was so viel wie Weg, Gang, Reise bedeutet.
Der Mensch streifte von Anbeginn an als Jäger und Sammler durch die Welt, den Gutteil des Tages verbrachte er mit der Suche. Nach Wild, nach Fisch, nach Beeren, Pilzen und Kräutern. Keine andere Lebens- und Ernährungsweise ist mit dem Homo sapiens so eng verbunden. Mehr als 90 Prozent seiner Entwicklungsgeschichte verbrachte der Mensch als Jäger und Sammler.
Bereits die ersten Spezies der Gattung Homo ernährten sich so (das ist rund zwei Millionen Jahre her), der moderne Mensch (seit rund 300.000 Jahren) änderte daran lange nichts. Viehzucht und Ackerbau begannen erst rund um 10.000 vor Christus Form anzunehmen, in Europa waren wir sogar weitere 5.000 Jahre später dran.
Nicht belächelt
Die Wissenschaft ist demnach längst davon abgekommen, die frühen Jäger und Sammler zu belächeln. Diese Art des Wirtschaftens verlangte von den Individuen eine Palette an Fähigkeiten, die über Generationen weitergeben werden mussten.
Ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit zählte dazu, handwerkliche Fertigkeiten (zum Bau von Jagdwaffen und Werkzeugen), Kommunikation (große Wildtiere mussten in Gruppen von bis zu 20 Menschen gejagt werden) und nicht zuletzt breites ökologisches Wissen – vom Spurenlesen bis zur Pflanzenkunde, um Giftiges zu erkennen. (Dass die Verarbeitung von Produkten – etwa durch Erhitzen – diese für den Körper vielfach genießbarer macht, war damals nicht bekannt; dieses Wissen kam erst später.)
Die Osternest-Suche gehört in Österreich zur Tradition. Mehr als zwei Drittel suchen laut AMA nach Eiern.
All das ist mehr als bloße Geschichtsbetrachtung – im Gegenteil. Die frühzeitliche Ernährung ist mehr denn je zeitgeistig. Denn unsere Vorfahren lebten in gleich mehrerlei Hinsicht gesund. Die Ernährung war überwiegend pflanzlich, vollwertig – und es ging ihr ein hohes Maß an Bewegung voraus. Auch das (unfreiwillige) Fasten gehörte dazu, schließlich war nicht jeder Beutezug erfolgreich.
Rückkehr der Steinzeit
Die Anhänger der sogenannten Paleo-Diät (die in den 1970ern konzipiert wurde und Mitte der 2010er-Jahre ihr Revival feierte) holen die Grundsätze in die Gegenwart. Sie verzichten auf verarbeitete Lebensmittel – und setzen auf Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst und Nüsse.
Viel wichtiger noch ist der ökologische Aspekt: Die Jäger und Sammler können sich einer höchst nachhaltigen Form der Ernährung rühmen, da ihre Lebensweise nicht (oder zumindest nicht gezielt) in die Reproduktion der natürlichen Ressourcen eingriff. Dieser Zugang mutet gerade in Zeiten des Klimawandels wieder klug an.
Wild und Bärlauch
Die Jagd erfreut sich wieder größerer Beliebtheit. Waidgerecht erlegtes Wild gilt vielen, die dem Fleischkonsum generell skeptisch gegenüber stehen, als ethisch vertretbar. Und wie sehr sich die Sammellust der steinzeitlichen Vorfahren in uns gehalten hat, zeigt sich jetzt, da die Bärlauch-Saison begonnen hat, in besonderem Maße. (Die Schwammerl kommen dann im Spätsommer.)
Auch in sternegekrönten Spitzenküchen findet der Trend Niederschlag. Naturküche nennt sich das Konzept, in dem kulinarische Avantgardisten Moos, Flechten oder ganze Bäume verkochen.
Weltweit leben übrigens bis heute 3,8 Millionen Menschen in Gemeinschaften, die ihre Nahrung zum überwiegenden Teil noch in der Natur suchen.
Die Suche nach Schnäppchen
Die Preise ziehen an, Schnäppchenportale haben Hochsaison. Eine Vielzahl an Apps am Smartphone helfen, das Leben billiger zu gestalten. Derzeit besonders gefragt sind Restaurant-Plattformen. Wer um bis zu 50 Prozent billiger speisen möchte, kann dies etwa über die Tripadvisor-Tochter TheFork. Die größte Restaurant-Reservierungsplattform in Europa kooperiert mit 70.000 Restaurants, in Österreich sind es seit der Übernahme des Wiener Start-ups Delinski vor fünf Jahren mehr als 1.000.
Mit wenigen Klicks kann ein Tisch im Kaffeehaus, beim Italiener oder Lieblingswirten reserviert werden – in Wien etwa Figlmüller, Cafe Landtmann oder Hard Rock Cafe – und günstiger gespeist werden. Extra Kosten fallen nicht an, etwas Flexibilität ist aber gefragt, denn Stoßzeiten sind oft nicht rabattiert. Wer Treuepunkte „Yums“ sammelt, kann diese später gegen Gutscheine eintauschen.
12 Milliarden Dollar gaben US-Amerikaner beim „Black Friday“ vergangenes Jahr aus. Geholfen haben den Schnäppchenjägern KI-gestützte Tools.
Restaurants, Hotels, Bäckereien und auch Supermärkte verkaufen übrig gebliebenes Essen oder Lebensmittel sehr günstig über die App Too Good To Go (zu deutsch: zu gut, um weggeworfen zu werden). In Wien sind auch Hotels dabei, die Reste vom Frühstücksbuffet günstig verkaufen.
Das Angebot schwankt stark, Flexibilität ist gefragt. Das dänische Unternehmen will die Lebensmittelverschwendung reduzieren und hat inzwischen 120 Millionen Nutzer in 21 Ländern. Gutschein- und Rabattportale sowie Preisvergleichsseiten sind dann eine gute Wahl, wenn nach einem bestimmten Produkt gesucht wird. Viele Schnäppchenjäger halten Ausschau nach günstigen Deals und Aktionen auf sparhamster.at, wo der Fokus auf Technik, Reisen und Supermarkt-Aktionen liegt. Ein umfassendes Portfolio bieten dailydeal.at oder preisjaeger.at, Zum digitalen Durchstöbern von Prospekten heimischer Händler lädt aktionsfinder.at.
28 Prozent der Österreicher und Österreicherinnen gaben an, Single zu sein, ergab eine Parship-Studie im vergangenen Jahr. Jeder Zweite hat den Wunsch, einen Partner zu finden. Viele davon suchen im Netz, auch Ältere.
Eine aktuelle Bitkom-Umfrage in Deutschland zeigt:
21 Prozent der über 70-Jährigen haben Online-Dating ausprobiert.
Bei den 16- bis 29-Jährigen suchten 60 Prozent im Netz. Über alle Altersgruppen hinweg fand ein Drittel einen festen Partner.
Die beiden umfangreichsten Preisvergleichsseiten sind geizhals.at – wobei Preisalarme beim Sparen helfen – und idealo.at, die auch Preise von Flugreisen vergleicht. KI-Tools wie ChatGPT oder Google Gemini können bei der Schnäppchenjagd helfen, weil sie schneller und personalisierter suchen und vergleichen. Die Tools sind jedoch fehleranfällig und die Ergebnisse nicht immer top-aktuell.
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